Junge Oppenheimer gründen eigene Firma

„Abfall ist kein Endprodukt“ - unter diesem Motto haben Milan und Paul aus Oppenheim ihre eigene Firma gegründet. Welche Produkte sie herstellen und vor welche Startschwierigkeiten sie gestellt wurden - darüber haben sie mit Merkurist gesprochen.

Junge Oppenheimer gründen eigene Firma

„Alles begann in einer Garage in Oppenheim.“ So werden Milan von dem Bussche (16) und Paul Nehme (17) vielleicht in ein paar Jahren ihre Erfolgsgeschichte erzählen. Mit „QiTech - Quite Interesting Technologies“ haben sich Milan und Paul das Recycling von Plastikabfällen zur Aufgabe gemacht. Daraus stellen sie mit 3-D-Druckverfahren personalisierte Handyhüllen und Schlüsselanhänger her. Seit anderthalb Wochen ist ihr Unternehmen offiziell im Handelsregister eingetragen. Doch bis dahin war es ein teilweise mühsamer Weg, auf dem die beiden Jungunternehmer allerhand Hindernisse überwinden mussten.

Hauptsächlich die Bürokratie stellte die beiden vor Herausforderungen. „Wir sind beide noch minderjährig – was alles unverhältnismäßig komplizierter gemacht hat“, sagt Paul gegenüber Merkurist. Im Sommer 2019 gewannen die beiden Freunde mit ihrer gemeinsamen Geschäftsidee das Bundesfinale des Wettbewerbs „Jugend gründet“. Daraufhin wollten die beiden ihr Projekt endlich offiziell an den Start bringen. „Normalerweise ist das kein Problem – so eine Eintragung ins Handelsregister kann in rund drei Wochen über die Bühne gehen. Aber da wir als Sonderfall betrachtet wurden, hat sich das Ganze über ein halbes Jahr hingezogen“, erzählt Paul. Doch da jetzt alle bürokratischen Angelegenheiten geregelt sind, möchten die Teenager in diesem Frühjahr endlich ihre Produkte auf den Markt bringen.

So funktioniert die Produktion

Dann können die Kunden auf der Webseite ihr Handymodell auswählen, die Farbe und das Design bestimmen. Auch personalisierte Schlüsselanhänger kann man bestellen. Das Besondere dabei: Die angebotenen Produkte bestehen zu hundert Prozent aus recyceltem Plastik. Milan erklärt die Produktionskette: „Erst einmal müssen wir an die Plastikabfälle kommen. Wir beziehen im Moment vor allem Industrieplastikmüll, zum Beispiel Plastikverpackungen, die falsch hergestellt wurden. Wir arbeiten auch mit einem Friseur aus Oppenheim zusammen, der im Monat viele Male die gleiche leere Shampooflasche hat. Es ist wichtig, möglichst oft die gleiche Verpackung zu bekommen, da wir damit dann am besten Experimente und Testreihen durchführen können.“

Jede Handyhülle soll perfekt sitzen, jeder Schlüsselanhänger gut aussehen. Um das zu erreichen, sind oft viele Prototypen nötig. Und auch die misslungenen Exemplare werden wieder zu neuem Rohmaterial verarbeitet. Nachdem das Plastik gewaschen wurde, wird es geschreddert und sortiert. Anschließend kommt ein Extruder ins Spiel: Mit dieser Maschine wird das Plastikgranulat zu Filament-Schnüren verarbeitet, aus denen der 3-D-Drucker schließlich die Endprodukte formt. Auch den Extruder bauten Paul und Milan selbst. „Der erste Extruder bestand aus einem Wasserrohr, einer Bohrernadel und dem Motor, den ich aus dem höhenverstellbaren Bett meiner Mutter ausgebaut hatte“, erzählt Milan. „Es ist cool, alle Produktionsschritte lokal zu vereinen. So können wir dafür sorgen, dass alles komplett nachhaltig ist, weil wir die Kontrolle über alles haben“, so Paul.

Oppenheimer Schule unterstützt das Projekt

Von ihrer Schule, dem Gymnasium zu Sankt Katharinen Oppenheim, werden die Jungunternehmer unterstützt. Der Schulleiter stellt sie etwa für Presse- und Fernsehtermine vom Unterricht frei. So auch im vergangenen November, als die beiden ins Silicon Valley flogen - der Hauptpreis des Wettbewerbs „Jugend gründet“. Dort hatten sie die Chance, Giganten wie Google und Apple einmal über die Schulter zu schauen. Milan sagt: „Die Physik- und Chemielehrer haben uns unterstützt; den Business-Plan für den Wettbewerb hat der Deutschlehrer Korrektur gelesen, und bei den Farben unseres Logos hat uns die Kunstlehrerin beraten.“ Und wie bekommt man eine eigene Firma und die Vorbereitungen aufs Abitur unter einen Hut? „Was wir hier lernen, ist ziemlich tiefe Chemie, Physik und Informatik. Das können wir in der Schule in unseren Leistungskursen gut einbringen“, sagt Paul.

Mittlerweile bieten Milan und Paul auch Workshops für Schulklassen aus ganz Rheinland-Pfalz an. „Wir wollen andere inspirieren, auch Plastikmüll zu recyceln“, sagt Milan. Ihr Grundsatz: „Wenn du möglichst viel über deine Idee redest, bekommst du auch von vielen Personen Feedback.“ Auf ihrer eigenen Instagram-Seite posten die beiden aber auch ihre Misserfolge, „zum Beispiel wenn hier mal alles in die Luft fliegt“.

Der nächste Meilenstein, die Markteinführung der Produkte, steht bevor. Außerdem arbeitet das Duo gerade daran, die Bruchfestigkeit, Passform und Flexibilität der Hüllen zu perfektionieren. Doch wo sehen die beiden sich und die Firma in zwei Jahren? Nach dem Abitur möchten beide Maschinenbau studieren, aber sich vorher ein Jahr lang nur ihren Projekten widmen. Auch mit „QiTech“ haben sie noch einiges vor: „Wir möchten auf lange Sicht von der Garage in eine größere Produktionshalle umziehen - damit wir noch effizienter und besser werden können.“

Weitere Informationen zu QiTech findet ihr hier. (rk/df)

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