Impfempfehlung: Warum Rheinland-Pfalz jetzt ein Astrazeneca-Problem hat

Wegen einer neuen Impfempfehlung droht Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern bald ein Überschuss des Impfstoffs Astrazeneca. Im schlechtesten Fall müssten sogar Impfdosen vernichtet werden.

Impfempfehlung: Warum Rheinland-Pfalz jetzt ein Astrazeneca-Problem hat

Eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) sorgt für massiven Aufwand. Wer eine Erstimpfung mit dem Impfstoff Astrazeneca erhalten hat, soll zukünftig unabhängig vom Alter mit einem sogenannten mRNA-Impfstoff zweitgeimpft werden – also mit Biontech oder Moderna. Zudem soll der zeitliche Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung auf vier Wochen verkürzt werden. Diese Kombination sei der zweifachen Impfung mit Astrazeneca „deutlich überlegen“, heißt es in einer Erklärung der STIKO. Weil Rheinland-Pfalz der Empfehlung folgen will, muss jetzt massiv umgeplant werden.

In einer Erklärung vom 2. Juli verkündet Landesimpfkoordinator Daniel Stich: „Wir werden das empfohlene Vorgehen daher bereits von Montag (5. Juli) an umsetzen. Jeder Bürgerin und jedem Bürger wird nach der Erstimpfung mit Astrazeneca somit bei der Zweitimpfung in den Impfzentren das Angebot einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff gemacht werden.“ Am Zeitpunkt von bereits geplanten Zweitimpfungen solle sich jedoch vorerst nichts ändern.

Große Logistik-Herausforderung

Weil es von der Stiko in der Vergangenheit immer wieder neue Empfehlungen für den Einsatz des Impfstoffs Astrazeneca gegeben hatte, stehe das Land Rheinland-Pfalz nun zum wiederholten Mal vor einer großen Herausforderung, so Stich weiter. Im Land seien von den aktuellen Änderungen 65.000 bereits terminierte Zweitimpfungen in 32 Impfzentren betroffen. „Die damit verbundenen logistischen Herausforderungen für Land und Kommunen als Betreiber der Impfzentren sind offensichtlich“, sagte Stich.

Und damit nicht genug: Denn nun muss das Land kurzfristig zusätzliche Mengen an Biontech- und Moderna-Impfstoff beschaffen. Dies geschehe laut Stich hauptsächlich auf Basis einer noch nicht verplanten Moderna-Zusatzlieferung. Diese ist bisher jedoch zunächst nur angekündigt und noch nicht eingetroffen. Zudem müsse das Land die Vergabe einiger Impfdosen neu planen. Dazu kommen Impftermine, die geplant, aber von den Bürgern nicht eingehalten wurden. Denn was bis vor wenigen Tagen noch als Problem galt, könnte nun zum Vorteil werden: „Darüber hinaus verschafft uns die Quote von nicht wahrgenommenen Terminen in den Impfzentren von aktuell rund 15 Prozent einen Spielraum“, formuliert es Stich.

Überangebot an Astrazeneca

Der Impfkoordinator kritisiert zudem die Bundesregierung: „Dadurch, dass wir im Juli im Vergleich zum Vormonat einen größeren Anteil Astrazeneca vom Bund für die Impfzentren erhalten, stehen wir ohnehin vor einer Herausforderung. Denn auf Basis der Empfehlungen der Stiko können wir diesen Impfstoff in den Impfzentren grundsätzlich nur in der Gruppe der über 60-Jährigen einsetzen, in der wir bereits eine Erstimpfquote von gut 85 Prozent haben.“ Das bedeutet: Es besteht ein Überangebot an Astrazeneca in den Impfzentren. Dass dieser Impfstoff nun bei Zweitimpfungen keine Verwendung mehr findet, erschwere die Lage und stelle die Liefervorgaben des Bunds in Frage, so Stich. In Gesprächen zwischen Land und Bund soll nun geklärt werden, wie der Astrazeneca-Überschuss bestmöglich eingesetzt werden kann. Im schlechtesten Fall könnte es jedoch sein, dass Astrazeneca-Dosen vernichtet werden müssten.

Wie ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Wissenschaft und Gesundheit gegenüber Merkurist erklärt, war das zumindest bis jetzt nicht der Fall: „Bisher konnten in Rheinland-Pfalz alle Impfdosen vor ihrem Verfall verimpft werden, und wir werden alles daran setzen, dass dies so bleibt.“ Stattdessen soll das Impfangebot im Land ausgeweitet werden. Am Donnerstag präsentierte das Land Pläne, wie weitere Sonderimpfaktionen oder gezielte Impfaktionen in Stadtteilen. Dabei könne dann auch Astrazeneca eine Rolle spielen, so der Sprecher.

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