Mainzer Fastnacht: Warum es immer gegen die Finther geht

Als „Mainzer Ostfriesen“ könnte man die Finther vor allem in der Fastnacht bezeichnen. Kein anderer Stadtteil wird in der Bütt so oft zur Zielscheibe unzähliger Witze. Warum das so ist, scheint gar nicht mehr so leicht zu beantworten zu sein.

Mainzer Fastnacht: Warum es immer gegen die Finther geht

Seit rund 50 Jahren gehört Finthen nun zur Stadt Mainz. Freiwillig haben die Finther ihre Selbstständigkeit nicht aufgeben, vielmehr wurden sie gegen ihren Willen zwangseingemeindet. Aber nicht nur das: In all den Jahren ist der etwas außerhalb gelegene Ort zu einer der beliebtesten Zielscheiben in der Mainzer Fastnacht geworden. Kein anderer Stadtteil bekommt so stark sein Fett weg wie Finthen. Doch warum ist das so?

„Immer dieselbe Leier“

Eigentlich sei diese Frage gar nicht mehr so leicht zu beantworten, sagt die Mainzer Fastnachtslegende Josef „Joe“ Ludwig von den „Gonsbachlerchen“. Der „Lerchen“-Boss, wie Ludwig früher genannt wurde, feierte in der letzten Woche seinen 90. Geburtstag. Die Ursache für die Seitenhiebe sieht er in der ehemaligen Rivalität zwischen Gonsenheim und Finthen begründet.

Durch die direkte Nachbarschaft hätten sich einige Reibereien ergeben, die dann wohl Ausgangspunkt für die Witzeleien gewesen seien. „Ich bedauere, dass es in der Fastnacht mit Finthen immer dieselbe Leier ist“, so Jung. Denn zumindest das Verhältnis zwischen Gonsenheim und Finthen sei heute ein gutes. In der Bütt sieht es aber manchmal anders aus:

Habbe se’s schon gehert? Also ein Finther is jetzt zum dümmste Autofahrer des Jahres gewählt wor’n. Dem is ein Geisterfahrer hinne druff gefahr’n. Auszug aus dem Vortrag: Gunse’numer Kauflaade BECKER

Für den Vorsitzenden des Fastnacht- und Brauchtumsvereins Finthen, Edgar Kalberlah, spielt möglicherweise auch die geografische Lage von Finthen eine Rolle, weshalb der Stadtteil immer wieder zur Zielscheibe in der Fastnacht wird. Finthen liege weit außen. Deshalb werde Finthen als „Bergdorf“ bezeichnet, so Kalberlah. Zudem sei Finthen immer benachteiligt worden in Mainz. Die Finther hätten sich sehr engagiert, seien aber nie so anerkannt worden. Und das habe sich eben auch in der Fastnacht niedergeschlagen, so Kalberlah.

Seit dem Da’ch - ja ich sa’chs nit leis - fährt moin Schattelbus nur über Drais. Und nach dem Start, wenn´s steil geht nuff, geht hinten dann ne Klappe uff, denn über Finthen, sehenswert wird’ erst mol die Toilett’ geleert. Auszug aus dem Vortrag: Meine eigene Fluggesellschaft - die Gonsbach-Air

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