85.000 Euro für den jüdischen Friedhof in Mainz

Die Sanierung des jüdischen Friedhofs in Mainz wird fortgesetzt: Eine Förderung über 85.000 Euro soll die Arbeiten an den Grabsteinen unterstützen.

85.000 Euro für den jüdischen Friedhof in Mainz

An den jüdischen Friedhof in Mainz wurde am Freitag eine Förderung über mehrere zehntausend Euro von der deutschen Stiftung für Denkmalschutz übergeben. Diese soll die Sanierung des alten jüdischen Friedhofs in Mainz weiter vorantreiben. Die Mittel sollen dazu beitragen, die historischen Grabsteine und ihre Inschriften zu sichern.

Erhalt eines historischen Ortes

Zahlreiche Experten seien nun auf dem Friedhof tätig, um die Standsicherheit der Steine sicherzustellen und die Inschriften der Steine zu konservieren, sagt der ehrenamtliche Dezernent für Bauen und Historisches Erbe, Ludwig Holle. Unterstützen soll dabei eine Förderung der deutschen Stiftung für Denkmalschutz. Es wurde bereits bei 150 Grabsteinen die Inschrift gesichert, dieses Jahr sollen noch einmal 70 dazukommen. Bei weiteren 70 muss die Standfestigkeit sichergestellt werden.

Die Anlage umfasst rund 1700 Grabsteine aus verschiedenen Jahrhunderten. Im oberen Teil des Friedhofes, auch genannt „Denkmalfriedhof“, befinden sich 180 Grabsteine. Diese stammen aus dem 11. Bis 15. Jahrhundert. Auf dem unteren Teil des Friedhofes befinden sich die etwas neueren Grabsteine, welche sich auf das 17. bis 19. Jahrhundert datieren lassen.

„Verantwortung, unser kulturelles Erbe weiter zu bewahren“

Der Mainzer Oberürgermeister Nino Haase sagte bei einem Pressetermin am Freitag, die Förderung „konnte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen“, da man sich derzeit auch verstärkt mit Antisemitismus auseinandersetzen müsse. Zugleich betonte er: „Wir haben eine gemeinsame Geschichte und Kultur, die weit über die aktuellen politischen Ereignisse hinausgeht.“

Und mit Blick auf die Finanzierung: „Das bekommen wir auch aus kommunalen Mitteln hin, aber eben nicht allein.“ Die Unterstützung verstehe man daher nicht nur als Hilfe, sondern auch als Auftrag: „Wir bedanken uns herzlich für diese großzügige Unterstützung und nehmen dies nicht nur als Geschenk, sondern auch als Verantwortung, unser kulturelles Erbe weiter zu bewahren und in die Zukunft zu tragen.“

Lange wenig Aufmerksamkeit

Der Rabbiner der jüdischen Kultusgemeinde Rheinhessen, Aharon Ran Vernikovsky, verwies auch auf die bewegte Geschichte vieler Grabsteine: Diese seien im Lauf der Jahrhunderte entfernt, als Baumaterial genutzt und später wiederentdeckt worden. „Sie erzählen teilweise die Geschichte des Judentums im Mittelalter“, sagte er. Zugleich betonte er die Bedeutung der Unterstützung: „Vor 20 Jahren haben sich sehr wenige Menschen für diese Monumente hier interessiert. Heute ist das anders, es ist im Bewusstsein der Menschen und auch im medialen Bewusstsein.“

Restaurierungsprojekt über elf Jahre geplant

Seit 2021 ist der Alte Jüdische Friedhof Teil des UNESCO-Welterbes der SchUM-Stätten in Speyer, Worms und Mainz. Seither hat die Stadt verschiedene Maßnahmen umgesetzt, um das Gelände langfristig für Besucher zugänglich zu machen. Die aktuelle Restaurierung sei insgesamt über elf Jahre bis zum Jahr 2033 geplant, so Holle. Geplant ist zudem die Eröffnung eines Besucherzentrums im Sommer, das die Geschichte des Ortes stärker vermitteln soll.

Hintergrund

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz finanziert sich ausschließlich aus privaten Spenden, den Erträgen ihrer Treuhandstiftungen, sowie aus Mitteln der Glücksspirale. Diese ist eine bundesweite Lotterie, deren Erträge an drei Destinatäre gehen: Denkmalschutz, Wohlfahrt und Sport. Seit die Stiftung deutscher Denkmalschutz an den Erlösen beteiligt ist, konnten nach Angaben des Geschäftsführers von Lotto Rheinland-Pfalz, Jürgen Häfner, bundesweit rund 330 Projekte gefördert werden.