Niedrigwasser im Rhein könnte massive Auswirkungen haben

Die Sommer sind trocken und warm - und werden es künftig wohl auch bleiben. Das hat auch Folgen für die Wasserstände. Wir haben uns erkundigt, wie es um das Niedrigwasser im Rhein steht und welche Auswirkungen ein niedriger Wasserstand hat.

Niedrigwasser im Rhein könnte massive Auswirkungen haben

Wenig Niederschläge, eine hohe Verdunstung: Die warmen und trockenen Sommer führen dazu, dass Gewässer immer öfter einen niedrigen Stand haben. Weltweit fällt mehr als die Hälfte aller Flüsse mindestens einmal im Jahr trocken. Zu diesem Ergebnis kam kürzlich eine Studie von internationalen Forschern. Trifft das auch auf den Rhein zu?

„Am Ober- und Mittelrhein sind die Spätsommer- und Herbstmonate die klassische Zeit für Niedrigwasserperioden“, so Sabine Riewenherm, Präsidentin des Landesamtes für Umwelt in Rheinland-Pfalz. „Aufgrund des Klimawandels setzen Niedrigwasserextreme heute etwa vier bis acht Wochen früher ein als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts.“

In den Frühjahrs- und Sommermonaten profitiere der Rhein zwar von den Abflüssen aus den Mittelgebirgen und den Alpen, wenn der Schnee schmilzt und abfließt. Modellrechnungen ergeben jedoch, dass künftig die Abflüsse im Winter zu- und im Sommer abnehmen werden, sagt Riewenherm. „Dadurch verschärft sich die Niedrigwassersituation gerade in den Sommermonaten.“ Klimamodelle gehen zudem vor allem im Winter davon aus, dass sich die Lufttemperatur in Zukunft weiter erhöhen wird. Es wird also mehr regnen als schneien, was auch zu weniger Schnee in den Mittelgebirgen und Alpen führt. Auch das wird Einfluss auf den Rhein haben.

Weniger Wasser erwärmt sich schneller

Niedrigwasserphasen setzen nicht nur der Binnenschifffahrt zu, sondern auch der Landwirtschaft, der Energiewirtschaft und der Trinkwasserversorgung. Auch Industriebetriebe, die für ihre Produktionsprozesse Wasser benötigen, müssen sich umstellen. Große Auswirkungen hat das niedrige Wasser ebenso auf die Lebewesen im Rhein: Je weniger Wasser sich im Flussbett befindet, desto schneller erwärmt es sich. Langanhaltende Trockenheit und gleichzeitige Hitze können dafür sorgen, dass Maximaltemperaturen erreicht werden.

„Kommt zu einer Niedrigwasserphase zusätzlich eine besonders trockene und heiße Witterung, führt dies zu einer großen ökologischen Belastung der Gewässer“, so Sabine Riewenherm. „Durch die warmen Temperaturen und den niedrigen Sauerstoffanteil im Wasser steigt der Stress bei Fischen und Muscheln.“ Hinzu komme, dass es durch den niedrigen Wasserstand eng für die Tiere wird. Am Rhein ist besonders problematisch, wenn ufernahe Lebensraumstruktur trockenfällt. Fische können den Rhein nicht mehr aus Nebengewässern erreichen, was vor allem für Wanderfischarten schwierig wird. Lachse und Aale sind so kaum noch zu sehen. Der veränderte Sauerstoffgehalt führt außerdem dazu, dass Tiere und Pflanzen anfälliger für Krankheiten werden. Vor allem Muscheln sterben somit im Rhein immer mehr aus.

Letztes markantes Niedrigwasser war 2018

Das letzte markante Niedrigwasser gab es ab Juli 2018. Im Oktober war der Pegel in Mainz an seinem tiefsten Punkt angekommen, mit 122 cm der niedrigste bislang gemessene Wasserstand. Der Abfluss betrug im August noch etwa ein Drittel des monatlichen Durchschnitts. In Worms und Andernach waren die Situationen noch drastischer. Die Schifffahrt lag brach, Kraftwerke mussten gedrosselt werden.

Wie sich der Wasserstand im Rhein in diesem Jahr entwickeln wird, lasse sich nur schwer vorhersagen, sagt Milan Sell, Leiter Stabsstelle Planung und Information beim Landesamt für Umwelt. „Grundsätzlich lässt sich aber feststellen, dass das vergangene Winterhalbjahr nasser als in den Vorjahren gewesen ist. Es lag ziemlich genau im langjährigen Mittel von 1961 bis 1990 und war somit nicht besonders nass oder trocken.“ Aktuell bewege sich der Rhein auf „einem der Jahreszeit angemessenen Niveau.“

Die Forschergruppe der internationale Studie geht davon aus, dass sowohl Hochwasser als auch die Austrocknung von Gewässern weiter zunehmen werden. „Um die zukünftigen Auswirkungen des Klima- und Landschaftswandels auf diese Ökosysteme und ihre Arten verstehen zu können, müssen wir das Trockenfallen der Flüsse als einen zentralen Parameter berücksichtigen“, warnt etwa Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt am Main und einer der Autoren der Studie.

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