Gibt es bald Gratis-Binden auf Mainzer Männer-Klos in öffentlichen Gebäuden?

„Hygieneartikel dürfen kein Luxusgut sein“

Gibt es bald Gratis-Binden auf Mainzer Männer-Klos in öffentlichen Gebäuden?

Mit einem besonders sensiblen Thema beschäftigt sich der Mainzer Stadtrat am Mittwoch: Die Fraktion von Piraten & Volt fordert kostenlose Menstruationsartikel in öffentlichen Gebäuden und will dazu einen Antrag einbringen.

In Schottland bereits Realität

Wie es in dem Antrag von Stadtratsmitglied Maurice Conrad heißt, menstruierten rund 3,8 Milliarden Menschen im Laufe ihres Lebens. Das sei aber immer noch oft ein Tabuthema. Besonders bei jungen Menschen bedeuteten Scham, fehlende Aufklärung oder soziale Hintergründe manchmal, dass eine nicht ausreichende Versorgung mit Hygieneprodukten sichergestellt sei. Für viele werde das zur sogenannten Perioden-Armut. Dabei dürften Menstruations- und Hygieneprodukte kein Luxusgut sein. Gegenüber der Bild-Zeitung sagt Conrad, dass diese Hygieneartikel auch Transmännern zur Verfügung stehen sollten und deshalb auch auf Herren-Toiletten gehörten.

Wie Conrad bereits zuvor erklärte, gebe Schätzungen zufolge eine Person im Schnitt 20.000 Euro für ihre Periode aus. Der Bundestag habe deswegen im Jahr 2020 die Mehrwertsteuer auf Tampons, Binden und Menstruationstassen von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Doch die Inflation und die gestiegenen Preise der letzten Monate machten die Situation für viele Menschen, die menstruieren, noch gravierender. „Es ist daher die Aufgabe einer feministischen Kommunalpolitik, dass in Schulen und öffentlichen Einrichtungen kostenloser und freier Zugang zu Menstruationsprodukten gewährleistet ist“, so Conrad in dem Antrag. In Schottland hatte das Parlament bereits beschlossen, Tampons und Binden kostenfrei zur Verfügung zu stellen. „Die Stadt Mainz sollte sich hier den zahlreichen anderen deutschen Städten anschließen, die diesen Weg bereits beschreiten, sagt Conrad.

Die Verwaltung werde nun gebeten zu prüfen, wie ein Pilotprojekt zur Bereitstellung von Hygiene- und Menstruationsprodukten in Schulen und öffentlichen Einrichtungen ins Leben gerufen werden kann und dafür die notwendigen Mittel bereitstellen. Unterstützung bekommt er dabei von Francesca Beyer, Mitglied im Sozialausschuss der Fraktion Piraten & Volt: „Die Versorgung mit Toilettenpapier auf öffentlichen Toiletten wird doch auch nicht hinterfragt. Wie absurd wäre es, sein eigenes Papier beim Gang auf eine Toilette in öffentlichen Gebäuden mitbringen zu müssen.“ Genau wie dieses gehörten auch Menstruationsartikel selbstverständlich zur kostenlosen Ausstattung, so die Politikerin in einem Pressestatement. Wie es nun mit dem Antrag weitergeht, wird am Nachmittag im Stadtrat beraten.

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