Der erste Eindruck zählt: Messestandgestaltung

Messen haben Konjunktur und sind beliebter denn je. Patrick Gilles, Gründer von bemotiv, ist seit mehr als 25 Jahren als Besucher und Aussteller auf Messen unterwegs. Im Interview mit Merkurist erklärt er, worauf es bei Messen wirklich ankommt.

Der erste Eindruck zählt: Messestandgestaltung

Ob die Weinbörse im April, die Pop-Up Messe Konekt Rhein-Main im Mai, die Berufsinformationsmesse im August – es gibt keine Zeit, die keine Messe-Zeit ist.

Erst kürzlich fand auf dem Mainzer Messegelände in Mainz-Hechtsheim wieder die größte Verbraucherausstellung im Rhein-Main Gebiet statt. Die Rheinland-Pfalz Ausstellung kommt auf über 700 Aussteller und über 70.000 Besuchern. 70.000 Besucher, bei denen der erste Eindruck zählt und der letzte bleibt.

Also haben wir den Messeexperten Patrick Gilles von bemotiv – perfekt präsentieren zum Gespräch eingeladen.

Im ersten Teil der Merkurist-Interviewreihe sprachen wir bereits über die häufigsten Fehler auf Messen und im zweiten Teil wurden wir von Patrick in die Kunst des Messegesprächs eingeweiht. Dieses Mal erfahren wir: Langweilige Messestände sind out und wie man mehr aus seinem Stand macht!



„Präsentieren ist heute facettenreicher, faszinierender und herausfordernder denn je.“



Merkurist: Patrick, schön wieder mit Dir zu sprechen. Heute, in unserem letzten Interview reden wir darüber, wie wichtig die Messtandgestaltung ist.

Patrick: Ja, das ist auch ein Thema, welches mir sehr am Herzen liegt. Wie wir alle wissen: Der erste Eindruck zählt, dazu gehört auch der erste Eindruck von einem Messestand! Die Standgestaltung ist wirklich sehr wichtig. Wenn ich bei Messebesuchern mit meinem Stand nicht ein erstes Interesse geweckt habe, kommt es nämlich auch zu keinem Gespräch.

Besucher auf einer Messe wollen etwas erleben. Sie wollen Geschichten erzählt bekommen, etwas Neues sehen. An welchen Stand zum Beispiel Deines letzten Messebesuchs kannst Du Dich erinnern? Das ist nämlich am Ende das inspiriert präsentierte Produkt, das besondere Gespräch oder der unverschämt nette Mensch, der oder das bei uns im Gedächtnis hängen bleibt.

Da ist was dran. Ich finde Messestände besonders gut, wenn ich etwas selbst testen kann. Was leider auch oft im Gedächtnis hängen bleibt, sind immer wieder dieselben Messestände: Zwei Displays, ein Klapptisch und ein paar Flyer!

Ja, das stimmt: Das ist das beste Beispiel für altmodische Messestände. Hier kommt es aber auch immer auf den Kontext drauf an. Manchmal reicht das auch – das Konzept muss eben stimmen.

Gut, also Geschichten erzählen soll man. Storytelling. Das hört sich gut an, wie stellt man das am besten an?

Aus der Branche, dem Produkt oder der Firmengeschichte heraus, ergeben sich meistens schon geeignete Motive oder Geschichten. Wichtig ist, das Motto eines Standes darf aber das Produkt nicht überlagern.

Wenn Du z.B. als Kreativagentur ein Dreirad mit einer Espressobar aufbaust, leckeren Kaffee und etwas Gebäck dazu anbietest, könnte der Besucher denken, Du bist im Catering unterwegs. Wenn du dann noch deine Broschüren in diesem Kaffee-Motto designst, lenkt das alles zu sehr von deiner eigentlichen Dienstleistung ab. Die kreative Leistung Deiner Agentur wird nicht als das eigentliche Produkt bzw. Dienstleistung wahrgenommen.

Also: Eine spektakuläre Standgestaltung bringt nichts, wenn das Produkt von deren Design überlagert wird und nicht im Mittelpunkt steht.

Wie sieht das mit dem Einsatz von moderner Technik aus? Braucht heutzutage jeder Messestand eine VR-Brille oder einen interaktiven Touchscreen?

