Welche Mainzer Widerstand gegen die Nazis leisteten

Mit nur 21 Jahren wurde sie mit zwei ihrer Mitstreiter hingerichtet: Sophie Scholl, berühmte deutsche Widerstandskämpferin, wäre heute 100 Jahre alt geworden. Mutige Menschen gegen das NS-Regime gab es auch in Mainz. Wer waren sie?

Welche Mainzer Widerstand gegen die Nazis leisteten

Sophie Scholl, die bekannte Widerstandskämpferin gegen die Gräueltaten der Nationalsozialisten, wäre heute 100 Jahre alt geworden. Die Gruppe „Weiße Rose“, zu der sie gehörte, war sicherlich eine der bekanntesten, aber nicht die einzige, die sich gegen die Nazis stellten. Auch in Mainz gab es solch mutige Menschen. Wir stellen euch einige von ihnen vor.

„Alle Nazis hinter Schloss und Riegel!“ Der wohl engagierteste Gegenspieler der Nationalsozialisten in Mainz war Jakob Steffan, wie Axel Ulrich im Mittelrheinisches Jahrbuch für Archäologie, Kunst und Geschichte (Jahrgang 103) schreibt. Kurz vor Kriegsende fuhr Steffan durch die ländlichen Gegenden um Mainz herum und versuchte, die Menschen zur „Gegenwehr“ zu überreden. Mit 10.000 Menschen sprach er, vor allem Militärangehörigen. Sie sollen sich mit den Amerikanern zusammentun, sobald diese die Stadt angreifen würden. Auch beim Putsch gegen Hitler im Juli 1944 war er dabei. Nach dem Ende des Dritten Reichs sorgte er als Polizeipräsident und später als rheinhessischer Regierungspräsident dafür, dass die Verantwortlichen Trümmer beseitigten und die Kanalisationsanlagen wieder reparierten. Sie sollten „wenigstens einen kleinen Teil dessen wiederaufbauen, was sie zerstört hatten“.

Der Mainzer Untergrund

Der Putsch gegen Hitler am 20. Juli war kein ausschließlich militärisches Manöver, sondern eine abgestimmte Aktion verschiedener Widerstandsgruppen. Über das Gebiet des deutschen Reiches waren verschiedene „Vertrauensstützpunkte“ aufgebaut worden, ein unsichtbares Netz bis in kleinste Orte hinein. Die Köpfe dieser Struktur waren unter anderem Carl Goerdeler und Generaloberst a.D. Ludwig Beck, nach dem später eine Straße in Hechtsheim benannt wurde. „Zentrale“ des Untergrund-Widerstands war Frankfurt am Main.

Stützpunkte in der Region gab es unter anderem in Offenbach, Darmstadt und Wiesbaden, Worms, Alsheim, Guntersblum, Oppenheim und Nierstein, Bingen und Ingelheim. Für Mainz war der Vorsitzende des Holzarbeiter-Verbands Alfred Freitag zuständig, gemeinsam mit Anton Calujek. Die Mainzer Gruppe überlegte sich nicht nur Maßnahmen, mit der sie die NS-Führungsriege ausschalten können. Sie bereitete auch einen Eisenbahnerstreik vor, als Beginn eines Generalstreiks, wenn die Militäraktion gegen Hitler erfolgreich ablaufen würde. Brisante Informationen aus dem inneren Zirkel um Hitler bekamen sie von verdeckten Verbindungsleuten innerhalb der Gestapo. So erfuhren sie etwa von geplanten Festnahmen und konnten damit bedrohte Mainzer retten – zum Beispiel den Bischof Prof. Dr. Albert Stohr.

Wäre der Putsch gelungen, hätten angeblich im Rhein-Main-Gebiet „1.000 Mann als Vorhut bereitgestanden“ behauptete damals Jakob Steffan, weitere „10- bis 15.000 Mann“ seien als „mobilisierendes Antinazi-Kontingent“ verfügbar gewesen. Erwiesen ist, dass mindestens 550 NS-Gegner im Rhein-Main-Gebiet im zivilen Untergrund des „20. Juli“ engagiert waren. Nach ihrer Festnahme begingen weder Anton Calujek noch Jakob Steffan Verrat an der Widerstandsgruppe, wie viele andere auch – selbst unter Folter. Calujek verbrachte drei Monate im KZ Dachau, Steffan wurde von der Mainzer Gestapo verhört, aber als angeblicher Verbindungsmann wieder entlassen. Danach tauchte er bei einem Kameraden unter.

Kommunisten drohten besonders harte Strafen

Besonders aktiv im Widerstand waren die Kommunisten. In Mainz und Umgebung hatten etwa zwei Drittel der damals strafrechtlich Verfolgten einen kommunistischen Hintergrund. Gegen sie gingen die Nazis besonders hart vor, mit Hausdurchsuchungen, Verhören in den SS-Folterkellern bis hin zu schrecklichen Misshandlungen und KZ-Inhaftierungen. Im September 1933 berichteten etwa Lokalmedien von einem „Schlag“ gegen die Mainzer KPD: Gefunden wurden „Bomben, Höllenmaschinen, Sprengstoff, Waffen und Munition in größeren Mengen.“ 79 Kommunisten wurden verhaftet. „Unumwunden zugestanden“ hätten die Festgenommenen, ein Attentat auf Hitler bei dessen Besuch in Mainz geplant zu haben.

Doch waren es nicht nur Gruppierungen und politisch Aktive, die Bedeutendes leisteten. Widerstand konnte auch heißen, Menschen in Not zu unterstützen, die unter dem NS-Regime zu leiden hatten. Anna Hauck etwa, die Kontakt zu Zwangsarbeiterinnen aufnahm. Wenn die Frauen sonntags auf der Ingelheimer Aue baden gingen, versorgte Hauck sie mit Lebensmitteln. Einmal schenkte sie ihnen heimlich eine Nähmaschine, damit die Arbeiterinnen für ihre Kinder Kleidungsstücke fertigen konnten.

Alle diese Aktionen waren gefährlich, viele zahlten sie mit Folter, Konzentrationslager oder dem Tod. Allein 20.000 von 300.000 KPD-Mitglieder wurden während des Dritten Reichs ermordet bzw. hingerichtet. Auch Sophie Scholl und ihre Mitstreiter zahlten ihr Engagement mit ihrem Leben: Am 22. Februar 1943 wurden Sophie und Hans Scholl sowie Christoph Probst durch das Fallbeil hingerichtet.

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