Abschlepp-Ärger beim KFC in Bretzenheim

Auch in Corona-Zeiten wird beim KFC-Restaurant in Mainz-Bretzenheim zügig abgeschleppt. Diese Erfahrung musste nun auch eine Leserin machen. Was KFC und das Abschleppunternehmen sagen.

Abschlepp-Ärger beim KFC in Bretzenheim

Dieser Arztbesuch wurde für Merkurist-Leserin Bärbel* und ihren Mann ziemlich teuer. Am vergangenen Montag fuhr das Paar zum Mainzer Orthopädie-Zentrum in der Haifa-Allee in Bretzenheim. Bärbels Mann hatte dort einen Termin. „Da er mit dem Laufen große Probleme hat, entschied ich mich, den PKW auf dem KFC-Parkplatz abzustellen, was eine kürzere Wegstrecke ohne Stufen bedeutete“, erzählt Bärbel gegenüber Merkurist. Ihre Überlegung: Der Parkplatz werde nicht gebraucht, weil man sich derzeit im Restaurant ohnehin nicht hinsetzen kann. „Es standen auch nur vier, fünf Wagen da. Außer dem üblichen Verkehr beim Drive-In-Schalter war alles leer.“

Als das Paar etwa 30 Minuten später vom Orthopäden zurückkam, folgte die Überraschung: „Der Wagen war weg“, so Bärbel. Dem Amt für Verkehrsüberwachung sei nichts bekannt gewesen, also habe sie sich an einen Mitarbeiter von KFC gewandt. „Dieser beteuerte, dass es ihm sehr leid tue, er nichts dafür kann und dass er täglich mehrere Anrufe von Menschen erhalte, deren Auto von dem Parkplatz abgeschleppt wird“, sagt Bärbel. Der Mitarbeiter habe ihr dann die Telefonnummer des Abschleppdienstes „Sascha“ in Wiesbaden gegeben.

„Abschleppunternehmen war innerhalb kürzester Zeit aus Biebrich da“

Die Leserin ärgert sich. „Welche Einstellung herrscht da bei KFC? Wir hätten ja auch Stammkunden sein können oder danach zu KFC gehen.“ Sie habe zwar Verständnis dafür, dass ein Schnellrestaurant keine Langzeitparker dulde. „Aber die Überwachung eines coronabedingt fast immer leeren Parkplatzes durch ein Abschleppunternehmen kann ich nicht nachvollziehen.“ Außerdem wundert sich Bärbel: „Wie kann es sein, dass ein Abschleppunternehmen aus Biebrich innerhalb kürzester Zeit in Mainz ist?“. Ihre Vermutung: Auf dem ersten Parkplatz habe ein Auto gestanden, der Fahrer auffällig mit Handy „patrouilliert“.

Als sie schließlich ohne eigenes Auto bei dem Wiesbadener Abschleppunternehmen angekommen sei, hätten da schon „sechs bis acht“ PKW mit Mainzer Kennzeichen gestanden. Aber niemand sei zunächst dagewesen. Über eine Klingelanlage habe sie mit mit einem Mitarbeiter Kontakt aufgenommen, der schließlich angekündigt habe, jemanden vorbei zu schicken. „Nach ungefähr 30 Minuten kam ein Mann angefahren, stieg aus, ging grußlos an uns vorbei, öffnete und verschloss sofort wieder das Eingangstor.“ Kurze Zeit später sei er ohne Maske am Fenster erschienen. „Als wir ihn darauf hinwiesen, sagte er: ‘Maske wozu’?“ Auch bei der Rechnung habe sie schließlich eine unangenehme Überraschung erlebt. „Die 50 Euro Mehraufwand, die in der Rechnung aufgeführt wurden, konnte er nicht erklären.“

Was das Abschleppunternehmen sagt

Das Wiesbadener Abschleppunternehmen „Sascha“ sieht die Situation anders. „Wir sind für viele Unternehmen tätig, die sehr oft mit dem Problem konfrontiert sind, dass ihre Parkplätze von KfZ-Haltern zu privaten Zwecken genutzt werden, die nichts mit dem Geschäft unserer Kunden zu tun haben“, sagt Inhaber Alexander Baumgärtner gegenüber Merkurist. Immer wieder komme es vor, dass Kunden nicht parken können, weil die Plätze von jenen besetzt seien, „die gemäß den Hinweisschildern dort nicht parken dürfen“.

Diesen Auftrag habe man auch für den Bretzenheimer KFC. „Und den haben wir selbstverständlich auch während der Corona-Zeit und im To-go-Geschäft“, so Baumgärtner. „Denn auch hier müssen Kunden vorfahren, um sich ihre Bestellungen abzuholen. Oft auch verbunden mit einer Wartezeit auf dem Parkplatz. Sie sind demnach berechtigt, hier zu parken.“

Baumgärtner widerspricht der Darstellung, dass die Mitarbeiter keine Masken im Kundenverkehr tragen würden. „Speziell in geschlossenen Räumen ist das bei uns Pflicht. Wenn auf offener Straße die Möglichkeit gegeben ist, einen ausreichenden Abstand zu halten beziehungsweise keine seitens des Ordnungsamts ausgewiesene Verbotszone vorliegt, kann die Maskenpflicht auch lockerer gehandhabt werden.“ Und der „Mehraufwand“ in der Rechnung? „Die Rechnung umfasst die sich aus der Besitzstandsstörung ergebenen Kosten, das heißt Abschleppen und administrativer Aufwand“, so Baumgärtner.

Das sagt KFC

Für KFC teilt eine Sprecherin auf Merkurist-Anfrage mit: „Die Parkplätze vor dem KFC-Restaurant in Mainz-Bretzenheim sind auf Privatgelände und stehen ausschließlich für Gäste des Restaurants zur Verfügung. Sie sind deutlich als solche gekennzeichnet.“ Da sich in der Vergangenheit gezeigt habe, dass die Parkplätze über einen längeren Zeitraum auch von Autos belegt seien, deren Fahrer nicht das KFC-Restaurant besuchen, werde der Parkraum von einem externen Unternehmen überwacht. „Dieses behält sich bei Vergehen vor, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.“

Nur so könne gewährleistet werden, dass Gäste von KFC vor dem Restaurant parken können. Während der Corona-Pandemie sei es den Gästen aktuell nur gestattet, Bestellungen via Drive-Thru oder im Restaurant To Go aufzugeben. Für die To-Go-Abholung sei die Nutzung des Parkplatzes unerlässlich. Die Sprecherin sagt: „Wir bitten hier um Verständnis der Parkenden, den Parkplatz von KFC auch nur bei einem Besuch des Restaurants zu nutzen.“

*Name geändert

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