Aus für Hochlandrinder im Selztal - Landkreis vollstreckt Räumungsklage

Jahrelang ließ Herdenbesitzer Jochen Fiala seine Hochlandrinder mit dem Segen des Landkreises im Selztal weiden. Doch dann kam der Bruch: Fiala und seine Rinder waren nicht mehr erwünscht. Nun ist eine Entscheidung in dem Rechtsstreit gefallen.

Aus für Hochlandrinder im Selztal - Landkreis vollstreckt Räumungsklage

Eigentlich könnte im Selztal alles so schön sein: Schottische Hochlandrinder, die genügend zu fressen haben, Umweltschützer, die sich über die Ansiedlung von seltenen Vogelarten freuen, und ein Landkreis, der jährlich Tausende Euro für die Bewirtschaftung der Selztalwiesen einspart. Doch der Frieden war schon längst getrübt: Fast zehn Jahren lang stritten sich Rinderherden-Besitzer Jochen Fiala und der Landkreis Mainz Bingen über die ordnungsgemäße Beweidung der Flächen zwischen Hahnheim und Nieder-Olm.

Rinder als ökologischer Rasenmäher

Landschaftsbauer Jochen Fiala aus Hahnheim bewirtschaftete bereits seit über 20 Jahren die Selztalwiesen mit seiner Herde. Ziel dieses Projekts, das auf eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis Mainz-Bingen zurückgeht, ist die offene Gestaltung des Selztals, damit sich dort seltene Vogelarten ansiedeln und auch heimisch werden. So werden die Rinder mitten in dem Naturschutzgebiet quasi als ökologischer Rasenmäher eingesetzt. Sie sollen das Gras möglichst niedrig und Pflanzen und Büsche klein halten, um die Vögel anzulocken.

Diese Zusammenarbeit ging auch jahrelang gut, bis der Landkreis mit Fialas Herde plötzlich nicht mehr zufrieden war. So warf der Landkreis Fiala 2012 vor, zu viele Tiere auf den Wiesen grasen zu lassen und es deshalb zu „einer massiven Überweidung und Belastung“ komme. Das wiederum widersprach aber einem Gutachten, dass der Landkreis selbst erstellen ließ. Das Gutachten bescheinigt Fiala und seinen Rindern beste Arbeit. So sei die Rinderdichte genau passend für den beweideten Bereich.

Auch das rheinland-pfälzische Umweltministerium attestierte dies Fiala. Wie ein Sprecher des Ministeriums damals gegenüber dem ZDF sagte, habe sich die Beweidung als sehr nützlich für den Naturschutz erwiesen. Die Ziele des Projekts hätten sich somit hervorragend erfüllt und bewährt. Trotzdem wurde damals erwogen, die Zusammenarbeit mit Fiala zu beenden. Doch dann wurde der Naturschutzbund (NABU) organisatorisch zwischen- beziehungsweise eingeschaltet, um den Streit zu schlichten.

Wie der NABU in einem Statement 2015 mitteilte, habe die Gruppe Rhein-Selz vom Selzverband 2013 alle Flächen zwischen Nieder-Olm und Weinolsheim gepachtet, um eine naturschutzfördernde Beweidung zu organisieren. Dann wurden die Flächen an Fiala weiter verpachtet. In einem Geschäftsbesorgungsvertrag wurde der NABU zudem beauftragt, darauf zu achten, den Naturschutz einzuhalten und sich um die Landschaftspflege zu kümmern.

Aus für Fialas Rinder

Fiala warf dem NABU aber vor, erst an den Selztalwiesen interessiert gewesen zu sein, als Subventionen in Aussicht gestanden hätten. Der NABU hatte Fiala schließlich Ende April 2015 aufgrund des „zerstörten Vertrauensverhältnisses“ aufgefordert, „seine Materialien von den vom NABU gepachteten Flächen zu räumen“, wie es in dem Statement „zur Beendigung der Zusammenarbeit mit Jochen Fiala“ damals hieß.

2017 wurde Fiala dann offiziell gekündigt. Doch die schottischen Hochlandrinder blieben bis zuletzt auf den Wiesen stehen. Ein Gerichtsstreit hatte zuvor keine Lösung gebracht. Nun aber mussten Fiala und seine Tiere die Flächen im Selztal tatsächlich räumen. Wie ein Sprecher der Kreisverwaltung auf Anfrage von Merkurist mitteilt, sei inzwischen eine Räumungsklage vollstreckt worden. „Die Fläche ist ordnungsgemäß geräumt, Zäune zurückgebaut worden.“

Nun stehe „im Selztal eine neue Ära bei der Wiesenbeweidung durch Rinder an.“ Es werde beabsichtigt, auf diesen Flächen gemeinsam mit dem NABU und neuen Kooperationspartnern aus der Landwirtschaft ein neues Beweidungskonzept zu installieren. „Für den Bereich Nieder-Olm bis Hahnheim werden dieses Jahr 40 Rinder der Rasse Jersey die Flächen beweiden. Im Jahr 2021 wird die Herde vermutlich auf 60 Tiere aufgestockt“, so der Sprecher. Auf Flächen in Friesenheim sollen außerdem bis zum nächsten Jahr maximal 30 Rinder der Rasse Limousin hinzukommen.

Ex-Beweider Jochen Fiala sieht das neue Konzept dagegen skeptisch. „Das wird mit diesen Rinderrassen nicht funktionieren“, so Fiala gegenüber Merkurist. Damit diese Rassen satt würden, müsste zugefüttert oder die Flächen gedüngt werden, das stehe dem Naturschutz aber entgegen. (df)

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