Als eine Riesen-Explosion Mainz erschütterte

153 Tote, 57 völlig zerstörte Häuser - das ist die Bilanz der verheerenden Explosion des Pulverturms nahe dem Gautor. Heute ist sie auf den Tag genau 162 Jahre her.

Als eine Riesen-Explosion Mainz erschütterte

Es war der 18. November 1857, gegen 14:45 Uhr. Ein lauter Knall erschütterte plötzlich Mainz. Eine Katastrophe hatte sich am Pulverturm nahe dem Gautor ereignet: Plötzlich explodierten große Massen an Munition, die dort gelagert worden waren. 153 Menschen starben, darunter die gesamte Wachmannschaft vor dem Gautor. Hunderte Menschen wurden teils schwer verletzt.

Als das Pulvermagazin explodierte, lagerten darin 208 Zentner Zündhütchen und über 600 Leuchtkugeln. Besonders am Kästrich wurde so innerhalb von Sekunden großer Schaden angerichtet. 57 Häuser wurden dort komplett zerstört. Die Trümmer flogen bis zum Ballplatz, zur Bauhofstraße, zum Weingarten und sogar bis zum Rhein. Fenster im Dom und in der Quintinskirche zersprangen. Die Illustrierte Zeitung Leipzig berichtete zu dieser Zeit: „Außerdem ist, wie bereits gemeldet, kein Haus in der Stadt unbeschädigt davon gekommen. Die Stephanskirche ist vollständig Ruine.“ Die genaue Ursache für die Explosion ist bis heute ungeklärt. Eine Vermutung: Ein österreichischer Unteroffizier soll aus Rache das Magazin in Brand gesteckt haben.

Glück im Unglück

Trotz der starken Schäden hatte Mainz noch Glück im Unglück. Erstens hatten sich wenige Tage vor der Explosion noch rund 700 Zentner Munition im Turm befunden. Zweitens konnten durch eine kurzfristige Absage eines Turnfestes wichtige Würdenträger beschützt werden. Denn für die Feierlichkeiten hatten sich unter anderem Großherzog Ludwig III. sowie der Herzog von Nassau, Adolf I., und Landgraf Ferdinand von Hessen-Homburg angesagt. Drittens wurde eine Kettenreaktion mit anderen Pulverlagern verhindert, indem man die Minengänge unter Wasser setzte. Insgesamt waren 12.000 Zentner Munition in den Lagern.

Gebaut worden war der Pulverturm oder Martinsturm, wie er früher hieß, im Mittelalter. Als äußerer Gautorturm war er zunächst Teil der Festungsanlage und wurde als Militärarresthaus genutzt. Ab dem 19. Jahrhundert wurde der Turm zum Pulvermagazin umfunktioniert. (nl/rk)

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