Aufstockungen: Könnten sie den Wohnungsmangel in Mainz lösen?

Zusätzlicher Raum ohne zusätzlichen Flächenverbrauch: In vielen Städten werden neue Wohnungen durch Aufstockungen bestehender Gebäude geschaffen. Wären diese Aufsattelungen auch für Mainz geeignet? Wir haben bei der Stadt nachgefragt.

Aufstockungen: Könnten sie den  Wohnungsmangel in Mainz lösen?

Tausende neue Wohnungen – ohne einen Quadratmeter Flächenverbrauch. In Frankfurt soll das Wohnungsproblem mit Aufstockungen gelöst werden. Auf alte Wohnhäuser werden Module aus Holz aufgesetzt. So soll der Wohnungsnot entgegengewirkt werden. Könnte das auch in Mainz realisiert werden?

Das fragt Leser Manuel in einem Snip: „Warum wird – wie in Frankfurt – in Mainz nicht mehr das Thema Aufstockung von bestehenden Gebäuden genutzt?“

Potenzial für eine bessere Nutzung in Form von Aufstockungen oder Innenentwicklungen finde sich in Mainz in vielerlei Hinsicht, sagt Annette Müller, Geschäftsführerin der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. „Anfangen könnte man mit den noch immer bestehenden Kriegslücken in Altstadt, Innenstadt und Neustadt. Oftmals wurden diese Lücken in den ersten Nachkriegsjahren nur im Erdgeschoß oder bis zum ersten oder zweiten Obergeschoss bebaut. Dort ist buchstäblich ‘Luft nach oben’.“ Es gebe viele Herausforderungen, etwa die Eigentumsverhältnisse und die Statik – denn Gebäude, die nach dem Krieg mit Trümmermaterialien in Selbsthilfe gebaut wurden, seien für weitere Belastungen nicht geeignet. Auch Fragen wie Stellplatznachweis und Belichtung beziehungsweise Brandschutz müssten jeweils geklärt werden. „Die Liste der zu klärenden Punkte ist also lang. Trotzdem lohnt oft eine Prüfung“, so Müller.

Das sagt die Stadt

Der Mainzer Stadtpressesprecher Ralf Peterhanwahr sagt dazu: „Nicht immer ist alles, was machbar ist, zugleich auch durchsetzbar, wirtschaftlich sinnvoll oder baurechtlich zulässig.“ Aufstockungen hätten zwar den Vorteil, dass sie keine zusätzliche Flächenversiegelung für die neu entstehende Gebäudefläche verursachen, da sie auf der bestehenden Bausubstanz errichtet werden. Zu beachten sei allerdings vor allem das geltende Planungsrecht: So könnten maximale Gebäudehöhen, Grundfläche oder maximale Geschossigkeit, die im Bebauungsplan feststehen, bereits „maximal ausgeschöpft“ sein, so Peterhanwahr.

Bei Dachaufbauten oder mehrgeschossigen Aufbauten könnten zudem weitere Stellplätze notwendig werden. „Die führen zu einer zusätzlichen Inanspruchnahme von Flächen.“ Gleiches gelte für Rettungswege. Auch die statische Leistungsfähigkeit des Bestandsgebäudes sowie die technische Versorgung der Aufstockungen müsse wirtschaftlich sein.

Gehöre das Haus mehreren Eigentümern, können diese mit entscheiden und auch gegen eine Aufstockung stimmen. Mieter können zwar nicht direkt Einfluss nehmen, aber gegebenenfalls mögliche Einschränkungen über den Mietvertrag geltend machen.

Eines der größten aktuellen Aufstockungsprojekte in Mainz ist die Erweiterung des Marienhaus Klinikums Mainz (MKM), die im August fertiggestellt wurde. Durch 69 neue Einzelmodule wurden drei Etagen neu geschaffen und so 5600 Quadratmeter mehr Fläche für die Akutgeriatrie gewonnen. Weil das Bestandsgebäude eigentlich gar nicht die statischen Voraussetzungen für eine Aufstockung erfüllte, musste eine Stahlkonstruktion mit sechs Stahlträgern von je 200 Tonnen Gewicht errichtet werden.

Potential bei Einzelhandelsgebäuden?

Ob eingeschossige Einzelhandelsgebäuden der Lebensmittelbranche in Mainz Potential für eine Aufstockung haben, untersuchten im vergangenen Jahr das Amt für Stadtentwicklung, Statistik und Wahlen, das Bauamt und das Stadtplanungsamt. Das Ergebnis: Lediglich zwei von 85 Standorten seien „uneingeschränkt für die Erweiterung der Verkaufsfläche und die Aufstockung für Wohnnutzungen (auch gewerbliche Nutzungen) ohne Restriktionen geeignet“, geht aus dem Prüfbericht vom April 2020 hervor. Demnach unterliegen diese vor allem keinen handelsbezogenen baurechtlichen Einschränkungen. „Außerdem befinden sie sich in einer offenen städtebaulichen Situation, das heißt es sind auf den ersten Blick keine städtebaulichen, grundstücksbezogenen oder verkehrlichen Restriktionen erkennbar.“ Elf weitere Standorte in beengter städtebaulicher Situation könnten zudem für Wohnnutzungen aufgestockt werden.

Wie viele Bestandsbauten im Mainzer Stadtgebiet tatsächlich bereits aufgestockt sind, kann das Stadtplanungsamt jedoch nicht sagen. „Es ist aber davon auszugehen, dass nur ein geringer Teil der bestehenden Gebäude unter Berücksichtigung von Bauplanungsrecht, Bauordnungsrecht und der tatsächlichen Eignung des Gebäudes durch eine Aufstockung erweitert werden könnte“, so Peterhanwahr.

Logo