Wie sah der Hauptbahnhof früher aus?

Fast 130 Jahre prägt der Mainzer Hauptbahnhof schon das Stadtbild. Merkurist erzählt seine Geschichte.

Wie sah der Hauptbahnhof früher aus?

60.000 Reisende sind täglich am Mainzer Hauptbahnhof unterwegs, pendeln in die Region oder verreisen. Doch welche Geschichte steckt hinter dem fast 130 Jahre alten Bauwerk?

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg wurde der Bahnhof als „Centralbahnhof“ 1882 bis 1884 errichtet. Als starker Handelsplatz und Verkehrsknotenpunkt war Mainz als Standort für den Bahnhof attraktiv. Am Rheinufer ließen sich die Anlagen des Bahnhofs der Hessischen Ludwigsbahn aber nicht erweitern, weshalb man sich für einen Neubau entschied.

Der neue Centralbahnhof im westlichen Teil von Mainz sollte die bestehenden Zugstrecken zusammenführen. Dafür wurden Gleise in einem großen Bogen zum Bahnhof geführt. Auch ein Tunnel wurde gebaut. Philipp Johann Berdellé wurde damit beauftragt, ein Empfangsgebäude zu gestalten. Hier traf Barock auf Klassizismus. Am 15. Oktober 1884 wurde es schließlich eröffnet.

Die Reisenden wurden durch eine große Bahnsteighalle aus Guss- und Schmiedeeisen geschützt. Mit 300 Metern war sie die damals längste Bahnhofshalle Europas. Bei einem Brand 1934 wurde sie stark beschädigt, die Wiedererrichtung erfolgte ab 1939. Danach war sie nur noch 140 Meter lang.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Hauptbahnhof bei Bombenangriffen schwer beschädigt. Rund 180 Millionen Mark Schaden entstanden damals. 1,7 Kilometer Gleise und sechs Stellwerke wurden zerstört.

In den Nachkriegsjahren wurde der Bahnhof schließlich neu gebaut und modernisiert. Markant und auch von außen gut sichtbar: das Kupferberg-Fenster mit dem großen Schriftzug. Auch das Fenster von Blendax-Zahnpasta war vielen Mainzern ein Begriff.

1998 mussten sich die Mainzer schließlich von der alten Bahnhofshalle verabschieden. Sie musste einer neuen Konstruktion aus Glas und Stahl weichen, die auch heute noch das Bild bestimmt. Die Abrissarbeiten begannen im Herbst - bei laufendem Betrieb. Bis Dezember 1998 war von der alten Halle nichts mehr übrig.

Bis Mitte Januar 1999 entstand so die neue 80 mal 80 Meter große Plattform über den Gleisen. Neue Zugänge wurden geschaffen, eine zweite Ebene mit Rolltreppen und Aufzügen eingezogen. 5900 Quadratmeter standen insgesamt für Reisezentrum, Einzelhandel, Dienstleister und Toiletten zur Verfügung. Ebenfalls geplant: eine Buchhandlung und ein Eiscafé. Auch außen tat sich einiges, wie die AZ berichtete. Bis Ende 2000 wurde der Vorplatz saniert - und sieht auch zwanzig Jahre später noch so aus. (mm)

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