5 verrückte Fakten aus Mainz

Was hat es mit dem Lumpenglöcklein und dem hingerichteten „Robin Hood des Hunsrücks“ auf sich, welche Prominente besitzen eigene Mainzer Rebstöcke und was wollten Mainzer damals in Texas? Wir stellen euch fünf verrückte Geschichten aus Mainz vor.

5 verrückte Fakten aus Mainz

Hättet ihr’s gewusst? Dass in Mainz der „Robin Hood des Hunsrück“ hingerichtet wurde – durch die Guillotine? Dass der Mainzer Versuch, in Texas ein neues Leben aufzubauen katastrophal geendet ist? Und dass die älteste Mainzer Glocke einst von gewissenhaften Ehefrauen finanziert und angeschafft wurde? Was sie damit vorhatten und welche ungewöhnlichen Geschichten es noch aus Mainz gibt, könnt ihr im Folgenden lesen:

Das „Lumpenglöcklein“

Die älteste Glocke von Mainz wurde einst von resoluten Mainzer Ehefrauen finanziert – und zwar bereits im 13. Jahrhundert. Damals sammelten die Frauen des Pfarrbezirks St. Quintin untereinander Geld- und Wertsachen ein, um eine 115 Kilogramm schwere Glocke gießen zu lassen. Die sollte ihre Ehemänner, die bis tief in der Nacht in den Winzerstuben zechten, nach Hause läuten. Die haben wohl gerne behauptet, den Nachtwächter nicht gehört zu haben und auch nicht den Schlag der Kirchturmglocke. Nun schlug das fortan genannte „Lumpenglöcklein“ in St. Quintin täglich um 23 Uhr und schickte damit die Männer nach Hause.

Später, im Zweiten Weltkrieg, sollte die Glocke dann, wie so viele andere, eingeschmolzen und für Kriegsmaterial verwendet werden. Doch sie entging ihrem Schicksal und konnte wieder nach Mainz gebracht werden. Inzwischen läutet sie nicht mehr um 23 Uhr, sondern bereits um 19:30 Uhr.

Die Hinrichtung vom „Robin Hood des Hunsrücks“

Johannes Bückler, der vor über 200 Jahren als Räuberhauptmann „Schinderhannes“ durch die Wälder zog, fand in Mainz sein schreckliches Ende: Am 21. November 1803 wird er durch die Guillotine hingerichtet.

Wahrscheinlich war es die Armut, die Johannes damals zum Stehlen brachte – zumindest am Anfang. Da er als Lehrjunge ein paar Kalbfelle und Kuhhäute gestohlen hatte, bekam er 25 Prügelhiebe. Bei einem Diebstahl mit zwei Freunden wird er zwar erwischt, kann aber später fliehen – im Gegensatz zu den anderen beiden. All das hielt ihn jedoch nicht von weiteren Taten ab. Später, so die Überlieferung, geht er sogar äußerst brutal vor.

Mit seiner Räuberbande zieht er durch die Gegenden von Hunsrück, Mosel und Nordpfalz. Schwerpunkte sind Überfälle und Erpressungen, vor allem gegen Soldaten, reiche Unternehmer und Juden. Zwar teilt er seine Beute nie mit der Bevölkerung, diese soll ihn aber geschützt und versteckt haben. Endgültig festgenommen wird er am 31. Mai 1802.

Er kommt nach Mainz und wird in den Holzturm gesteckt, gemeinsam mit seiner Partnerin Juliana Blasius, die kurz darauf ihren gemeinsamen Sohn zur Welt bringt. Sie wird zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. 16 Monate Prozess füllen über 3000 Seiten Dokumente von Aussagen und Berichten zu über 200 Straftaten. Am 21. November 1803 wird er in Mainz hingerichtet, vor 30.000 Schaulustigen. Die Guillotine wird außerhalb der Stadtmauern vor dem Neutor aufgebaut.

