Emotionale Winterhafen-Debatte: Dezernentin den Tränen nahe

„Wir sind nicht in Russland“ – die Stadtratsdebatte um das Musikverbot ab 22 Uhr am Winterhafen wurde am Mittwoch sehr hitzig geführt. Umweltdezernentin Janina Steinkrüger war sogar den Tränen nahe.

Emotionale Winterhafen-Debatte: Dezernentin den Tränen nahe

Der Mainzer Stadtrat hat entschieden: Künftig gilt am Winterhafen eine Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr. Jetzt darf man nachts keine Musikboxen mehr aufdrehen und auch selbst keine Musik mehr machen. Damit stimmte die Mehrheit des Stadtrats am Mittwoch für eine Änderung der Grünanlagensatzung, die Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) vorgeschlagen hatte. Vor der Entscheidung hatte es eine aktuelle halbe Stunde zu dem Thema gegeben, bei der Vertreter mehrerer Parteien zu Wort kamen. Und die Debatte zeigte, wie emotional aufgeladen das Thema ist.

Maurice Conrad von der Piraten&Volt-Fraktion kritisierte die „Überzogenheit der Maßnahmen“. So sei es jetzt auch illegal, nach 22 Uhr Gitarre oder Ukulele zu spielen. „Wenn wir so weitermachen, müssen wir eigentlich die ganze Stadt sterilisieren“, so Conrad. Am Goetheplatz sei es etwa genauso laut. „Aber da sind die Mieten wahrscheinlich nicht so hoch.“

Russland-Vergleich sorgt für Raunen im Saal

Es sei nicht mit, sondern über junge Menschen geredet worden, so Conrad. Am meisten habe ihn die Alternativlosigkeit der Debatte gestört. Es sei immer wieder gesagt worden: „Wenn wir das nicht schnell machen, dann kommt ein Gericht und macht viel schlimmere Sachen.“ Mit dem folgenden Satz sorgte Conrad für ein Raunen im Saal: „Wir sind nicht in Russland.“

Die Dezernentin Steinkrüger schüttelte den Kopf, weitere Redner kritisierten den Vergleich. In der anschließenden Debatte bat Conrad dann um Verzeihung für den Vergleich mit Russland. Besonders emotional verteidigte Dr. Matthias Dietz-Lenssen von der SPD die neuen Maßnahmen: „Es ist keine Absicht der Politik, die Jugend aus der Stadt zu vertreiben“, sagte er. „Was unterstellt man der Verwaltung für Absurditäten?“

„Denken Sie an die Jugendlichen in der Ukraine“

Auch Steinkrüger selbst ergriff am Ende noch das Wort: „Es geht nicht nur um Ukulele spielende Jugendliche, sondern um krasses Fehlverhalten, wegen dem sich andere Menschen dort nicht mehr wohl fühlen.“ Die Dezernentin wandte sich direkt an Conrad: „Nehmen Sie sich ein Bierchen, setzen Sie sich an den Winterhafen, holen Sie sich Ihre Ukulele und denken Sie an die Jugendlichen in der Ukraine und in Russland“, dann brach ihre Stimme. „Und danken Sie Ihrer persönlichen Freiheit.“ Die Dezernentin war den Tränen nahe.

Am Ende der Stadtrats-Debatte wurde die Änderung der Grünanlagensatzung und somit das Lautsprecherverbot vom Stadtrat beschlossen. Die geplante Gefahrenabwehrverordnung von Ordnungsdezernentin Manuela Matz (CDU), die ein Glasflaschen-Verbot und ein Verbot von „Bier-Pong“ und „Wikingerschach“ vorsieht, bleibt hingegen weiter umstritten.

Die ganze Debatte könnt ihr hier noch einmal nachschauen. Um den Winterhafen geht es etwa ab 03:45.

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