Motor läuft im Stand: Droht eine Strafe?

Der Wagen steht und der Motor läuft. Warum? Meist gibt es keinen triftigen Grund für das Laufenlassen des Motors, während am Straßenrand gehalten wird. Dabei stören Lärm und Abgase. Aber ist das ordnungswidrig?

Motor läuft im Stand: Droht eine Strafe?

Die einen warten auf einen Freund, der „nur mal schnell etwas aus der Apotheke holt“, die anderen wissen nicht wohin sie müssen und tippen auf ihrem Navi rum - und dabei läuft der Motor. Viele Außenstehende stören sich an dieser Situation und das aus mehreren Gründen. Doch gilt dies auch als Ordnungswidrigkeit im Straßenverkehr?

Unnötige Lärm- und Abgasbelästigung

Der ADAC erklärt auf seiner Webseite unter dem Reiter „Motor warmlaufen lassen“ die Ordnungswidrigkeit und Schädlichkeit dieses Vorgangs. Und das gilt nicht nur im Winter: Den Motor im Stand laufen lassen ist ordnungswidrig. Das deutsche Verkehrsrecht hält nämlich jeden Verkehrsteilnehmer dazu an, unnötige Lärm- und Abgasbelästigung zu vermeiden und zu verhindern. So steht es auch in Paragraph 30 der Straßenverkehrsordnung (StVO) und in Paragaph 5 des Landes-Immissionsschutzgesetzes Rheinland-Pfalz (LImSchG).

„Unnötig“ bedeutet hier alles, was vermieden werden kann. Dies gilt auch auf Privatgrundstücken. Denn nicht nur die umherstehenden Menschen und Anwohner werden hiermit gestört. Dieses Verhalten schadet auch der Umwelt und der Funktion des Wagens selbst. Der ADAC schreibt: „Durch das Warmlaufen des Motors im Stand steigt der Spritverbrauch an, die Umwelt wird extrem belastet und auch das Risiko eines Motorschadens steigt erheblich.“

Der Verlag für Rechtsjournalismus (VFR) schreibt in seinem Bußgeldkatalog 2019, dass in drei Minuten, in denen der Motor unnötig läuft, die Benzinmenge für einen Kilometer Autofahrt verbraucht wird. Alles in allem gilt also: Das vermeidbare Motor laufen lassen im Stand ist verboten.

Ausnahmen

In Extremfällen gibt es jedoch ein paar Ausnahmen. Laut Bußgeldkatalog 2019 gilt es beispielsweise als Ausnahme, wenn jemand gezwungen ist aufgrund eines Notfalls bei starkem Frost im stehenden Wagen zu warten. Zudem ist es LKW-Fahrern nicht verboten, den Motor im Stand laufen zu lassen, wenn sie ihre Druckluftbremsanlage auffüllen wollen.

Die Folgen der Ordnungswidrigkeit

Da es sich in dieser Situation nicht um ruhenden Verkehr handelt, kann die Verkehrsüberwachung hier nicht eingreifen. Für diese Ordnungswidrigkeit ist die Polizei zuständig. Wird ein Autofahrer außerdem bei einem solchen Verhalten erwischt, muss er mit einem Bußgeld von 10 Euro rechnen.

Polizeipressesprecher Alexander Koch zufolge ist das Filmen einer solchen Rechtswidrigkeit ähnlich dem Filmen mit einer Dashcam. Eine solche Videoaufnahme ist rechtlich umstritten, da sie den Prinzipien des Datenschutzes widerspricht. Vor allem das informelle Selbstbestimmungsrecht ist laut ADAC hier zu beachten. Es beschreibt das Recht des Einzelnen, sich in der Öffentlichkeit frei zu bewegen, ohne befürchten zu müssen, ungewollt und anlasslos zum Objekt einer Videoüberwachung gemacht zu werden. Somit ist ein Dashcam-Mitschnitt solcher Verstöße unzulässig. Der ADAC schreibt, dies gelte auch für den Fall, dass ein Fehlverhalten anderer bei der Polizei angezeigt und mit einem selbstgefilmten Video belegt werden soll. Eine solche Videoaufnahme zur Strafverfolgung sei nur der Polizei erlaubt, und auch dies nur begrenzt. Wer den Verstoß eines anderen aufnehmen und anzeigen will, handle in den aller meisten Fällen selbst rechtswidrig.

Online Anzeige erstatten geht generell aber auch ohne Video. Dafür gibt es auf der Website der Polizei Rheinland-Pfalz die sogenannte „Onlinewache“. Auch bei der Polizei Hessen gibt es diese.

Bevor man jedoch direkt die Polizei ruft oder online Anzeige erstattet, ist es sicherlich einen Versuch wert, zu allererst das persönliche Gespräch zu suchen. Solange man den betroffenen Autofahrer freundlich darum bittet den Motor auszuschalten, kann sich der Aufwand einer Anzeige erübrigen.(df)

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