„Warum wird hier nicht gemäht?“ – Mainzer Grünflächen sorgen für Diskussionen

Hohes Gras, wilde Wiesen und sogar Tomatenpflanzen auf öffentlichen Flächen: Auf einige Mainzer wirken die Grünanlagen in der Stadt vernachlässigt. Doch dahinter steckt ein spezielles Konzept.

„Warum wird hier nicht gemäht?“ – Mainzer Grünflächen sorgen für Diskussionen

Wer derzeit durch Mainz spaziert, entdeckt an so manchen Straßenrändern und öffentlichen Flächen dichte Vegetation. Anstelle von kurz gemähten Flächen, fallen höhere Gräser und blühende Pflanzen auf. Für einige wirkt das ungepflegt. Aber steckt tatsächlich mangelnde Pflege dahinter?

Nicht jede Fläche soll kurz gemäht sein

Die Stadt Mainz erklärt auf Merkurist-Anfrage, dass hinter den ungezähmten Grünflächen ein Pflegekonzept steckt, das der Stadtrat 2004 beschlossen hat. Rund 260 Hektar öffentlicher Grünflächen werden demnach zweimal jährlich ausgiebig gepflegt. Weitere etwa 150 Hektar werden gärtnerisch betreut, darunter Spiel- und Sportplätze, einzelne Beete sowie bestimmte Parkanlagen. Kleinere Abweichungen seien aus Artenschutzgründen möglich.

Auch „Straßenbegleitgrün“, Baumscheiben und Biotopwiesen werden laut Stadt grundsätzlich zweimal jährlich gemäht. Ziel sei es, die biologische Vielfalt im Stadtgebiet zu erhalten und zu fördern.

Tomatenpflanzen erobern die Stadt

Dass dieses Konzept nicht bei allen Bürgern gleich gut ankommt, bestätigt die Stadtverwaltung. Während einige Menschen der Ansicht seien, die Grünflächen der Stadt würden nicht ausreichend gepflegt, wünschen sich andere noch mehr Maßnahmen für die Förderung der Biodiversität. Beschwerden über hoch gewachsene Vegetation würden zwar gelegentlich eingehen, Allergiker beziehen sich dabei bisher aber ausschließlich auf den Platanenbestand der Stadt.

Für Verwunderung sorgten zuletzt auch Nutzpflanzen wie Tomaten auf öffentlichen Flächen. Die Stadt erläutert, dass es dafür eine einfache Erklärung gibt: Auf dem Romano-Guardini-Platz und in der Forsterstraße gibt es Urban-Gardening-Projekte, bei denen Obst und Gemüse für Bürger angebaut wird. Gelegentlich gelangen Tomatensamen dadurch in angrenzende Grünflächen. Diese Pflanzen würden dann beim nächsten Pflegegang entfernt.

Bald wird gemäht

Die Stadt Mainz arbeitet aktuell am ersten Pflegegang im gesamten Stadtgebiet. In den kommenden Wochen sollen die entsprechenden Bereiche schrittweise bearbeitet werden.

Die als „wild“ wahrgenommenen Flächen gehen also nicht auf mangelnde Pflege zurück. Stattdessen sollen sie mehr Grün und eine diversere Artenvielfalt fördern. Die Herausforderung bleibt, zwischen einem gepflegten Erscheinungsbild und mehr Platz für Pflanzen und Tiere den Mittelweg zu finden.