Sarkophagfund in Mainz - Wer liegt drin?

Bei den Bauarbeiten für eine Fußbodenheizung in der St. Johanniskirche wurde ein Sarkophag entdeckt. Doch wer wurde darin bestattet? Diese Frage soll bald beantwortet werden.

Sarkophagfund in Mainz - Wer liegt drin?

Was mit dem Bau einer Fußbodenheizung begann, ist jetzt zum archäologischen Großprojekt geworden. In der Mainzer St. Johanniskirche wurde 2013 ein Sarkophag im Mittelschiff entdeckt. Die Ausgrabungen haben sechs Jahre gedauert - jetzt ist der Sarkophag freigelegt. Während der 90.000-Euro teuren Grabungsarbeiten hat sich zudem herausgestellt, dass es sich bei der Evangelischen St. Johanniskirche um den Alten Dom von Mainz handelt. Darauf deutet auch der Fund des Sarkophags hin. Mit der Öffnung am kommenden Dienstag (4. Juni) will ein Forscherteam der Geschichte auf den Grund gehen.

Das Rätsel um den Sarkophag

Der Sarkophag ist steinern, versiegelt und gut erhalten. Das internationale Forscherteam um den Schweizer Archäologen und Leiter der Ausgrabungen, Dr. Guido Faccani, vermutet anhand der Markierungen des Deckels, dass er circa 1000 Jahre alt ist. Zudem sei der Sarkophag in all diesen Jahren nie geöffnet worden, so Faccani. Was bedeute, dass die darin bestattete Person Ende des zehnten oder Anfang des elften Jahrhunderts gestorben sei. Außerdem ist der Sarkophag genau auf der Mittelachse der Kirche in den Boden eingelassen worden. Dies zeige, dass die bestattete Person von privilegierter Stellung war, erklärt der Archäologe.

Das Archäologenteam vermutet, dass es sich bei der bestatteten Person um den Mainzer Erzbischof Erkanbald handelt. Das vermuten die Forscher aufgrund des Zeitalters und der Position des Grabs. Erkanbald war von 1011 bis 1021 Erzbischof von Mainz. Möglicherweise wurde er 1021 in der St. Johanniskirche unerlaubt bestattet. „Das Zwölftafelgesetz der Antike verbietet die Bestattung der Bischöfe in der Stadt“, erklärt der Archäologe.

Faccani hofft durch die Öffnung des Sarkophags Erkanbald identifizieren zu können. „Damit könnten wir, die immer noch nicht ganz geklärte Frage lösen, ob St. Johannis tatsächlich auch die Kathedrale war. So können wir den Kirchenbau ins Frühmittelalter setzen und die Kirche als Zentrum der damaligen Stadt Mainz identifizieren.“ Bischofssitze seien im Frühmittelalter Mittelpunkte von Siedlungen gewesen. „Das ist für die ganze Stadtgeschichte Mainz wichtig“, so Faccani.

Am Dienstag wird der Sarkophag geöffnet

Kommenden Dienstag (4. Juni) wird der 700 Kilo schwere Sarkophagdeckel mit einer Krananlage gehoben und seitlich abgelegt. Archäologen, Anthropologen, Textilexperten und Restauratoren werden dann sofort in die Analyse des Leichnams und der Grabbeigaben gehen. „Denn wenn wir den Sarkophag öffnen, wird Sauerstoff reinfließen, dann zerstören wir die Originallage und Atmosphäre darin“, erklärt Faccani.

Ziel sei es, den Leichnam zu identifizieren und so viele Informationen festzuhalten wie möglich. Anschließend werde der Sarkophag wieder verschlossen. Der Leichnam und die Grabbeigaben blieben im Sarkophag und würden nicht in einem Museum ausgestellt werden. Darauf hätte man sich geeinigt, so Gregor Ziorkewicz, Pfarrer für Stadtkirchenarbeit an St. Johannis.

Am Samstag, den 8. Juni, wird die Grabungsstätte von 11 bis 15:30 Uhr der Öffentlichkeit zugänglich sein. Besucher können dann den Eingang am Ostchor nutzen. (pk/df)

Logo