Wie wahrscheinlich ist ein „Blackout“ für Mainz?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz sorgte kürzlich für Aussehen, als ihr Chef regionale Stromabschaltungen für den Winter prognostizierte. Wir haben bei den Stadtwerken nachgefragt, wie die Lage in Mainz ist und wie die Stadt vorbereitet ist.

Wie wahrscheinlich ist ein „Blackout“ für Mainz?

Zunächst hatte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für den Winter angekündigt, regional und zeitlich begrenzt den Strom abzustellen. Inzwischen sei „die Wahrscheinlichkeit als gering anzusehen“, ruderte BBK-Chef Ralph Tiesler zwar kurze Zeit später zurück. Er habe ja nur die „grundsätzliche Bedeutung von Vorsorgemaßnahmen“ hervorheben wollen.

Doch die Angst bei den Menschen bleibt: Könnte die aktuelle Energiekrise dazu führen, dass manche Versorger den Strom abstellen müssen? Es seien für den aktuellen Winter mehrere Szenarien geprüft und Sicherheitsanalysen durchgeführt worden, teilt Michael Theurer von den Mainzer Stadtwerken mit, auch mit den europäischen Kollegen zusammen. Das Ergebnis: „In fast allen Szenarien, die dabei geprüft wurden, sind keine größeren Probleme zu erwarten.“

Engpässe in Frankreich könnten Leistung in Deutschland reduzieren

Ein Extremszenario jedoch könne kritisch werden: Eine mehrtägige Kälteperiode in Europa mit Temperaturen unter minus 10 Grad Celsius sowie eine gleichzeitige Flaute bei Sonnen- und Windstrom. Wenn dann auch noch zahlreiche Atomkraftwerke in Frankreich nicht verfügbar sind und der Gas- und Kohlekraftwerksbetrieb eingeschränkt ist, könnten in Frankreich an einigen Tagen Engpässe in der Leistungsbereitstellung entstehen. „In der Folge könnte auch in Deutschland in wenigen Stunden bis zu 10 Prozent Leistung fehlen.“

Falls diese Situation tatsächlich eintreten sollte, seien die Stadtwerke mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket vorbereitet. „Nur im absoluten Extremfall könnte es erforderlich werden, dass Netzbetreiber dann eingreifen und durch gezielte Notmaßnahmen das Netz stabilisieren müssen.“ Dann könnten beispielsweise bei wenigen Großkunden der Strom gezielt zeitlich abgeschaltet werden. Als „äußerst gering“ schätzen die Mainzer Netze die Wahrscheinlichkeit ein, dass es in diesem Winter dazu kommen könnte. „Wir rechnen nicht mit langanhaltenden Blackouts, sind gut vorbereitet“, so Theurer.

Dennoch werde es für die Netzbetreiber immer anspruchsvoller, die Systemsicherheit im Stromnetz sicherzustellen. Könne etwa mehrere Tage lang kein Sonnen- und kein Windstrom produziert werden, müsse im Kraftwerk Strom thermisch erzeugt werden. Je mehr sowohl der Verkehr als auch die Heizungen mit Strom betrieben würden, müsste auch die Kapazität für Stromspitzen ausgebaut werden. Perspektivisch könnten dazu die Kraftwerke auch mit grünem Wasserstoff betrieben werden, gespeichert in den vorhandenen Gasspeichern.

Die Mainzer Netze hätten für den Betrieb der Strom-, Erdgas- und Trinkwasserversorgung detaillierte Krisen- und Notfallpläne. Diese würden auch bei einem großflächigen Stromausfall eine entsprechende Notstromversorgung wichtiger Infrastrukturen vorsehen. „Die Versorgung dieser Notstromaggregate mit Treibstoff ist dank einer konzerneigenen Infrastruktur mehrere Tage gesichert“, sagt Theurer.

Tipps, wie ihr für den Stromausfall vorsorgt, findet ihr auf der Webseite des BKK.

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