Schwerer Vorwurf: Mainzer Hotel-Chef wehrt sich

Eine Musikerin und eine Influencerin erheben in sozialen Medien Vorwürfe gegen den Geschäftsführer des Mainzer Hotels „Havana“. Im Gespräch mit Merkurist wehrt dieser sich gegen den Vorwurf, die beiden Frauen hinausgeworfen zu haben.

Schwerer Vorwurf: Mainzer Hotel-Chef wehrt sich

Update vom 29.Juli: Das Landgericht Frankfurt hat am 15. Juli eine einstweilige Verfügung erlassen. Demnach wird es der Musikerin Wilhelmine Schneider und der Influencerin Alexa Grassmann untersagt, den unwahren Eindruck zu erwecken, Darvishi habe sie „aufgrund einer homosexuellen Orientierung aufgefordert, das Hotel zu verlassen“. Zu unterlassen sei außerdem die Aussage in dem Begleittext zum Video: „Kein Hotelinhaber sollte in einer intimen Situation Hotelgäst*innen belauschen und mit einem ‘Was machen Sie da?’ gegen Einverständnis ins Zimmer eindringen. Ich wurde weggedrängt, er hat seinen Fuß in die Tür gestellt, gesagt wir sollen gehen. War aggressiv und laut.“ Mittlerweile wurde das Video gelöscht. Weitere Infos gibt es hier.

Die Berliner Musikerin Wilhelmine Schneider und die Influencerin Alexa Grassmann sind sehr bekannt auf Instagram, haben dort zusammen mehr als 200.000 Follower. In ihren Profilen posten sie Statements für Toleranz und zeigen sich als Paar. An diesem Freitag haben beide Frauen nun ein Video veröffentlicht, das hohe Wellen schlägt. Sie erheben darin schwere Vorwürfe gegen den Geschäftsführer des Mainzer Hotels „Havana“ in der Rheinstraße.

Unter dem Video ist zu lesen: „Kein Hotelinhaber sollte in einer intimen Situation Hotelgästinnen belauschen und mit einem ‘Was machen Sie da?’ gegen Einverständnis ins Zimmer eindringen. Ich wurde weggedrängt, er hat seinen Fuß in die Tür gestellt, gesagt wir sollen gehen. War aggressiv und laut.“ Darunter ist das Emoji eines gebrochenen Herzens zu sehen, es folgt die Aussage: „Wir sind stark“.

Das Video selbst zeigt eine aufgewühlte Wilhelmine Schneider, die in die Kamera sagt: „Wir sind leider gerade ein bisschen schockiert. Wir sind in Mainz, in einem Hotelzimmer und haben hier leider eine homophobe Erfahrung gemacht.“ Das Paar müsse nun das Hotelzimmer verlassen, sagt Schneider weiter. Der Hotelinhaber habe versucht, mit dem Schlüssel in das Zimmer der beiden Frauen zu gelangen. „Ich dachte irgendwie, die Zeit ist vorbei“, sagt Schneider. Anschließend hört man noch einen kurzen Ausschnitt einer Diskussion mit dem Hotel-Geschäftsführer im Treppenhaus. Während offenbar ein Bekannter der beiden Frauen sie aus dem Hotel begleitet, hört man Darvishi sagen, er habe mehrfach an die Tür geklopft.

Warum der Vorfall homophob gewesen sein soll, führt die Sängerin nicht weiter aus. Auch eine Merkurist-Anfrage an Wilhelmine Schneider über Instagram blieb bisher unbeantwortet.

Influencer solidarisieren sich

In den Kommentaren solidarisieren sich dennoch viele User mit den beiden Frauen. Influencerin Diana zur Löwen schreibt: „Das tut mir so leid! Ich kann das einfach nicht verstehen. Ganz viel Kraft euch!“ und Jolina Mennen, ebenfalls Influencerin, kommentiert: „Hotel direkt dichtmachen!!!“ Der Berliner Journalist Sascha Lobo fragt unter dem Beitrag: „Welches Hotel ist das? Würde es gern bewerten, auch zur Warnung für Dritte.“ Auf diese Idee kamen offenbar auch andere User: Allein am Freitag wurden Hunderte schlechte Google-Bewertungen verteilt.

Am Freitagnachmittag trifft Merkurist „Havana“-Geschäftsführer Delkhosh Darvishi. Der wiederum ist selbst getroffen von dem Vorfall, der sich laut seiner Aussage am Mittwoch ereignet hat. Darvishi erklärt den Vorfall gegenüber Merkurist so: Begonnen habe alles mit dem Anruf eines auswärtigen Musikers, der sich im Hotel „Havana“ für den Nachmittag ankündigt hatte. Laut Darvishi wollte der Musiker die Nacht im Hotel verbringen, weil er am Abend ein Konzert in Mainz gab. „Der Mann war sehr nett am Telefon, es gab und gibt mit ihm bis heute auch kein Problem“, sagt Darvishi weiter.

