Mainzer Oma Rosi: So erobert sie Instagram

Rosi aus Mainz ist die vielleicht älteste Instagram-Userin der Stadt. Ihr Kanal ist voll mit detaillierten Erinnerungen aus über 80 Jahren Mainzer Stadtgeschichte. Von Krieg und Zerstörung bis zu Feiern und der ganz, ganz großen Liebe für's Leben.

Mainzer Oma Rosi: So erobert sie Instagram

Normalerweise sind es eher junge Menschen, die im sozialen Medium Instagram über Essen, Trends und ihre Urlaube berichten. Auf dem Kanal von Rosi aus Mainz (Jahrgang 1934) läuft alles ein bisschen anders: Denn Rosi berichtet nicht nur aus der Gegenwart, sondern nach einem bis jetzt schon bewegten Leben auch aus der Vergangenheit. Wie waren die wilden Siebziger in Mainz? Wie war es für sie als Frau, Ende der Vierzigerjahre eine Ausbildung zu absolvieren? Rosi berichtet darüber auf ihrem Kanal. Unterstützung erhält sie dabei von ihrer Familie.

„Ich hätte damit nie angefangen, wenn meine Enkelin Paula mich nicht ermutigt hätte“, erklärt Rosi im Gespräch mit Merkurist. Und Paula ergänzt: „Wir reden gerne in der Familie und finden es immer spannend, was Oma zu sagen hat. Sie hat so viel zu erzählen, erinnert sich noch so genau – diese Chance sollten noch mehr Mainzer bekommen.“ So kam die Familie auf die Idee, dass aus Oma Rosi doch auch Insta-Oma Rosi werden könnte. Seit Mitte Juli ist der Account online und die ersten Fragen ihrer bislang mehr als 150 Follower konnte Rosi schon beantworten.

1958: Rosi findet die Liebe für’s Leben

Was Enkelin Paula gefällt: „Obwohl ich Oma schon so viele Fragen gestellt habe, kommen aus der Community immer wieder neue Fragen an sie. Ich denke dann oft: ‘stimmt, das würde mich auch interessieren.’“ Rosi selbst machen die Auftritte vor der Kamera Spaß, wie sie sagt.

Ihre Inhalte sind dabei nicht nur Schön-Wetter-Content: Als Kind erlebte sie den Krieg hautnah mit und auch Jahre nach Kriegsende lagen Teile von Mainz noch in Trümmern – auch davon berichtet sie den meist jungen Followern. Die schönen Geschichten kommen bei ihr aber auch nicht zu kurz, so postete sie zum Beispiel kürzlich ein Foto aus dem Jahr 1958. Genauer gesagt: Vom Ball am Abend des Fastnachtsdienstags 1958 im Kurfürstlichen Schloss – einem der wichtigsten Abende in Rosis Leben. „An diesem Abend habe ich meinen späteren Mann Bruno kennengelernt.“ Mit ihm ist Rosi nun schon seit mehr als 60 Jahren verheiratet. Fastnacht feiern die beiden nicht mehr so wild wie noch vor einigen Jahren, die Sitzungen der „Bohnebeitel“ oder „Mainz bleibt Mainz“ verfolgen sie aber vom Sofa aus noch gerne, wie Rosi berichtet.

Mehr als 40 Jahre lang arbeitete Rosi als Verkäuferin in einem Mainzer Modegeschäft, war immer unter Leuten, hörte einige Geschichten und erlebte noch viele mehr selbst. Sie und Bruno gründeten eine Familie, zogen in den Siebzigern nach Finthen, als der Mainzer Stadtteil noch viel ländlicher als heute war. Rosi tanzte und lachte im Café Münstertor (am Münsterplatz) oder auf dem schwimmenden Rheinlokal „Arche Noah“. Dass sie sich noch an so viele wichtige Orte und Momente ihres Lebens erinnern kann, darüber freut sich Rosi und sagt: „Ja, ich kann mich an ausgesprochen viel erinnern und sehe das als großes Glück an, auch wenn viele Erinnerungen sehr hart sind.“

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