Warum es in Mainz neben roten und blauen auch weiße Straßenschilder gibt

Wieso Mainz blaue und rote Straßenschilder hat, ist vielen bekannt. Doch warum auch weiße? Merkurist hat bei der Stadt Mainz nachgefragt.

Warum es in Mainz neben roten und blauen auch weiße Straßenschilder gibt

Wer mit offenen Augen durch die Mainzer Altstadt läuft, dem fällt auf, dass die Mainzer Straßenschilder manchmal blau und manchmal rot gestaltet sind. Echte Mainzer wissen natürlich auch, warum das so ist: Blau sind die Straßenschilder, die parallel zum Rhein verlaufen. Die roten Schilder stehen für Straßen, die weg vom Rhein führen, also senkrecht dazu verlaufen.

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Doch diese Farbgestaltung der Schilder gilt nicht für alle Straßen in Mainz. Viele Straßennamen stehen auch auf Schildern mit weißem Hintergrund, so wie man sie aus fast allen deutschen Städten kennt. Doch warum gibt es dann drei farblich unterschiedliche Straßenschilder?

Blaue und rote Schilder

Wie der Pressesprecher der Stadt Ralf Peterhanwahr sagt, sei das System der Hausnummerierung in Mainz Mitte des 19. Jahrhunderts sehr kompliziert gewesen und in der Reihenfolge der Zahlen oft unlogisch und willkürlich. „Diesen Missstand erkannte der Arzt Dr. Josef Anschel. Er stellte daher in einer Sitzung des Mainzer Stadtrats 1849 einen Antrag auf Umänderung der Hausnummern.“ Dieses System, so Peterhanwahr, sei bereits einige Jahre zuvor in Paris und Frankfurt eingeführt worden.

Die vom Rhein senkrecht in die Stadt führenden Straßen sollten dann am Rheinufer mit der Hausnummer 1 beginnen. Die parallel zum Fluss laufenden Straßen im Süden mit der 1 starten. „Alle geraden Hausnummern sollten auf der rechten, alle ungeraden auf der linken Straßenseite liegen“, so Peterhanwahr. Gleichzeitig habe Anschel vorgeschlagen, die Täfelchen mit den Hausnummern in den parallel und den senkrecht zum Rhein verlaufenden Straßen unterschiedlich farbig zu gestalten. Das System sollte zur besseren Übersichtlichkeit beitragen, insbesondere für Ortsfremde.

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Weiße Schilder

Doch das System mit roten und blauen Straßenschildern wurde in Mainz im Laufe der vergangenen 160 Jahre nicht konsequent durchgehalten. Der Grund dafür sei ein einfacher, so Stadtsprecher Peterhanwahr. „In den Vororten und in Bereichen, die dem Rhein nicht zugeordnet werden können, sind die Straßenschilder in weiß gehalten.“

Was aber genau als Vorort zu bezeichnen ist, darüber herrscht unter einigen Lesern Uneinigkeit. So schreibt „Unangepasster Freidenker“: „Das ist außer in der Kernstadt längst aufgegeben. Wie sollen denn Straßen in Ebersheim, Finthen, Lerchenberg nach Rheinparallelität sortiert werden, zumal der Rhein einen Bogen macht?“ Wenig später korrigiert er sich aber selbst:

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Ähnlich sieht es in Finthen aus. Auch hier ist die Farbe der Straßenschilder nicht komplett einheitlich. Neben weißen gibt es auch andersfarbige Schilder. So hat beispielsweise die „Henri-Dunant-Straße“, die anscheinend parallel zum Rhein verläuft, ein blaues Straßenschild.

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Interessant ist hier, dass die Straße ursprünglich „Neugasse“ hieß und erst nach der Eingemeindung 1969 in Henri-Dunant-Straße umbenannt wurde und dann ein blaues Straßenschild erhielt. Aber: Die „Agnes-Miegel-Straße“ in Finthen, die früher Goethestraße hieß und auch nach 1969 umbenannt wurde, hat ein weißes Schild.

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Genauso ist es bei der „Poststraße“, die früher „Bahnhofstraße“ hieß.

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Möglicherweise gehören diese Straßen aber auch zu denen, „die dem Rhein nicht zugeordnet werden können“. Und so gibt es weiterhin dreifarbige Schilder und die Erkenntnis, dass Mainz eben vielfältig ist.

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