Als sich Slevogt, Pankok, Orlik und Grünberg in der „Hexenküche“ trafen

Von Glasätzungen mit hochgiftiger Flusssäure, über Druckarbeiten mit Leder, Seide, Porzellan & Speckstein, bis zu privaten Briefwechseln – die Werke der Künstlergruppe „SPOG“ finden ab 25. September erstmals Platz in einer Ausstattung.

Als sich Slevogt, Pankok, Orlik und Grünberg in der „Hexenküche“ trafen

Gemeinsames Interesse an Drucktechniken und Experimenten formte eine unvergleichliche Allianz der Kunst

Max Slevogt prägte die Landschaftsmalerei im deutschen Impressionismus wie kein zweiter. Bei seinen druckgrafischen Experimenten wurde er von künstlerischen Gefährten begleitet. Gemeinsam mit Bernhard Pankok und Emil Orlik sowie seinem engen Freund Dr. Josef Grünberg schloss sich Slevogt um 1920 zu der Künstlergruppe „SPOG“ zusammen. Sehr viel mystischer als diese Benennung nach ihren Anfangsbuchstaben klingt ihr Treffpunkt – die sogenannte „Hexenküche“. Dabei handelte es sich um das Labor des Zahnarztes Grünberg.

Das Ziel der Vereinigung war eine Weiterentwicklung von herkömmlichen Drucktechniken, ein Ausprobieren von Möglichkeiten des Druckens sowie das Herstellen von Druckplatten aus anderen Materialien. Und zuletzt verband Slevogt, Grünberg, Pankok und Orlik auch die geteilte Freude am Experiment. Trotz ähnlicher Interessen, und vor allem Visionen, bilden die Ergebnisse der Gruppe kein einheitliches Thema. Vielmehr zeichneten sie, was sie gerade beschäftigte, wodurch sämtliche, für jeden einzelnen Künstler charakteristischen Motive entstanden. Darunter finden sich kleine Landschaften, mythologische Figuren, orientalische Szenen, Tiere, Fabeln, skurrile Szenen und vieles mehr, das den Einfallsreichtum der vier widerspiegelt.

Die zahlreichen Experimente von vier begabten Künstlern werden endlich aus ihrem Forschungsdesiderat geholt

„SPOG“ ist in der bisherigen Forschungsliteratur ein absolutes Desiderat geblieben. Ihre Werke wurden weder ausgestellt noch verkauft. Bis jetzt! Die einzigartigen Bestände der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz ermöglichen es nun, diese Lücke aufzuarbeiten! Das am Landesmuseum Mainz angesiedelte Max Slevogt-Forschungszentrum präsentiert vom 25.09.2021 bis zum 09.01.2022 noch weitgehend unbekannte Aspekte des Künstlers. Sie stammen unter anderem aus dem grafischen Nachlass des Künstlers oder der umfangreichen Grafiksammlung von Grünberg.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die heute noch erhaltenen Druckplatten (Glasklischees, Zinkplatten, Radierplatten etc.) sowie die umfassenden Ergebnisse dieser Experimente auf verschiedenen Papieren (Japan, China, Alt-Bütten), Seide bis hin zu Leder. Als Grundlage zur Entschlüsselung der für die Drucke genutzten Techniken dient das damals von Grünberg für den Bruno Cassirer Verlag geplante Buch, das sich als Skript in der Sammlung Grünberg erhalten hat.

Wie sich eine einzigartig enge Freundschaft liest

Neben den Experimenten aus der Hexenküche wird in der Ausstellung außerdem der umfangreiche Briefwechsel zwischen Slevogt und Grünberg von 1921 bis 1931 transkribiert, wissenschaftlich bearbeitet und in einer kommentierten Briefedition veröffentlicht. Fast alle der Briefe und Postkarten sind zudem mit aufwendigen und humorvollen Randzeichnungen von Slevogt versehen. Neben vielen privaten und politischen Ereignissen stehen in dem Austausch vor allem die druckgrafischen Experimente der beiden im Vordergrund. Der erste Brief wurde übrigens genau vor 100 Jahren geschrieben!

Fühlst du dich angeregt, in Kunst, Experiment und Privatleben von Slevogt einzutauchen? Dann besuche das Landesmuseum Mainz dienstags von 10 bis 20 Uhr oder mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr!

Kontakt

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Landesmuseum Mainz

Große Bleiche 49–51

55116 Mainz

Web: www.landesmuseum-mainz.de

Mail: landesmuseum-mainz@gdke.rlp.de

Telefon: 06131 28570

Öffnungszeiten

Mo.: geschlossen

Di.: 10 bis 20 Uhr

Mi. – So.: 10 bis 17 Uhr

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