4 Heldengeschichten aus Mainz

Ein Busfahrer hilft einem Blinden über die Straße, ein Gastronom wird zum Lebensretter und ein Vater macht seiner schwerkranken Tochter ein besonderes Geschenk – diese Mainzer wurden im Alltag zu Helden.

4 Heldengeschichten aus Mainz

Sie sind weder berühmt noch haben sie Superkräfte, aber im Kleinen haben sie Großes geleistet. Merkurist stellt in einer neuen Serie Mainzer vor, die im Alltag zu Helden wurden. In unserem ersten Teil haben wir Euch bereits vier Geschichten vorgestellt, hier sind weitere Mainzer, die zu Helden wurden.

Busfahrer mit rührender Aktion

Mainz im Sommer 2016: Wegen der Arbeiten zur neuen Mainzelbahn-Strecke befanden sich zwischen Hauptbahnhof und Lerchenberg noch viele Baustellen. So auch in der Hindemithstraße. Genau an dieser Baustelle beobachtete eine Merkurist-Leserin im Juli 2016 von ihrem Auto aus etwas sehr Berührendes.

An einem provisorischen Übergang, der über die Gleise führte, stoppte plötzlich ein Busfahrer vor ihr, schaltete die Warnblinklichter ein – und stieg aus. Der Grund: Ein blinder Mann hatte versucht, über den Gleisübergang zu gehen, fand diesen aber nicht und ging wieder zurück. Der Busfahrer lief dem Mann hinterher, als er ihn einholte, redeten die beiden kurz miteinander. Der blinde Mann hakte sich bei dem Fahrer ein, der ihn dann sicher über die Straße führte. Die Leserin war gerührt: „Ich habe im Auto angefangen zu weinen.“

Einige Tage danach konnte Merkurist den Busfahrer ausfindig machen: Es war der damals 50-jährige Hasan Seker. „Das, was ich getan habe, sollte doch selbstverständlich sein“, blieb Seker selbst bescheiden. Hier könnt Ihr die ganze Geschichte aus seiner Sicht nachlesen:

Flüchtling sorgt für Weihnachtswunder

Kurz vor Weihnachten 2017 verlor die Mainzerin Sylvia an der Haltestelle Zwerchallee ihre Tasche. Als sie in die Straßenbahn einstieg, bemerkte sie, dass sie dieses auf dem Sitz liegen gelassen hatte. „Das war eine halbe Katastrophe, da war ja quasi mein ganzes Leben drin“, sagte sie später gegenüber Merkurist. Geldbeutel, Fahrkarte, Kreditkarten, Tabak, sämtliche private und geschäftliche Schlüssel – alles weg. Als sie wieder zur Haltestelle zurückkehrte, war die Tasche schon weg. Auch ein Anruf bei der Mainzer Verkehrsgesellschaft brachte keinen Erfolg. „Da habe ich gedacht, die kriege ich nie wieder“, so Sylvia.

Als Sylvia die Hoffnung schon aufgegeben hatte, klingelte plötzlich ihr Handy. „Die Stiftung Juvente hat mich angerufen und mir gesagt, dass im Flüchtlingsheim in der Zwerchallee eine Tasche für mich abgegeben wurde“, so Sylvia gegenüber Merkurist. Ein 60-jähriger Bewohner aus Syrien hatte die Tasche abgegeben. Sylvia bedankte sich persönlich bei dem Mann, wollte ihm einen Finderlohn von 80 Euro geben. Doch der Syrer und seine Frau wollten das Geld nicht annehmen. „Ich habe der Frau dann übersetzen lassen, dass ich das unbedingt möchte.“

Sylvia war überglücklich, dass sie ihre Tasche wieder bekam. „Es war wie ein kleines Weihnachtswunder, damit hätte ich nicht mehr gerechnet.“ Obwohl der Finder selbst nur sehr wenig habe, sei es für ihn selbstverständlich gewesen, die Tasche sofort abzugeben und nach der Besitzerin zu suchen. „Daran sieht man, dass Vorurteile gegen Flüchtlinge totaler Quatsch sind.“

Gastronom wird zum Lebensretter

Im Sommer 2017 rettete ein Gastwirt seinem 79-jährigen Stammgast womöglich das Leben. Dieser hatte in der Kneipe Kreislaufprobleme bekommen, aber auf medizinische Hilfe verzichtet. In den Tagen danach kam der Gast nicht mehr in die Kneipe, obwohl er sonst nahezu täglich dort war.

Der Gastwirt verständigte die Polizei. Die Beamten stellten vor Ort fest, dass der Briefkasten schon einige Tage nicht mehr geleert worden war und der Fernseher oder das Radio lief. Da auf mehrfaches Klingeln und Klopfen niemand reagierte, öffnete die Berufsfeuerwehr die Tür. Der 79-Jährige lag nach einem Sturz hilflos in der Wohnung. Er wurde in ein Mainzer Krankenhaus gebracht und musste dort für einige Zeit stationär behandelt werden.

Vater schmückt Haus für schwerkranke Tochter

Seit Jahrzehnten ist das Haus der Ebersheimer Familie Blankenberger im Dezember ein echter Blickfang. Denn der Familienvater schmückt sein Haus für die Weihnachtszeit mit hunderten Lichterketten. Der Grund dafür ist rührend: Die Familie will mit dieser Aktion ihrer im Wachkoma liegenden Tochter einmal im Jahr eine Freude bereiten.

Auf die grellen und bunten Lichter reagiert die Tochter besonders. Das stellte Blankenberger das erste Mal vor fast 30 Jahren fest. „Man hat gesehen, dass sich ihr Gesichtsausdruck verändert hat. Man konnte irgendwie spüren, dass ihr die Lichter gefallen.“ (pk)

Logo