Das Texasprojekt des „Mainzer Adelsvereins“

Sie suchten ein besseres Leben in der Ferne: Mitte des 19. Jahrhundert gab es eine große Auswanderungswelle, viele Deutsche zogen nach Amerika, um sich dort ein neues Dasein aufzubauen. Katastrophal jedoch endete der Versuch des „Mainzer Adelsvereins“, dessen Mitglieder eine Siedlung in Austin (Texas) errichten wollten.

Adelige Offiziere gründeten im Jahr 1842 in Biebrich einen neuen „Verein zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas“. Sie wollten die herrschende Not lindern, indem sie eine Übersiedlung nach Texas (damals unabhängig) ermöglichen. Ihr Plan war es, eine Kolonie zu gründen und damit auch neue Absatzmärkte für Deutschland zu schaffen. Als erster reiste der „Generalkommissar“ Carl Prinz zu Solms-Braunfels nach Texas, ihm folgten einige Gruppen. Fast ein Jahr dauerte es, bis er nahe dem Guadalupe River ein Stück Land kaufen konnte. Er nannte es „Neu-Braunfels“.

7400 Deutsche reisten nach und nach über den Verein nach Texas, vor Ort lebten sie jedoch in erbärmlichen Zuständen, geprägt von Hunger und Seuchen. Es gelang dem Verein nicht, den Menschen Land zur Verfügung zu stellen oder sie ausreichend zu versorgen. 1848 löste er sich auf.

Später aber wurde die Gegend vor allem von Menschen aus dem Westerwald besiedelt, die sich erfolgreich niederließen. Die Gegend um Austin und San Antonio wurde zum „German belt“.

Die Meenzer Wortdopplungen

Der rheinhessische und Meenzer Dialekt ist vor allem geprägt von der französischen Besatzungszeit: Kanapee, Chaiselongue, Chaussee und Trottoire sind hier ganz gewöhnliche Ausdrücke. Der Unterschied: Sie werden meistens – auf germanische Weise – auf der ersten Silbe betont. Die original französischen Wörter haben ihre Betonung hingegen auf der zweiten Silbe. Daneben gibt es, als noch älteren Einfluss, viele jiddisch geprägte Ausdrücke.

Eine andere Besonderheit in Mainz sind manche Wortdopplungen, tautologische Wendungen, die immernoch fester Bestandteil des Vokabulars sind. Die geläufigsten: „E Fläschje-Flaschebier“ oder „Schiffchebootsche“ als Ausdruck für die Personenfährschiffe auf dem Rhein. Das „Schiffchebootsche“ ist sogar in einem Kostheimer Lied verewigt: „Do wo Schiffchebootcher fahrn“.

Mit Ehrentitel: Prominentenweinberg an der Zitadelle

Ein Friedensnobelpreisträger, ein Außenminister, ein Kardinal: Sie alle haben sich mitten in der Mainzer Stadt ein grünes „Weindenkmal“ setzen lassen. Seit 2007 nämlich gibt es unterhalb der Zitadelle einen kleinen Weinberg, der Prominenten vorbehalten ist, die Mainz einen Besuch abstatten oder die selbst aus Mainz kommen. Die ersten beiden Reben wurden übrigens von Kardinal Karl Lehmann und dem ehemaligen ZDF-Intendanten Mar­kus Schäch­ter gesetzt. Angelegt hatte ihn der „Mainzer Weinsenat“. Im Lauf der Jahre kamen beispielsweise Frank-Walter Steinmeier, Otto Waalkes, Malu Dreyer und Michael Ebling sowie der Staatspräsident von Polen, Lech Walesa, hinzu.

Die Pflanzer erhalten laut der Stadt Mainz sogar einmal im Jahr eine Flasche Wein von ihrem eigenen Rebstock. Zudem erhalten sie den Ehrentitel „Consitor Senatus Vineti“ (Pflanzer des Senats-Weinberges).

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