So könnt Ihr Obdachlosen im Winter helfen

Es wird kälter – und das kann vor allem für Menschen, die draußen schlafen, lebensgefährlich werden. Doch was kann man tun, um einem Obdachlosen auf der Straße zu helfen?

So könnt Ihr Obdachlosen im Winter helfen

2018 waren 678.000 Menschen laut einer Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Wohnungslosenhilfe in Deutschland ohne Wohnung. Auch in Rheinland-Pfalz haben Hunderte kein Dach über dem Kopf. Einige finden Unterschlupf bei sozialen oder kirchlichen Trägern, andere wiederum übernachten unter Brücken oder in Lüftungsschächten. Dabei sind die Minusgrade für die Betroffenen lebensbedrohlich. Doch es gibt einige Möglichkeiten, wie Ihr Obdachlosen im Winter helfen könnt.

Hilfe ist Pflicht

Wer nicht hilft, wenn jemand offensichtlich in Not ist, also etwa regungslos in der Kälte auf dem Boden liegt, macht sich strafbar. Die Mainzer Rechtsanwältin Jessica Hamed sagt: „Jeder Mensch ist in bestimmten Notsituationen (Unglücksfall oder allgemeiner Gefahr wie Naturkatastrophen) verpflichtet, im Rahmen des Erforderlichen und Zumutbaren Hilfe zu leisten.“ Wer keine Hilfe leistet, kann laut Hamed mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr rechnen.

Wie können Passanten konkret helfen?

Den Angaben der „Diakonie Deutschland“ zufolge ist es wichtig, die betroffenen Menschen wahrzunehmen und nachzufragen, ob und welche Hilfe notwendig ist. Wenn der Betroffene nicht ansprechbar ist, sollte der Rettungsdienst (112) gerufen werden. Laut Diakonie können alternativ Kältebusse informiert werden, die die Personen gegebenenfalls in eine Notschlafstätte bringen. „Wir verteilen bereits seit Oktober Soforthilfematerialien – Schlafsäcke, Isomatten, Winterunterwäsche“, sagt Ralf Blümlein vom Kältebus Mainz-Bingen. „Darüber hinaus geben wir über unsere Tafel Lebensmittel an die Betroffenen aus“, so der ehrenamtliche Helfer.

„Es fehlt an menschenwürdigen Übernachtungsplätzen“ – Prof. Dr. Gerhard Trabert

Die Kältebusse in Rheinland-Pfalz sind häufig sowohl tagsüber als auch in den Nächten unterwegs. Trotzdem lösen sie das Problem, einen warmen Platz für die Nacht zu finden, nicht. „Es fehlt immer noch an menschenwürdigen Übernachtungsplätzen“, sagt der Mainzer Obdachlosenarzt Prof. Dr. Gerhard Trabert. „Es gibt zu wenige Schlafplätze für wohnungslose Frauen, für wohnungslose Menschen, die einen Hund haben, für gemischtgeschlechtliche Paare und für EU-Bürger, die sich legal in Deutschland befinden“, sagt Gerhard Trabert. Als erster Vorsitzender des Vereins Armut und Gesundheit e.V. unterstützt der Mediziner obdachlose und sozial benachteiligte Menschen.

Dabei fahren er und sein Team mit dem rollenden „Arztmobil“ zu jenen Menschen, die nicht von sich aus in der Lage sind, Hilfseinrichtungen aufzusuchen. Der Mainzer Arzt rät Passanten ebenfalls, nachzufragen, ob sie etwas für die Betroffenen tun können.

Was tun, wenn Hilfe verweigert wird?

„Falls keine akute Gefährdung besteht, muss die Entscheidung des Menschen akzeptiert werden,“ so Gerhard Trabert. Auch Ralf Blümlein vom Kältebus Mainz-Bingen sagt: „Auch wenn es für Außenstehende manchmal nicht nachvollziehbar erscheint – wir müssen respektieren, wenn der obdachlose Mensch in keine Herberge will. Natürlich bemühen wir uns dann um eine adäquate Versorgung, sodass er nicht Gefahr läuft zu erfrieren. Aber unsere Angebote beruhen eben auf Freiwilligkeit.“

Hier findet Ihr Anlaufstellen und Spendenmöglichkeiten:

Mainz: „Platte“ Die Obdachloseninitiative Rheinland-Pflalz e.V. – Kältebus –0172 / 6128285

Mission Leben GmbH - „Heinrich-Egli-Haus“ – Notübernachtung – 06131 / 375050

Förderkreis Wendepunkt Mainz e.V. – Notübernachtung (nur Frauen) – 06131 / 275550

Pfarrer-Landvogt-Hilfe – Sach- und Geldspenden – 06131/224422

Hildegardhaus für Frauen und Familien – Spenden von Kinder- und Frauenkleidung

Thaddäusheim für wohnungslose Männer – Geldspenden –06131/530100

Bingen: Wohnungslosenhilfe Bingen – Notübernachtung – 06721/10885

„Platte“ Die Obdachloseninitiative Rheinland-Pfalz e.V. – Kältebus – 0172/6128282 (pk)

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