STUZ provoziert mit sexistischen Äußerungen

Kaffee kochen, mit dem Hintern wippen und eine gute Figur in Pünktchenkleidern abgeben - so schrieb das Magazin STUZ eine Praktikumsstelle aus. Viele Frauen fühlten sich dadurch beleidigt, zu Recht?

STUZ provoziert mit sexistischen Äußerungen

Die STUZ zeigt sich mal wieder von der provokanten Seite. Zuerst sorgte die Redaktion des Stadtmagazins mit dem Titel „Alaaf! Mainz feiert wieder Karneval“ bei den Mainzer Fastnachtern für anschwellende Halsschlagadern (Merkurist berichtete). Auf den Aprilscherz, in der Neustadt würde ein Hunderestaurant eröffnen, folgte prompt ein Shitstorm. Nun fühlen sich auch Frauen von dem Magazin beleidigt.

Auslöser ist eine Stellenausschreibung für ein Redaktionspraktikum mit fragwürdigen Anforderungen an die Bewerber: Kaffee kochen und servieren, ein kurzes Pünktchenkleid tragen, mit dem Hintern wippen und eine gute Figur am Tischkicker abgeben. Ein gewagter Witz oder doch Sexismus?

„Sexistische Kackscheisse“?

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Während Chefredakteur Ingo Bartsch von „ironischer Überspitzung“ spricht, fühlen sich viele Frauen durch die Stellenanzeige, die Ende Mai auf Facebook veröffentlicht wurde, auf Äußerlichkeiten und Rollenklischees reduziert. Denn neben einigen wenigen positiven Äußerungen und ironischen Gegenreaktionen erntete die Redaktion in den Kommentarspalten überwiegend Kritik und Vorwürfe des Sexismus. So zum Beispiel von Sela J.: „Diese Stellenanzeige ist einer der Beweise, dass Sexismus und Frauenverachtung und -degradierung wieder oder immer noch salonfähig ist, vor allem, weil ihn so viele nicht mal mehr selbst erkennen oder sogar noch lustig finden.“

„Ingo Bartsch, V.i.S.d.P., sollte mal seine Kompetenz hinterfragen, seine weiblichen Verwandten, Freundinnen auf diese Anzeige aufmerksam machen. Diese Anzeige entbehrt jegliche Ironie, sowas nennt man sexistische Kackscheisse!“ - Jou Z.

Verständnis hat Bartsch für diese Anfeindungen nicht. Die Stellenausschreibung sei keine zielgerichtete Provokation gewesen. Vielmehr eine Überspitzung, die deutlich machen solle, wie ein Praktikum bei der STUZ gerade nicht aussehe. Zudem wisse jeder, der das Magazin kenne, dass die Redaktion jegliche Formen des Sexismus und der Herabsetzung aller Geschlechter ablehne. Natürlich gebe es in der Redaktion auch keinen Dresscode, schon gar keine kurzen Pünktchenkleider. „Ironie ist im Journalismus Gang und Gebe. Es kann gar nicht genug davon geben“, so Bartsch.

Oder doch nur ein gelungener PR-Gag?

Die Aufmerksamkeit sei dennoch ein angenehmer Nebeneffekt gewesen. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Beitrag über 70 mal kommentiert. „In der Vergangenheit erhielten unsere Stellenausschreibungen nicht viel Resonanz. Darum haben wir es mal mit Ironie versucht“, sagt Bartsch gegenüber Merkurist. Und in der Tat hätten die Redaktion nicht nur Beschwerden, sondern auch zahlreiche Bewerbungen erreicht. „Darunter auch welche von offenkundig gebildeten und selbstbewussten Frauen“, kommentiert die STUZ auf Facebook. Mittlerweile sei die Praktikumsstelle besetzt.

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