Hotelzimmer war offenbar nur für eine Person gebucht

Am Nachmittag sei dann der Musiker schließlich im Hotel eingetroffen. Weil Darvishi zu diesem Zeitpunkt selbst nicht da war, nahm ein Hotelmitarbeiter ihn in Empfang. Der Musiker war allerdings nicht alleine, sondern in Begleitung von zwei Frauen, bei denen es sich offenbar um Schneider und Grassmann handelte. Das Zimmer hatte der Musiker laut Darvishi allerdings nur für sich selbst gebucht. Er habe den Hotel-Mitarbeiter aber gefragt, ob die beiden Frauen kurz im Zimmer duschen könnten. Darvishi sagt: „Das war überhaupt kein Problem. Wir sind da kulant. Mein Mitarbeiter hat ihnen noch frische Handtücher gegeben.“ Der Musiker sei dann weggegangen, die beiden Frauen blieben allein im Zimmer.

Aus dem „kurz Duschen“ seien dann aber eineinhalb Stunden geworden. Darvishi sei mittlerweile selbst im Hotel angekommen und von seinem Mitarbeiter informiert worden, dass sich die beiden Frauen womöglich noch im Zimmer befänden. „Deshalb wollte ich nachprüfen, ob sie noch da sind. Es gibt eine Meldepflicht für Gäste“, sagt er. „Wenn das Gebäude zum Beispiel evakuiert werden muss, müssen wir wissen, wie viele Gäste sich darin befinden.“ Darvishi weiter: „Von mir aus hätten die Damen auch noch länger bleiben können, das wäre überhaupt kein Problem gewesen.“

Drohte Musikerin mit negativen Bewertungen im Netz?

Darvishi sei dann die Treppe zum Zimmer hochgegangen. Das Licht im Zimmer sei aus gewesen, so viel habe er von außen erkennen können. „Ich habe mehrfach geklopft, aber im Zimmer war nichts zu hören. Deshalb bin ich davon ausgegangen, dass die beiden schon weg sind“, sagt er. Nun habe er mit dem Generalschlüssel die Zimmertür öffnen wollen. „Als ich den Schlüssel gerade herumgedreht habe, wurde sofort die Tür aufgerissen. Eine der beiden Frauen war sehr aggressiv und fragte mich, wer ich sei und was ich dort machen würde.“ Darvishi habe erklärt, dass er der Geschäftsführer ist und wissen wolle, wie lange die Frauen noch bleiben möchten. Daraufhin habe sie die Zimmertür zugeknallt. „Anstatt dankbar zu sein, dass wir sie unangemeldet aufgenommen und sie auch noch mit Handtüchern versorgt haben, wurde ich aggressiv angegangen“, sagt Darvishi.

Eine der Frauen habe zudem gedroht, negative Bewertungen über das Hotel zu posten und die Geschichte über Social Media an die große Glocke zu hängen. Darvishi habe daraufhin gedroht, die Polizei zu rufen, die laut seinen Aussagen letztlich aber nicht hinzugezogen wurde. Schließlich hätten die Frauen in Begleitung eines Mannes das Hotel verlassen.

„Woher hätte ich denn überhaupt wissen sollen, dass sie ein lesbisches Paar sind?“

Noch am selben Tag habe Darvishi den Musiker angerufen, der das Zimmer eigentlich gebucht hatte. Dieser hatte sich laut dem „Havana“-Chef von den Frauen distanziert und erklärt, dass es sich offenbar um ein Missverständnis gehandelt haben muss.* Doch zwei Tage später, am heutigen Freitag, posteten die beiden Frauen auf ihren Instagram-Kanälen das Video. Seitdem werde Darvishi immer wieder angerufen, teils anonym. „Ich werde beleidigt, mir werden wirklich schlimme Dinge vorgeworfen“, so der Hotel-Geschäftsführer. „Ich bin selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Warum sollte ich andere ausgrenzen? Der Vorwurf, dass ich homophob wäre, ist absurd.“

Außerdem sagt Darvishi: „Ich kannte die beiden Frauen überhaupt nicht, bin ihnen das erste Mal an der Zimmertür begegnet. Woher hätte ich denn überhaupt wissen sollen, dass sie ein lesbisches Paar sind?“ Er selbst sei über die Vorwürfe „schockiert und entsetzt“, sagt Darvishi. Er überlegt nun, sich mit Hilfe eines Anwalts gegen die schweren Vorwürfe zu wehren. „Wenn ich nicht reagiere, werde ich weiter beschimpft und in den Dreck gezogen.“

Musiker meldet sich bei Merkurist

Nach der Veröffentlichung des Artikels hat sich der im Text erwähnte Musiker bei der Merkurist-Redaktion gemeldet. Er möchte namentlich nicht genannt werden und bestreitet, sich von Wilhelmine Schneider und Alexa Grassmann distanziert zu haben. Er könne die Situation nicht beurteilen, weil er sie persönlich nicht erlebt hat, habe sich nach dem Vorfall aber entschieden, nicht im Hotel „Havana“ zu übernachten. Weiter gibt er an: „Herr Darvishi hat sich im Telefonat für das Öffnen der Tür entschuldigt, aggressives Verhalten und einen homophoben Hintergrund aber vehement bestritten. Ich hab ihn darauf hingewiesen, dass sich seine Sicht auf die Vorfälle grundlegend von der der beiden Frauen unterscheidet. Und habe angeboten einen Vermittlungsversuch zu unternehmen.“

Sobald eine Antwort von Wilhelmine Schneider vorliegt, reichen wir diese nach.

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