So reagiert die Stadt nach Stürzen im Volkspark

Zwei schwere Unfälle in drei Monaten: An der Grillstelle im Volkspark stürzten in kurzer Zeit zwei junge Menschen fünf Meter in die Tiefe und verletzten sich schwer. Die Stadt sieht keine Schuld, reagiert jetzt aber.

So reagiert die Stadt nach Stürzen im Volkspark

Diese beiden Unfälle machten viele Merkurist-Leser betroffen: Alexander (19) und Desirée (19) verletzten sich im Sommer an unterschiedlichen Tagen im Mainzer Volkspark schwer. Im Mai fiel Alexander an einer Mauer an der Grillstelle fünf Meter in die Tiefe. Er ist seitdem auf einem Ohr taub, hat Gleichgewichtsprobleme, einen dauerhaften Tinnitus und seinen Geschmacks- und Geruchssinn verloren (wir berichteten).

Im August stürzte Desirée (19) an derselben Stelle ebenfalls fünf Meter tief und auch sie hat noch mit den Spätfolgen zu kämpfen: Ein Wirbel war gebrochen, ihre Fersen zertrümmert. Fast vier Monate musste sie im Rollstuhl sitzen, jetzt lernt sie in der Reha wieder zu laufen (wir berichteten). Die Fälle weisen verblüffende Parallelen auf: Beide jungen Menschen wollten in die Büsche gehen, stiegen über eine kleine Mauer, rutschten aus und fielen an der fünf Meter hohen Stadtmauer runter. Das Problem: Im Dunkeln ist kaum zu erahnen, wie gefährlich die Stelle ist. Man sieht nur den etwa vier Meter langen und mäßig steilen Abhang, bevor es senkrecht nach unten geht.

So reagiert die Stadt

Beide Fälle wurden erst Ende des Jahres öffentlich, nachdem sich Alexanders Mutter Claudia an Merkurist gewandt hatte. Alexanders Anwalt Ruben Goldmann wirft der Stadt eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht vor und forderte sie in einem Schreiben auf, eine Absturzsicherung oder Hinweisschilder anzubringen. Der Haftpflichtversicherer der Stadt sieht dagegen eine Pflichtverletzung „völlig eindeutig“ nicht.

Dennoch reagiert die Stadt jetzt. „Der Unfall des jungen Mannes im Sommer 2019 im Umfeld der Grillstelle im Volkspark ist ein sehr tragisches Ereignis“, sagt Stadt-Pressesprecher Marc André Glöckner gegenüber Merkurist. Die Prüfung des städtischen Versicherers habe ergeben, dass keine Pflichtverletzung der Stadt und keine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht vorliegen. Aber: „Unabhängig davon haben wir vor Ort provisorisch Bauzäune mit Hinweisen auf die Absturzgefahr aufgestellt. Im Frühjahr werden dann feststehende Schilder installiert werden.“

Dem vorausgegangen war Ende November ein Gespräch zwischen Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) und Alexanders Mutter Claudia. Sie sagt: „Das Gespräch war sehr gut. Er signalisierte uns, dass es auch in seinem Interesse wäre, die Angelegenheit so schnell wie möglich zu erledigen, da es ja für Alexander und mich nicht gut wäre, wenn sich das alles in die Länge zieht.“ (df)

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