Nach Abschaffung der EEG-Umlage: Warum die Stromkosten trotzdem steigen

Ab dem 1. Juli entfällt die EEG-Umlage auf der Stromrechnung. Wirklich entlastet werden viele Haushalte dadurch aber nicht.

Nach Abschaffung der EEG-Umlage: Warum die Stromkosten trotzdem steigen

Eigentlich sollten Verbraucher durch den Wegfall der EEG-Umlage auf der Stromrechnung ab dem 1. Juli entlastet werden. Leser Maik muss allerdings schon ab dem 1. August mehr bezahlen: „Entega erhöht den Strompreis um mehr als 13 Cent die Kilowattstunde“, sagt er. „Dabei senken andere Anbieter die Strompreise.“ Auch bei anderen Kunden gibt es Erhöhungen, zum Teil sogar schon seit dem 2. Juli.

Preise im Stromgroßhandel extrem gestiegen

Die Stromanbieter sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Absenkung durch den Wegfall der EEG-Umlage an die Kunden weiterzugeben. Außerdem darf der Arbeitspreis nicht einfach am selben Datum erhöht werden, um den Verlust zu kompensieren. Eine Strompreiserhöhung kurze Zeit später ist allerdings nicht gesetzlich verboten – und wegen der aktuellen Lage auch nicht unwahrscheinlich.

In den vergangenen eineinhalb Jahren sind die Preise im Stromgroßhandel extrem gestiegen. Zuerst hat die Erholung nach der Hochphase der Corona-Pandemie die Preise in die Höhe getrieben, jetzt verschärft der Angriffskrieg auf die Ukraine die Situation weiter. „Aktuell zahlen Stromversorger im Großhandel für eine Kilowattstunde Strom viereinhalbmal so viel wie noch Anfang 2021 und fast doppelt so viel wie zu Anfang dieses Jahres“, heißt es dazu vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Viele Versorger kündigen Erhöhungen an

Der Wegfall der EEG-Umlage könne das nicht abfedern und sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Klar ist: Je länger das Preisniveau so hoch bleibt, desto weniger können Energieversorger die Kostenanstiege durch vorausschauende Beschaffung ausgleichen und desto stärker schlagen sie sich in den Verbraucherpreisen nieder“, so Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Laut des Vergleichsportals Verivox haben für Juni, Juli und August bereits 153 örtliche Versorger Preiserhöhungen angekündigt oder bereits umgesetzt – um durchschnittlich 19 Prozent. „Spätestens zum Jahreswechsel rechnen wir erneut mit flächendeckenden Strompreiserhöhungen für Millionen Haushalte,“ prognostiziert Verivox-Energieexperte Thorsten Storck.

Auch Entega-Sprecher Michael Ortmanns sagt auf Merkurist-Anfrage: „Grundsätzlich bleibt die Lage an den Energiemärkten angespannt und äußerst schwierig kalkulierbar.“ Man habe die Senkung der EEG-Umlage an alle Kunden weitergegeben und könne die Preissteigerungen durch eine „vorausschauende Einkaufspolitik“ zwar abfedern. „Gleichwohl haben wir im laufenden Jahr auch die Preise individuell anpassen müssen und können weitere Preissteigerungen auch nicht ausschließen.“ Die Höhe variiere abhängig von den jeweils in den Verträgen vereinbarten Preisgarantien.

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