Mainzer Initiative will Allianzhaus-Abriss verhindern

Die Mainzer Initiative „Spielraum“ will, dass das Allianzhaus in der Großen Bleiche erhalten bleibt. Im Merkurist-Interview erklärt Daniel Sieben von der Initiative, wie das Haus in Zukunft genutzt werden könnte.

Mainzer Initiative will Allianzhaus-Abriss verhindern

Die Zukunft des Mainzer Allianzhauses in der Großen Bleiche ist ungewiss. Dass das Gebäude in den nächsten Jahren abgerissen wird, um Platz für einen Neubau zu schaffen, ist keineswegs ausgeschlossen. Die Mainzer Initiative „Spielraum“ will einen Abriss verhindern und verfolgt andere Pläne. Wer hinter der Initiative steckt, warum die Mitglieder so am Allianzhaus hängen und welche Pläne sie für das Gebäude haben, hat uns Daniel Sieben von „Spielraum“ verraten.

Herr Sieben, wer steckt hinter der Initiative „Spielraum“?

Daniel Sieben: Ein offener, gemischter und politisch unabhängiger Zusammenschluss von Personen, denen unsere Stadtentwicklung am Herzen liegt. Bei uns engagieren sich (ehrenamtlich) erfahrene Macher:innen der Kultur- und Subkulturszene, Stadtentwicklung und Architektur sowie Menschen aus der politischen Bildung und auch der lokalen Wirtschaft. Schon jetzt unterstützen über 100 Organisationen und Einzelpersonen die Vision von „Spielraum“, das Allianzhaus als vielfältigen und bezahlbaren Kulturstandort zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Warum konkret setzen Sie und die anderen Mitglieder der Initiative sich für den Erhalt des Allianzhauses ein?

Das ist eigentlich ganz einfach: Zum Wohle der Stadt und ihrer Bewohner:innen! Das Allianzhaus ist ein echter Anker im kulturellen Leben. Am Allianzhaus ist seit über 60 Jahren spürbar, wie Mainz lebt, lacht, tickt und tanzt: Es ist tagsüber trotz vielbefahrener Kreuzung eine urbane Oase für Alt und Jung. Und es ist einer der letzten Orte in der Mainzer Innenstadt, an dem man bis spät in die Nacht und dennoch geordnet Nachtleben genießen kann.

Oder kann jemand einen anderen Ort nennen, an dem es montags Livemusik, tagsüber Kaffee und Kuchen und nachts noch ein leckeres Focaccia gibt? Oder wo ein zugezogener Student aus Krefeld das echte Mainzgefühl kennenlernt? Wir kennen keine Stadt, die auf solche Orte verzichten kann. Umso mehr kennen wir zig Städte, die gerne so einen Ort hätten.

Warum finden Sie den Standort des Hauses so attraktiv?

Das liegt vor allem an der baulichen Lage mit wenig Wohnbebauung. Die ist für die aktuelle Nutzung als Kultur- und Kommunikationsraum ideal und schlägt ganz nebenbei eine wichtige Brücke von der Neustadt in die Altstadt. Die Nachkriegsarchitektur des Gebäudes ist ebenso erhaltenswert wie der Inhalt.

Unsere Stadt wächst seit vielen Jahren und Kultur als Lebenselixier für eine Stadt – muss dann eben mitwachsen. Innenstädte müssen leben. Wir sehen deshalb auch nicht nur die Probleme die Kultur-Schaffende in Mainz haben, etwa fehlenden beziehungsweise notorisch zu teuren Raum, in dem Kultur und Subkultur oft vergeblich versuchen, Platz zu finden. Sondern wir sehen vor allem diese einmalige Chance, die es für Mainz und seine vielen (Sub-)Kulturschaffenden mit dem Auslaufen der Mietverträge im Allianzhaus 2025 und der damit notwendigen Suche nach einer tragfähigen Zukunft jetzt gibt. Darüber wollen wir ins Gespräch kommen und gehen dazu in Kürze natürlich auch auf die Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG) als Eigentümerin zu. Wir glauben, hier einen starken und wohlwollenden Partner finden zu können, dem durch seine besondere Struktur (die Stadt hält 49,9 Prozent an der MAG) unser Mainz ja ebenfalls am Herzen liegt.

In sozialen Medien heißt es von Seiten der Initiative, man plane auch neue Nutzungskonzepte. Wie sehen die im Vergleich zur jetzigen Nutzung aus?

