Noch rund 600 Ausbildungsstellen in Mainz unbesetzt

Mit der Schule fertig - und nun? Wer in Mainz noch eine Ausbildungsstelle sucht, hat gute Chancen. Rund 600 freie Stellen meldete die Arbeitsagentur Ende Juli.

Noch rund 600 Ausbildungsstellen in Mainz unbesetzt

Das Ausbildungsjahr 2019 hat gerade begonnen, doch noch Ende Juli waren rund 600 Stellen in Mainz unbesetzt, wie aus dem Arbeitsmarktbericht der Agentur für Arbeit Mainz hervorgeht. Dieser zeigt auch: Die meisten freien Stellen gibt es für angehende Einzelhandelskaufleute, Handelsfachwirte, Versicherungskaufleute und Zahnmedizinische Fachangestellte. Insgesamt waren der Arbeitsagentur rund 1300 betriebliche Ausbildungsstellen allein für die Stadt Mainz gemeldet worden.

Laut Günter Jertz, Präsident der Industrie- und Handelskammer Rheinhessen (IHK), werden momentan auch Auszubildende für Hotel, Gastronomie und Logistik gesucht. „Die Renner bei uns sind Büromanagement, Einzelhandel, Bankkaufmann und Industriekaufmann.“ Anja Obermann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Rheinhessen (HWK), nennt vor allem technische Berufe wie KfZ-Mechatroniker oder Elektroniker als beliebteste. „Im Lebensmittelhandwerk ist es dagegen etwas schwieriger, es gibt immer weniger Betriebe und somit auch weniger Ausbildungsplätze. Dazu kämpft diese Branche auch mit einem Imageproblem.“ Einen Run gibt es dagegen auch auf Berufe wie Schreiner oder Dachdecker. „Das ist kreativ und hat einen gewissen Coolness-Faktor“, so Obermann. Auch Frauen interessierten sich vermehrt für diese Berufe.

Immer noch haben aber gerade handwerkliche Berufe ein Imageproblem. „Ich glaube, dass es auch daherkommt, dass viele nicht wissen, was eigentlich hinter den Berufen steckt. Und wie sehr sich diese weiterentwickelt haben.“ In vielen Berufen sei es heute auch erforderlich digitale Vorgänge zu verstehen, mit Apps oder anderer Software zu arbeiten. „Da ist der KfZ-Mechaniker mitnichten nur noch der Schrauber. Da hinkt das Bild oftmals hinterher“, sagt Obermann.

Was macht eine gute Ausbildung aus?

Für Jertz macht eine gute Ausbildung vor allem eines aus: intensive Einblicke in alle Abteilungen des Unternehmens zu bekommen. „Der Azubi muss wissen, wie das Unternehmen tickt. Außerdem soll er sich möglichst gut damit identifizieren.“ Dabei sei es auch wichtig, dass der Ausbilder sensibel mit dem Azubi umgehe. „Man muss viel Verständnis haben, gerade weil der Job oft noch nicht die Hauptrolle für die Jugendlichen spielt.“ Auch die Wertschätzung der Arbeit spiele eine große Rolle. Anja Obermann sieht noch einen anderen zentralen Bestandteil: „Es muss sich jemand um den Azubi kümmern, ihm alles zeigen und ein offenes Ohr haben.“ Das sei für sie das Wichtigste.

Doch auch der Azubi selbst muss etwas leisten. „Motivation ist alles“, sagt Obermann. „Fachliche Schwächen kann der Betrieb immer auffangen, vor allem wenn man merkt, dass da jemand wirklich etwas lernen will.“ Außerdem sei es wichtig, dass sich der Auszubildende an Regeln halten könne. „Da geht es oftmals auch einfach um Arbeitssicherheit, der ein oder andere mag das vielleicht auch nicht gewohnt sein.“ Jertz meint, der Azubi solle lieber eine Frage mehr als zu wenig stellen. „Es ist elementar, dass derjenige Interesse zeigt.“

Eine reine duale Ausbildung, also mit betrieblichem und berufsschulischem Anteil, verbaue keineswegs den Weg die Karriereleiter hinauf, so Obermann. „Wir wollen zum Beispiel fördern, dass Auszubildende nebenher auch noch ihr Abitur nachholen können. Dann haben sie am Schluss Gesellenbrief und Abitur in der Tasche.“ Auch ein Studium sei danach nicht ausgeschlossen. Auch das Erwerben von Zusatzqualifikationen sei bei IHK-Berufen oftmals möglich, so Jertz. „Die Unternehmen in der Region suchen nach guten Leuten, Stichwort: Fachkräftemangel. Ich kämpfe um jeden Azubi!“

Wer noch für dieses Jahr noch eine Ausbildungsstelle sucht, der kann sich unter anderem bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Mainz anmelden. Laut Pressesprecherin Petra Seifert gibt es dort kurzfristige Termine. Außerdem findet am 23. und 24. August die Berufsinformationmesse Rheinhessen statt (wir berichteten). Auch IHK und HWK bieten verschiedene Informationsmöglichkeiten für Schulabgänger an. (pk)

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