Also, natürlich ist die Präsenz aktueller Medien auf dem Stand erst mal hilfreich. Z.B. Virtual Reality war bis vor einige Monaten noch in aller Munde, die Brille ein Hingucker, die Beobachter werden neugierig, wollen auch sehen, was in der Brille zu sehen ist. Alleine das schafft Interesse.

Aber die Technik muss sinnvoll eingesetzt werden. Ein Videorundläufer (Loop) kann noch so kurz sein, niemand wird die Sekunden vor dem Screen ausharren und die Story aufnehmen können. Also müssen Videoscreens auf Messen fast wie Plakate angelegt werden, damit in den 1-2 Sekunden, in denen ein Auge darauf fällt, die Gesamtheit einer Information schnell erfasst werden kann. Leichte Bewegungen und Videoeffekte sind dann der feine Mehrwert des Videos zum Plakat. Ebenso lenken etwas auffälligere Effekte zwischen den einzelnen Informationseinheiten die Aufmerksamkeit auf den Screen. Aber bitte ohne Ton. Das nervt Besucher und Standnachbarn.

Stichpunkt Viedeorundläufer: Im letzten Interview über Gesprächsführung hast Du dazu geraten, nicht über eigene Kunden zu sprechen und zu prahlen. Wenn ich diesem Rat folge – was soll ich in meinem Videorundläufer dann zeigen?

Bitte diesen Rat nicht falsch verstehen. Es ist etwas anderes erfolgreiche Projekte zu zeigen anstatt über sie zu prahlen. Belegexemplare seiner Arbeit sind sogar etwas sehr Wichtiges, also müssen sie gezeigt werden.

Wie sieht es nun allgemein mit der Standgestaltung aus, wenn ich ein Motto oder ein Motiv für mein Produkt gefunden habe?

Generell gilt, egal welches Produkt und welche Branche: Gestalte Deinen Stand offen und zeige eindeutig, was Du anbietest. Fokussiere dich auf das Wesentliche, weniger ist mehr. Falle auf, sei originell, aber überlade Deinen Stand nicht. Du musst im Mittelpunkt stehen, nicht dein Motto. Das Motto ist dein Katalysator, es soll zu dir hinführen.

Wenn Du einen großen Stand planst, ist die Zusammenarbeit mit einer Agentur oder einem erfahrenen Messebauer empfehlenswert. Die Logistik, der Auf- und Abbau, das Befahren des Messegeländes, das Einbringen von Material und die gesamte Zusammenarbeit mit der Messegesellschaft werden leichter, wenn ein erfahrener Dienstleister agiert, der im Idealfall persönliche Kontakte zu den Entscheidern der Messegesellschaft hat.

Wie würdest Du all das zusammenfassen? Was können wir von Dir als Fazit über Messestandgestaltung mitnehmen?

Beantworte dir die Frage: Was soll der Besucher mitnehmen, wenn er den Stand nach einem guten Gespräch verlassen hat? Was soll er tun, denken, kommunizieren?

Dann folgt die nächste Stufe: Wie erreiche ich dieses Ziel? Was muss ich tun? Welche Fragen muss der Stand, muss ich / müssen meine Leute am Stand beantworten? Was muss ich bieten, zeigen, unternehmen? Was macht der Wettbewerb? Wie differenziere ich mich?

Man sieht also schnell: Das Thema Messestandgestaltung sollte man nicht unterschätzen. Die Investition in eine professionelle Messestandgestaltung zahlt sich auf jeden Fall aus, da man selbst oft zu sehr in seiner Denke blockiert ist und der externe Blick nicht gut gelingt. Habe ich es aber geschafft die Besucher vom ersten Moment mit einem überzeugenden Standkonzept abzuholen, kann ich meine Qualität ausspielen und im Messegespräch überzeugen.

Vielen Dank, Patrick! Das ist ein schöner Abschluss. Auf der 2. Konekt Rhein-Main in Mainz am 24. Mai kann man Dich und Dein Team von bemotiv - perfekt präsentieren auch live erleben. Was werdet Ihr den Besuchern dort bieten?

Genau, dort werden wir uns quasi selbst als Kommunikations- und Messeexperten mit einem mal etwas anderen Konzept präsentieren.

Interview mit Patrick Gilles von bemotiv - perfekt präsentieren aus einer Interview-Reihe mit Merkurist

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