Was war das Mainzer Velodrom?

Das „Planschbecken“ in der Oberstadt - für viele Mainzer ist dieser Wasserspielplatz ein beliebtes Ausflugsziel an heißen Sommertagen. Doch was viele heute nicht mehr wissen: Früher war hier das „Mainzer Velodrom“.

Was war das Mainzer Velodrom?

Oberhalb des Gautors, parallel zum Drususwall und der Straße „Am Fort Elisabeth“ befindet sich der Wasserspielplatz „Das Planschbecken“ - umgeben von Grünanlagen. Was viele heute nicht mehr wissen: Vor 130 Jahren wurde hier das Mainzer „Velodrom“ gebaut. Was genau dahinter steckt erfahrt Ihr hier.

Eine Rennbahn für Mainz

Die Geschichte des Velodroms beginnt im Jahr 1889. In diesem Jahr wurde der Mainzer Bicycle-Club Moguntia gegründet, später „Mainzer Radsportverein“. Um Radrennen zu fahren, wollte der Verein eine Rennbahn mit überhöhten Kurven bauen - das sogenannte „Velodrom“. Zudem sollte innerhalb der Rennbahn ein Sportplatz für andere Sportdisziplinen entstehen. Doch die Finanzierung war ein Problem.

Wie wurde der Bau finanziert?

Da sich der Verein gerade erst gegründet hatte, schien die Finanzierung zum Problem zu werden. Eine Lotterie sollte helfen, die geschätzten Kosten von circa 30.000 Mark zu bewältigen. Dabei sollten Gegenstände verlost werden. „Sie haben eine Lotterie beantragt. Die ist auch genehmigt worden, aber ob sie überhaupt stattgefunden hat weiß man nicht“, erzählt Albert Weis, Mitglied des Mainzer Radsportvereins seit über 50 Jahren.

Zeitungsartikel des Mainzer Anzeigers von 1889, die Merkurist vorliegen, weisen auf zwei Dinge hin: Der Radsportverein habe die Lotterie nur zur Finanzierung der Fläche nutzen wollen, auf der später das Velodrom erbaut wurde. Dieser Versuch des Vereins sei gescheitert. Das Velodrom sei dann 1889 von dem Mainzer Georg Drescher finanziert und ab 1897 betrieben worden. Auch ein Buch des Ingelheimer Sporthistorikers Heinz-Egon Rösch weist darauf hin. „Drescher hat das finanziert und Sportfeste dort abgehalten. Die Lotterie scheint nicht von ihm genutzt worden zu sein. Er hat die Bahn bauen lassen“, sagt Weis. Später soll die Radrennbahn in den Besitz der Stadt Mainz übergegangen sein.

Der Mainzer Radfahrer Georg Drescher

Georg Drescher war ein erfolgreicher Sportler aus Mainz. Über 500 Preise soll er als Radrennfahrer gewonnen und die Titel: „Europameister“, „Deutscher Meister“ und „Hessen Meister“, errungen haben. Als Eigentümer der Rennbahn veranstaltete er im Sommer regelmäßig Sportfeste und Radrennen. Daraufhin wurden immer mehr Radsportvereine in den Mainzer Stadtteilen gegründet, schreibt Rösch.

1897 fand das erste Radrennen statt. „Nach dem Ersten Weltkrieg sind hier sogar die Franzosen mit den Deutschen zusammen Rennen gefahren. Die waren ja nicht gut aufeinander zu sprechen. Der Sport hat sie zusammengebracht“, sagt Albert Weis. Auch die Europameisterschaft sei auf dieser Rennbahn ausgetragen worden. Zudem sei im Inneren der Rennbahn ein Sportplatz gewesen, auf dem die Hassia Mainz (heute: Mainz 05) gespielt habe, sagt Weis. Im Winter sei das Velodrom dann mit Wasser befüllt worden, damit die Leute darauf Schlittschuhlaufen konnten.

Das Ende der Mainzer Rennbahn

1928 wurde die Radrennbahn für den Bau eines Neubaugebiets abgerissen. Das schreibt der Ingelheimer Sporthistoriker Heinz-Egon Rösch. „Es gibt verschiedene Deutungen warum die Bahn nicht mehr da ist. Ich glaube, weil es eine Zementbahn war, war sie einfach abgenutzt. Oder das Interesse für den Rennsport hat einfach abgenommen“, sagt Albert Weis.

In den 1920er-Jahren errichtete der Mainzer Gartenbaudirektor Ottokar Wagler den Wasserspielplatz „Das Planschbecken“. Seitdem gibt es hier Wasserbecken, fest installierte Wassersprenger und einen Kinderspielplatz - umgeben von einer Parkanlage und Wohnhäusern. Auch ein Kiosk wurde hier eröffnet, dessen Zukunft ist aber noch ungewiss (wir berichteten).

Rätsel um genauen Standort

Sieht man sich heute den Wasserspielplatz und die umliegenden Grünflächen an, erinnert kaum etwas an diesen Teil der Mainzer Sportgeschichte. Nur die halbrunde Böschung und die kleinen Hänge in Richtung des Fichteplatzes lassen vermuten, dass der heutige Spielplatz früher einmal ein Teil des Mainzer Velodroms gewesen ist. „Es ist ehrlich gesagt schwer auszumachen, wo die Bahn genau war. Sie war auf jeden Fall irgendwo auf dem Gelände“, sagt Albert Weis. „Aber das Planschbecken allein kann das nicht gewesen sein. Die Kurven des Planschbeckens können unmöglich von der Radbahn sein. Das Planschbecken ist viel zu klein - habe ich selbst mal ausgemessen.“ (df)

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