Zuerst einmal: Das Allianzhaus wird bereits derzeit sehr gut genutzt. Man denke allein an die Nutzung im Erdgeschoss: den (übrigens vom Bund prämierten) Kulturclub Schon Schön, das Haus des Erinnerns und für Demokratie, die Galerie „Die Vitrine“, die Fahrradreparatur „Bike Kitchen“, die lokalen und inhabergeführten Gastronomien „3sein“ und „Café Blumen“ sowie die Kulturbotschaft der Region Oppeln (Polen). Alle sie beleben seit Jahren das Allianzhaus, wie es schon immer ein lebendiger Ort war, schon in der Zeit des ursprünglichen „Allianz-Cafés“. Die Besucher:innen-Zahlen sind jeden Tag enorm, an dem Standort hängen schon jetzt rund 100 Arbeitsplätze, Minijobs eingeschlossen. So etwas könnte nicht einfach irgendwo andershin umziehen.

Es gilt deshalb nicht nur, diese natürlich gewachsenen, ausgezeichneten Strukturen zum Wohle der Stadt zu erhalten. Sondern wir sehen die Zukunft des Allianzhauses vielmehr als logische Weiterentwicklung zu einem gesellschaftlichen Zentrum für die Vielen, die mit Subkultur und Kultur unsere Stadt und das Leben bereichern, die wichtige Demokratie- und Erinnerungsarbeit leisten, die Menschen und Kulturen zusammenbringen, die proben, aufführen, werken, zeigen, lernen, miteinander lachen und diskutieren wollen - die das Allianzhaus unter einem Dach als feste Adresse und bezahlbaren „Spielraum“ nutzen, sich vernetzen, entfalten und wachsen wollen.

Und welche Änderungen haben Sie im Sinn?

Im oberen Gebäudeteil haben viele Menschen zum Glück Zuflucht bei uns gefunden. Was nach 2025 geschieht, ist aber unklar. Klar ist nur, die Fläche in den oberen Geschossen ist riesig und gut aufteilbar. Wenn das Gebäude nicht als eine einzelne „Leuchtturmnutzung“ erschlossen wird, sondern für eine möglichst vielfältige Nutzung, können hier Probe- und Übungsräume entstehen, Ateliers, Veranstaltungsräume für politische Bildung (vor allem für Jugendorganisationen und als Jugendforum), ein „Makerspace“ als offene Werkstatt und eine offene Bühne unter anderem für Tanz, Musik, Theater. Wenn man sich das einmal vorstellt: Was für eine tolle Aussicht!

Das Allianzhaus wäre damit ein Zentrum mit Strahlkraft, die unserer Stadt zu Gute kommt – einer Strahlkraft, die nicht nur andere Kulturschaffende anzieht und hier hält, sondern heutzutage über alle Branchen und Lebenslagen von Menschen hinweg für die Wahl des eigenen Wohn- und Arbeitsorts entscheidend ist. Auch dafür, an diesem Ort, in Mainz, einen Beitrag zu leisten und sich gehört und gesehen zu fühlen. Ein so belebtes und beliebtes Areal wäre zudem nicht nur wie jetzt schon wirtschaftlich tragfähig, sondern wäre auch eines, das Haltung ausstrahlt – durch aktive Förderung und kreativwirtschaftliche Lotsenfunktionen als „Kulturzentrale“. Auch das wäre etwas, womit sich Mainz unterscheiden würde.

Gibt es denn bereits konkrete Gespräche mit Entscheidern?

Unsere Haltung ist ein positiver Blick in die Zukunft unserer Stadt und auf die Zukunft des Allianzhauses, im Besonderen. Wir haben aus den Reihen der Politik Zuspruch für unsere Initiative wahrgenommen, natürlich in verschiedenen Ausprägungen. Darüber hinaus haben wir auch Aussicht auf offizielle Gespräche. Wenn es dazu kommt, werden wir dies natürlich nutzen, um für die aus unserer Sicht gute und realistische Vision für das Allianzhaus zu werben. Wir wissen aber auch, wie wichtig bei so einem großen Zukunftsprojekt das Vertrauen unter denjenigen ist, die miteinander sprechen. Deshalb nur so viel: Wir freuen uns daher auf Gespräche dieser Art und sind optimistisch.

Wie können Mainzer die Initiative unterstützen?

Weitersagen und liken! Man kann die Idee vom Allianzhaus der Zukunft schon dadurch unterstützen, indem man anderen von der Chance, die hier liegt, erzählt. Wer sich inhaltlich einbringen möchte, ist herzlich eingeladen, zu unseren Treffen zu kommen. Die Termine findet man auf der Website www.allianzhaus-mainz.de und wir sind auf Instagram unter @allianzhaus aktiv. Wer mag, kann auch mit seinem Namen als Unterstützer:in auf unserer Website angegeben werden.

Vielen Dank für das Gespräch, Daniel Sieben.

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