Als das Staatstheater seinen Glaszylinder bekam

Der riesige Glaszylinder ist heute das Markenzeichen des Mainzer Staatstheaters. Bis er und damit auch der neue Mollerbau offiziell eröffnet werden konnten, gab es aber ein paar Herausforderungen. Ein Rückblick.

Als das Staatstheater seinen Glaszylinder bekam

Wer heute vor dem Staatstheater am Gutenbergplatz steht, dem fällt sofort etwas ins Auge: der markante Glaszylinder, der sich über dem Großen Haus erhebt. Wie das Foto von Reinhard Kroh aus dem Jahr 1993 zeigt, gab es ihn vor mehr als zwanzig Jahren noch nicht.

Im Juli 1998 begann schließlich der große Umbau des Staatstheaters. 105,2 Millionen D-Mark waren veranschlagt, um die Grundstruktur und das Mauerwerk von 1833, dem sogenannten Mollerbau, mit den Türmen von Anfang des 20. Jahrhunderts und neuer, moderner Architektur in Einklang zu bringen. Damit beauftragt wurden unter anderem das Büro Schoyerer sowie das Stuttgarter Architekturbüro Kauffmann, Theilig und Partner. Es sollte ein „modernes Großes Haus in historischer Bausubstanz“ gelingen, wie die Allgemeine Zeitung (AZ) zur offiziellen Eröffnung im September 2001 schrieb. Gerade vom Glaszylinder versprach man sich viel: Nicht nur, dass sich laut AZ-Bericht das Raumvolumen um ein Drittel erhöhte, auch die Akustik wurde „erheblich verbessert“.

Doch der Umbau lief nicht ohne Probleme ab. Wie die AZ weiter berichtete, bereiteten die schlechte Substanz des Mauerwerks und Wassereinbrüche den Handwerkern Schwierigkeiten. Die Baukosten erhöhten sich auf rund 119 Millionen D-Mark. Und auch die Bauzeit verlängerte sich von geplanten zwei auf drei Jahre. Bis zur Eröffnung sollte eigentlich alles fertig sein, doch wie ein AZ-Reporter nach einem Rundgang schilderte, wirkte alles eher wie ein Provisorium. „Das Dachrestaurant hat Baustellenflair, Wasser tropft aus der Decke, die beiden Treppen hinauf in den Glaszylinder sind provisorisch hergerichtet. Die Handwerker haben offensichtlich noch einige Wochen Arbeit.“

Dennoch sollte bei der offiziellen Eröffnung am 14. September 2001 das prestigeträchtige Gebäude mit rund 900 geladenen Gästen gebührend gefeiert werden. Doch aufgrund der Terroranschläge vom 11. September war den Verantwortlichen nicht nach ausgelassenem Feiern zumute. So herrschte laut AZ bei der Premiere von Händels Oratorium „Saul“ Applausverbot. Auch Sekt wurde an diesem Abend nicht ausgeschenkt. Zwei Tage später, an einem Sonntag, durften Mainzer Bürger erstmals das neue Theater betreten. Mit einem Tag der offenen Tür stellte man ihnen den neuen Mollerbau vor. Doch auch dieser nahm ein jähes Ende, als eine anonyme Bombendrohung ausgerufen wurde.

Das sagten die Mainzer Bürger

Die Mainzer Bürger waren nicht alle überzeugt von ihrem neuen Staatstheater. Die AZ hatte bei der Eröffnung eine Umfrage gemacht. Das Urteil: durchwachsen. „Hässlich ist das, mit dem Gaskessel da oben“, meinte eine Rentnerin. „Zu wuchtig“, meinte ein anderer. So mancher genoss aber auch die Aussicht auf das neue Gebäude. „Moderner, schöner, also mir gefällt’s“, sagte ein junger Mann gegenüber der AZ. Und ein anderer Bürger: „Der Glaszylinder ist etwas ganz Besonderes.“

Könnt Ihr Euch noch an das Staatstheater ohne Glaszylinder erinnern? Postet Eure Erinnerungen unter den Artikel! (pk)

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