Obstdiebstahl: So schaden Diebe den Mainzer Obstbauern

Beim Spaziergang entlang der Obstwiesen eine Handvoll Kirschen mitnehmen: Was erstmal harmlos klingt, ist für die Mainzer Obstbauern ein großes Problem.

Obstdiebstahl: So schaden Diebe den Mainzer Obstbauern

8, 12 und 16 Kilogramm Obst gestohlen: Diese Schlagzeilen gab es in den vergangenen Wochen häufiger. Sobald die Obstsaison auf den Feldern in den Mainzer Stadtteilen beginnt, machen sich auch die Obstdiebe wieder ans Werk - zum Nachteil der Mainzer Obstbauern. Immer wieder bedienen sich Diebe an den Kirschen, Erdbeeren, Zwetschgen und Aprikosen. Das sorgt für Ärger.

Finanzieller Schaden

Wie viel Schaden auch wenige Kilogramm geklautes Obst anrichten können, das erklärt Christian Schüler vom Obsthof Schüler aus Drais: „Auch wenn kleine Mengen Obst geklaut werden, in der Summe kommt dann doch schnell einiges zusammen. Ich gehe von einem Schaden von etwa 1000 bis 2000 Euro aus.“ Auf den Feldern könne man häufig nicht nachvollziehen, wie viel Obst geklaut werde. „Bei Kirschen allerdings bleiben oft die Stängel am Baum hängen. Da fällt es auf, wenn einige fehlen. Bei anderen Obstsorten ist das schon schwieriger“, erklärt Schüler.

Auch beim Obsthof „Appel Happel“ auf dem Lerchenberg sind die Obstdiebe Thema. Zum Schutz vor den Obstdieben, aber auch wegen Wildtieren haben sie ihre Obstplantagen eingezäunt: „Es ist zwar eine Abschreckung, aber wir haben es trotzdem auch schon in den letzten Jahren erlebt, dass der Zaun aufgeschnitten wurde, die Diebe dann ins Feld sind und gepflückt haben. Auch von Bäumen, die nah am Zaun stehen, wurde immer mal wieder Obst geklaut“, sagt Ilonka Happel.

Um gegen die Obstdiebe vorzugehen, haben sich die Bauern mit der Mainzer Polizei zusammengetan. „Im Jahr 2018 haben wir das Pilotprojekt gestartet. Die Polizei unterstützt uns seitdem und ist schnell vor Ort, wenn Diebe gemeldet werden. Wir haben bis jetzt auch eine gute Erfolgsquote“, so Christian Schüler. Deshalb, so betont er, sei man auf die gute Zusammenarbeit mit der Polizei auch stolz. „Wir sind auch dankbar für die Unterstützung der Bürger, die mit offenen Augen durch die Gegend laufen und sich bei uns melden, wenn sie Diebe beobachten.“ In den vergangenen Wochen waren es häufig Zeugenaussagen, die dazu geführt haben, dass die Mainzer Polizei die Diebe noch vor Ort stellen konnte (wir berichteten).

Auch Mundraub ist ein Problem

Doch es sind nicht nur die Obstdiebe, die kiloweise Früchte von den Feldern mitnehmen - auch kleine Mengen, die Spaziergänger und Radfahrer essen, werden für die Obstbauern zum Problem. Denn: Häufig kaufen Kunden ein paar Kilogramm Obst, essen aber beim selbst Pflücken fast ein weiteres Kilo. „Beim Obst selbst Pflücken erlebt man es immer wieder, dass sich Leute im großen Stil satt essen. Sie gehen mit vier Personen ins Kirschenfeld, halten sich über eine Stunde darin auf und kommen mit einem Kilo gepflückter Ware wieder heraus, das ist dann etwas ärgerlich, denn so ein Pfund Kirschen hat jeder schnell gegessen“, sagt Ilonka Happel von „Appel Happel“.

Das störe sie als Obstbauern besonders: „Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Menschen nicht wissen, wie viel Arbeit hinter dem Obstanbau steckt. Dafür, dass wir im Sommer eine gute Ernte haben, arbeiten wir das ganze Jahr“, so Happel. Sie versucht deshalb, mit den Menschen das Gespräch zu suchen und offen zu kommunizieren. „Das funktioniert auch ganz gut, wenn man den Wert der Lebensmittel auch vermitteln kann.“

Positive Bilanz der Polizei

Auch bei der Mainzer Polizei ist das Thema Obstdiebstahl bekannt. Über die Zusammenarbeit mit den Bauern und den Fortschritt des Projekts ist die Polizei zufrieden: „Nachdem 2017 die Zahl der Anzeigen zunahm, haben wir gemeinsam ein Konzept erarbeitet. Die verschiedenen Maßnahmen und die erhöhte Präsenz der Polizei vor Ort, aber auch in den Medien hat das Bewusstsein der Bevölkerung zu diesem Thema gesteigert. Die Bereitschaft der Mainzer, Diebe der Polizei zu melden, ist seitdem gestiegen“, erklärt eine Pressesprecherin der Polizei. In den letzten Jahren konnte man Dank der Maßnahmen einen Rückgang der Diebstähle beobachten.

Was passiert mit dem Fallobst?

Man könnte allerdings meinen, dass es erlaubt wäre, Fallobst aufzusammeln und mitzunehmen. Aber dem ist nicht so: „Auch das Obst, das auf dem Boden liegt, gehört noch den Bauern. Wenn man es mitnimmt, begeht man damit Diebstahl. Es kommt beim Tatbestand Diebstahl nicht darauf an, ob das Obst auf dem Boden liegt oder noch am Baum hängt“, klärt die Pressesprecherin der Polizei auf. Man könne dies mit der Mitnahme von Sperrmüll, der an der Straße steht, vergleichen. Zudem sei es auch nicht erlaubt, die Obstplantagen der Bauern zu betreten.

Ilonka Happel erklärt, dass Fallobst bei ihnen zum Teil noch weiterverwertet wird. „Hier prüfen wir aber genau, welches Obst wir verwenden, um Marmeladen und Säfte herzustellen. Wir wollen hier die gewohnte Qualität gewährleisten.“ (df)

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