Warum Mainzer Familien derzeit wochenlang auf Elterngeld warten

Das Elterngeld sichert junge Familien finanziell ab, wenn sie nach der Geburt ihres Kindes nicht arbeiten gehen können. Doch momentan kommt es zu einigen Problemen bei der Bearbeitung der Anträge.

Warum Mainzer Familien derzeit wochenlang auf Elterngeld warten

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ist die Familie auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Denn wenn Eltern weniger Einkommen haben, weil sie nach der Geburt weniger oder gar nicht mehr arbeiten, braucht es einen Ausgleich, um die Lebensgrundlage der Familien zu sichern.

Dafür steht jungen Familien das Elterngeld zur Verfügung. Beantragt werden kann es erst, nachdem das Kind geboren wurde. Maximal kann es für drei Monate rückwirkend gezahlt werden. Für die entsprechenden Ämter heißt das: Sie müssen schnell sein, um der Familie möglichst bald den ihnen zustehenden Betrag zu überweisen. Doch genau das ist offenbar aktuell ein Problem in Mainz.

Zwei Monate lang kein Geld

„Zwei Monate lang warte ich darauf, dass mein Antrag auf Elterngeld bearbeitet wird“, berichtet etwa Leonie gegenüber Merkurist. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter vor drei Monaten stellte sie den Antrag bei der Stadt mitsamt aller dazu notwendigen Unterlagen. Eine Woche später kam die Eingangsbestätigung der Elterngeldstelle, mit dem Zusatz: „Wir bemühen uns schnellstmöglich Ihren Antrag zu bearbeiten, da uns bewusst ist, dass das Elterngeld zu Ihrer Existenzsicherung beiträgt.“ Und kurz darauf: „Wegen der Vielzahl der täglich eingehenden Anträge bitten wir jedoch um Verständnis, dass die Bearbeitung eine gewissen Zeit in Anspruch nimmt“. Wegen eines „personellen Engpasses bei der Elterngeldstelle“ sowie Sondergeldregelungen aufgrund der Covid-19-Pandemie komme es zu längeren Bearbeitungszeiten. Von „Fragen nach dem Sachstand“ solle man bitte absehen.

„Seitdem warte ich darauf, dass Geld auf meinem Konto eingeht“, berichtet die junge Mutter. Erst am 10. August, also sieben Wochen, nachdem sie den Antrag gestellt hatte, lag der Bewilligungsbescheid im Briefkasten. „Ich finde diese lange Zeit ein Unding, da es einfach Menschen gibt, die auf das Geld angewiesen sind“, ärgert sich Leonie. „Zwei Monate haben diese Menschen dann einfach kein Geld.“ Sie selbst konnte auf Rücklagen zurückgreifen, notfalls hätten ihre Eltern sie unterstützt. „Aber für andere kann das existenzbedrohend sein.“

Personalengpässe bei der Stadt

Die Stadt versichert auf Nachfrage, dass direkt nach Eingang des Elterngeldantrags auch mit der Bearbeitung begonnen werde. Doch bis das Elterngeld derzeit ausgezahlt werde, vergingen aktuell sechs bis acht Wochen. „Abweichungen in beide Richtungen sind möglich“, teilt Ellen König aus der Pressestelle mit. Denn aus gesundheitlichen Gründen würden im Sachgebiet derzeit zwei Personen länger fehlen, hinzu kämen coronabedingte Personalausfälle sowie die Urlaubszeit. Anfragen nach dem Sachstand würden zusätzlich Zeit in Anspruch nehmen, sogar „einen großen Teil der Arbeitszeit“, sagt König. Daher bitte man davon abzusehen. So sei es gerade auch nicht möglich, Eingangsbestätigungen zu erstellen.

Die Elternstelle empfiehlt daher, den Elterngeldantrag bereits vor der Geburt auszufüllen, vorzubereiten und die notwendigen Unterlagen – soweit schon vorhanden – bereitzulegen. Nach der Geburt solle der Antrag dann „schnellstmöglich“ eingereicht werden. Das sei auch digital möglich.

Die Frage jedoch, wie Menschen in der Zwischenzeit finanziell abgesichert werden, bis der Antrag nach zwei oder mehr Monaten bearbeitet ist, beantwortet die Stadt nicht.

Künftig, so ist zu hoffen, werde sich die Situation jedoch wenigstens ein wenig ändern: „Eine Verbesserung der Bearbeitungszeit wird ab dem 1. September 2022 angestrebt, da wir ab diesem Datum personell verstärkt werden“, so König. Ab dann gehe man von einer Bearbeitungszeit von vier bis sechs Wochen aus. Langfristig, so die Sprecherin, werde sich die Situation erst verbessern, wenn das Sachgebiet wieder vollständig besetzt sei. „Nach der Einarbeitung der zu besetzenden Stellen rechnen wir derzeit nochmals mit einer Verkürzung der Bearbeitungsdauer.“

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