Mr. Gay Germany: Das kommt jetzt auf Enrique zu

Seit Sonntagmorgen ist Mainzer Enrique Doleschy offiziell „Mr. Gay Germany 2018“. Wie hat er den Sieg erlebt? Und was erwartet ihn jetzt? Wir haben mit ihm gesprochen.

Mr. Gay Germany: Das kommt jetzt auf Enrique zu

Am schlimmsten sei die Sport-Challenge gewesen: „Mehr als die Hälfte war kurz vor dem Kollaps. Ich glaube zwei sind ohnmächtig geworden. Insgesamt hat sie vier Stunden lang gedauert.“ So beschreibt Enrique Doleschy aus Mainz eine der Herausforderungen auf dem Weg zum Titel bei den Mr. Gay Germany-Wahlen. Ansonsten lief es für ihn aber offensichtlich sehr gut: Einen Tag später, am vergangenen Samstag, wurde er als „sehr eindeutiger Gewinner“ der Wahlen gekürt.

„Ich glaube zwei sind ohnmächtig geworden.“ - Enrique Doleschy, Mr. Gay Germany 2018

Nach der Vorrunde war Enrique einer von sieben Kontrahenten, die in das Finale des Wettbewerbs einzogen. Und dort war der Sporttest nicht die einzige Herausforderung: Am Freitag mussten sie den Wissenstest auf Englisch meistern, am Samstag stand schließlich die Präsentation der Kampagnen im Fokus. „Jeder hatte 20 Minuten Zeit für die Präsentation und dann nochmal 20 Minuten, in denen man seine Kampagne gegen Fragen aus der Jury verteidigen musste.“ Bei sieben Kandidaten habe das alleine fünf Stunden gedauert.

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Große Pläne für die Amtszeit

In Enriques Kampagne The Silver Side of the Rainbow geht es besonders darum, ältere Menschen beim Coming Out zu unterstützen. „Manche Menschen stehen in der Situation schon kurz vor dem Selbstmord, bevor sie sich outen würden“, erklärt Enrique ernst, denn seit seiner Kandidatur habe er sich sehr mit dem Thema auseinandergesetzt und auch mit Leuten gesprochen, die bereits in der Situation waren. „Wenn man schon fertig ist mit der Ausbildung, einen festen Partner und eine Familie hat, oder sogar schon im Seniorenalter ist, dann ist es viel schwieriger, Anschluss in der Community zu finden.“

Für die nächsten zwölf Monate kann Enrique nun seinen Titel nutzen, um mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. „Das wird ein sehr turbulentes Jahr“, sagt er lachend. Obwohl sein Titel ehrenamtlich ist, wird von ihm eine hohe Medienpräsenz erwartet: unter anderem auch Reden vor Tausenden von Menschen bei Christopher Street Day-Paraden. „Ich zittere schon, wenn ich nur daran denke - aber nicht nur vor Aufregung: Ich freu mich da auch sehr drauf.“ Denn selbst nach seiner Amtszeit will er sich weiter der Kampagne widmen. „Das tollste wäre natürlich, wenn ich zusammen mit sieben oder acht Helfern einen Verein gründen könnte.“

„Das wird nochmal ein ganz anderes Kaliber.“ - Enrique Doleschy, Mr. Gay Germany 2018

Seinen eigentlichen Beruf als Finanzberater will er dadurch aber nicht vernachlässigen: „Natürlich will ich meine Kunden da auch nicht enttäuschen. Ich möchte schon Mr. Gay Germany sein und der schwule Finanzberater.“ Dabei könnte es noch viel turbulenter für ihn werden, denn als Mr. Gay Germany ist er automatisch für die Mr. Gay World-Wahlen im April 2018 und für die Mr. Gay Europe-Wahlen im August qualifiziert. „Das wird nochmal ein ganz anderes Kaliber.“ Auch da wird er seine Kampagne präsentieren, genauso wie in zwei Wochen auf einer offiziellen Pressekonferenz mit bundesweiten Medien.

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Der Bruder zu Tränen gerührt

Spätestens seit dem Wochenende dürfte Enrique die Aufmerksamkeit gewohnt sein. Zum Finale in Köln waren auch sein Vater, dessen Freundin, sein kleiner Bruder und einige Schulfreunde und Bekannte mit dabei. „Da ging alles so rasant auf einmal“, beschreibt er den Abend. „Der Veranstalter hat mir im Nachhinein erzählt, dass mein Bruder sogar angefangen hat zu weinen, als mein Sieg feststand“, erzählt Enrique gerührt. „Das war das Schönste: dass meine Familie dabei war.“

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