Der Sarkophag ist geöffnet

Es ist ein historisches Ereignis: In der St. Johanniskirche hatten Wissenschaftler einen Sarkophag aus dem elften Jahrhundert entdeckt. Am Dienstagvormittag wurde er geöffnet. Doch wer liegt darin begraben?

Der Sarkophag ist geöffnet

Historiker und Geistliche blickten am Dienstagvormittag gespannt auf die St. Johanniskirche in Mainz. Was mit dem Bau zu einer Fußbodenheizung begann, endete mit einer archäologischen Sensation: mit einem Sarkophagfund. Wer darin begraben liegt, gab Rätsel auf. Das Archäologenteam vermutete, dass es sich um den Mainzer Erzbischof Erkanbald handelt. Darauf wiesen das Zeitalter des Sarkophags und die Position des Grabs hin. Erkanbald war von 1011 bis 1021 Erzbischof von Mainz - also vor genau 1000 Jahren.

Jetzt wurde der Sarkophag am Dienstag (4. Juni) geöffnet. Um 8:15 Uhr begannen die Ausgrabungen mit einer Andacht im Westflügel der St. Johanniskirche. Bischof Peter Kohlgraf, der Kirchenpräsident Volker Jung sowie einige geladene Gäste waren anwesend. Nach dem Gottesdienst begab sich das Team von Wissenschaftlern zur Ausgrabungsstelle. Nach kurzer Absprache wurde der 700 Kilo schwere Deckel des Sarkophags mit einer speziellen Krananlage gehoben, die von den Mainzer Steinmetzen bedient wurde. Die Wissenschaftler und der Schweizer Archäologe und Leiter der Ausgrabungen, Dr. Guido Faccani, waren gespannt. Die gute Nachricht: „Die Deckelöffnung verlief reibungslos“, erklärte Faccani.

Nach der Öffnung des Sarkophags begannen die Wissenschaftler mit der Dokumentation. Zunächst machten die Archäologen Bilder, um die Originallage festzuhalten und die Beschaffenheit des Leichnams zu dokumentieren. Dann gingen die Anthropologen in die Analyse. Diese wollten die Experten bis 11 Uhr abgeschlossen haben.

Nicht viel zu sehen

Doch wie sah es im Sarkophag nun aus? Man sah Erde und einige kleine Knochenreste - vermutlich Beckenknochen. Doch die Knochenstruktur ist weitestgehend zerfallen. An einem Ende des Sarkophags ist ein Kissen zu sehen, das vermutlich für den Kopf hineingelegt wurde.

Was haben sie nun gefunden?

Es handele sich um die sterblichen Überreste eines Priesters, so Faccani. Das könne man derzeit sicher sagen. „Sie sehen die Goldstreifen auf dem Kopf und im Armbereich. Die Identifizierung als Priester ist durchaus plausibel, aber die Person selbst können wir noch nicht identifizieren und die Datierung können wir derzeit nicht vornehmen“, erklärt der Archäologe. „Sie müssen sich gedulden.“ Ob es sich bei der bestatteten Person um den Mainzer Erzbischof Erkanbald handelt, bleibt also offen.

Um 13 Uhr findet eine Pressekonferenz statt. Dann wird das Archäologenteam das Geheimnis um den Leichnam endlich lüften. Außer dem Leiter der Ausgrabungen, Dr. Guido Faccani, und seinem Team, wird Dekan Andreas Klodt anwesend sein.

UPDATE: 14:20

Bei der Pressekonferenz präsentierten Archäologe Dr. Guido Faccani und Dekan Andreas Klodt die ersten Analyseergebnisse. „Wir haben eine bestattete Person, die gen’ Osten schaut. Sie blickt in die Richtung, wo am jüngsten Tag der Herr, die Erlösung, herkommt“, sagt Faccani. Gleichzeitig blicke der Leichnam in Richtung des Hauptaltars, in dem die Reliquien von Heiligen liegen. Diese sollten als ‘Fürbittung’ für den Bestatteten am jüngsten Tag wirken, so Faccani.

„Der Bestattete war zu unserem Erstaunen ziemlich weiß.“ Das sei darauf zurückzuführen, dass der Leichnam mit Ätzkalk bedeckt wurde, um seine Zersetzung zu beschleunigen und um eine Geruchsbildung in der Kirche zu verhindern. Zudem könne man von den Stoffschuhen, die der Bestattete trug, auf seine berufliche Position schließen, so Faccani. „Mit größter Wahrscheinlichkeit ist es eine Priesterbestattung, und die Person, die in dem Sarkophag liegt damit natürlich ein Mann“, erklärt Faccani.

Leichnam bleibt Rätsel

Wie Faccani sagt, sei die Sarkophagwanne für diese Bestattung überarbeitet worden. „Entweder wurde im Sarkophag wiederbestattet oder er wurde von anderer Stelle hergebracht und für diese Bestattung umgearbeitet, gebraucht und verschlossen.“ Danach sei der Sarkophag bis heute nicht geöffnet worden. Dies wären Hinweise, denen das Forscherteam nun nachgehen müsse. Es würden DNA-Analysen des Knochengewebes, Beschreibungen des Gesehenen und eine Datierung folgen. So bekäme man auf 150 Jahre genau das Jahr der Bestattung heraus.

Identifiziert habe man den Leichnam noch nicht. Es müssen weitere Analysen erfolgen. „Zwischen dem 10. und 11.Jahrhundert und dem 13. Jahrhundert kam der Sarkophag in den Boden“, erklärt Faccani. Damit sei immer noch nicht ganz ausgeschlossen, dass es sich bei der bestatteten Person um Erzbischof Erkanbald handle. Denn bislang seien keine Grabbeigaben gefunden worden, die darauf hinweisen, dass es sich um den Bischof handelt, so Faccani. (rk/mm)

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