Warum Teile des Lennebergwalds immer noch gesperrt sind

Seit dem Sommer 2020 ist im Lennebergwald ein großes Areal für Jogger und Spaziergänger gesperrt. Doch wann wird eine Öffnung des Wegs in Aussicht gestellt? Wir haben mit dem Förster gesprochen.

Warum Teile des Lennebergwalds immer noch gesperrt sind

Ausgerechnet im „Corona-Sommer“, als weite Teile der Bevölkerung sich die Zeit mit Waldspaziergängen und Treffen im Freien vertrieb, musste der Revierförster des Lennebergwalds, Stefan Dorschel, eine eigentlich „undenkbare“ Entscheidung treffen, wie er im Rückblick sagt: Einen der beliebtesten Waldwege der Mainzer für die Besucher in der Nähe des Lennebergturms sperren.

Der Grund: Die Bäume, vor allem Buchen, hatten durch die trockenen und heißen Sommer immense Schäden davongetragen. „Es waren sehr viele Buchen in der Krone abgestorben. Das heißt: In rund 25 Metern Höhe streckten sich tote Äste in den Himmel, die beim kleinsten Windstoß jederzeit zu Boden fallen und Waldbesucher in Lebensgefahr bringen könnten“, so Dorschel. Eine Gefahr, die nicht von der Hand zu weisen sei: „Immer wieder gibt es schwere sowie tödliche Unfälle bei der Waldarbeit durch herabfallende Äste.“ Von außen ersichtlich war der Schaden an den Buchen kaum. Denn auf etwa drei bis fünf Metern Höhe hatten sie noch ausgetrieben.

Einzige Alternative: Die Hälfte der Bäume fällen

Einzige Alternative war es, die betroffenen Bäume zu fällen. Dann allerdings hätte etwa ein Drittel, vielleicht sogar die Hälfte der Bäume, in einer Breite von 50 Metern entfernt werden müssen. Durch das dazu notwendige schwere Gerät hätte es höchstwahrscheinlich „Kollateralschäden“ gegeben: Die anderen Bäume wären teilweise zerstört worden, vor allem junge Bäume hätten gelitten.

Also entschied man sich eben für das „Undenkbare“ - die Sperrung des Bereichs. Obwohl ausgerechnet dieser Teil des Waldes besonders beliebt ist bei Wanderern und Joggern. „Wir haben also in einem Erholungswald mit rund einer Millionen Besucher den schönsten und (noch) schattigsten Teil der Joggingstrecke, die auch von vielen anderen Waldbesuchern genutzt wird, gesperrt“, so Dorschel. Die Joggingstrecke und der Kleine Mainzer Höhenweg musste mitsamt der Treppe zum Lennebergturm umgeleitet werden. Insgesamt wurden 20 Hektar Wald gesperrt. Darüber sprach der Förster vorher mit dem Budenheimer Bürgermeister, mit Behörden, Läufern und dem Wegewart vom Alpenverein.

Den Waldpfad hat sich die Natur zurückgeholt

„Mittlerweile haben sich die Waldbesucher unserem Eindruck nach an die Situation gewöhnt und sie – sicher zum Teil auch zähneknirschend – akzeptiert“, berichtet Dorschel. Inzwischen liegen etliche abgestorbene Bäume auf den Pfaden, Wildschweine haben alles umgegraben. Der seltene Schwarzspecht hat Höhlen ins Totholz gebaut. Auch zahlreiche Fledermäuse haben sich angesiedelt. „Dennoch werden wir immer wieder gefragt: ‘Wann macht ihr wieder auf?’“, sagt Dorschel.

„Neben Buchen sterben leider auch Eichen und Linden ab, stürzen um, und an den Stellen, an denen mehr Licht auf den Boden kommt, wachsen junge Bäume nach“ - Revierförster Stefan Dorschel

Maximal sieben Jahre lang wird er noch Revierförster im Lennebergwald sein. „In dieser Zeit wird die Öffnung von Wegen auf gar keinen Fall möglich sein, wahrscheinlich noch lange darüber hinaus, vielleicht auch gar nicht“, sagt er nüchtern. Abhängig sei das von der natürlichen Waldentwicklung. Dieser Prozess gehe schneller als gedacht, so Dorschel: „Neben Buchen sterben leider auch Eichen und Linden ab, stürzen um, und an den Stellen, an denen mehr Licht auf den Boden kommt, wachsen junge Bäume nach.“

Der Lennebergwald als Forschungsareal

Im Sommer 2021 stellten Mitarbeiter der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) fest: Das Ausmaß der Schäden im Lennebergwald ist so massiv wie sonst nirgends in Rheinland-Pfalz. Inzwischen ist der gesperrte Bereich daher zur Untersuchungsfläche geworden. Erforscht werden soll hier das inzwischen weit verbreitete Buchensterben.

Seitdem werden die geschädigten Buchen sowohl vom Boden als auch mit Drohnen von der Luft aus untersucht, ebenso die natürliche Verjüngung, der Wildverbiss daran und das Totholz. Bodenfeuchtigkeitsmessgeräte wurden in verschiedenen Tiefen eingebaut, Niederschläge werden aufgefangen, gemessen und analysiert. Wissenschaftler der Universitäten Mainz und Trier sind beteiligt, außerdem andere forstliche Forschungsanstalten und die Senckenberg-Gesellschaft.

Indes hofft der Förster dennoch auf einen Fortbestand der Buche im Lennebergwald: Während die alten Bäume keine tiefen Wurzeln entwickelt hatten, könnten die nun heranwachsenden wegen des veränderten Klimas tiefer wurzeln und nicht mehr so groß wachsen - also nur noch etwa 15 bis 20 Meter groß werden. „Das würde die Wasserversorgung der Baumkrone erleichtern“, so Dorschel.

Weitere Waldstücke, so ist sich der Förster sicher, sollen aber nicht gesperrt werden, zumindest nicht dauerhaft.

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