Mainz plant neue Hightech-Toiletten

Die Stadt Mainz will ihre öffentlichen Toiletten modernisieren. Eine neue, selbstreinigende Technik soll kommen. Über die Fassaden der Anlagen wird noch gestritten.

Mainz plant neue Hightech-Toiletten

Die Stadt Mainz plant die Modernisierung ihrer öffentlichen Toiletten. An zunächst vier Standorten sollen neue, selbstreinigende Anlagen entstehen. Während die technische Entscheidung bereits gefallen ist, wurde über die äußere Gestaltung am Mittwoch (15. April) im Planungs- und Gestaltungsbeirat der Stadt noch diskutiert.

Wie Michael Paulus vom Wirtschaftsbetrieb Mainz vorstellte, hat man sich nach einer Ausschreibung für eine Technologie der niederländischen Firma Sanitronics entschieden. Das System namens „Revolving Toilet“ nutzt zwei Toilettenschüsseln, die sich abwechseln. Während eine benutzt wird, rotiert die andere in einen separaten Technikraum, wo sie gereinigt und getrocknet wird. Auch der Boden wird in 20 Sekunden automatisch gesäubert.

Die ersten vier Standorte für die neuen Unisex-Toiletten sind bereits festgelegt. Drei bestehende Anlagen am Rheinufer nahe des Hilton Hotels, am Bonifaziusplatz und in der Grünanlage an der Breiten Straße in Gonsenheim sollen erneuert werden. Eine komplett neue Toilette ist am Wasserspielplatz im Volkspark geplant. Die Nutzung soll weiterhin kostenlos bleiben.

Diskussionen um Design

Für Diskussionen sorgte im Beirat die Fassade der neuen Anlagen. Der Wirtschaftsbetrieb stellte verschiedene Optionen vor, von Cortenstahl über Glas bis hin zu Holzoptik. Die grundsätzliche Form als „simple Kiste“ stieß jedoch auf Widerstand. „Uns ist es wichtig, dass es ein Toiletten-Haus ist, also einen Sockel und ein richtiges Dach hat“, merkte ein Mitglied des Gremiums an. Es dürfe keine „Container-Optik“ entstehen.

Man war sich einig, dass die Gestaltung das Stadtbild wesentlich prägt. Professor der Architektur Amandus Samsøe Sattler formulierte den Anspruch, dass die Konstruktion „etwas Erhabeneres als eine Kiste“ sein müsse und nicht wie „vom Kran abgesetzt“ wirken dürfe. Ilona Mende-Daum, stellvertretende Ortsvorsteherin der Altstadt, zeigte sich vom ersten Entwurf sogar „entsetzt“ und betonte, wie wichtig eine ansprechende Gestaltung sei.

Hohe Kosten und weitere Planungen

Während die einen für ein einheitliches Design plädierten, um einen Wiedererkennungswert zu schaffen, sprachen sich andere für eine individuelle Anpassung an die jeweilige Umgebung aus. Die Fassadengestaltung müsse als nächster Schritt festgelegt werden, damit die Baugenehmigungen für die vier Standorte beantragt werden könnten.

Die Kosten für eine solche Anlage belaufen sich auf einen sechsstelligen Betrag, so Paulus gegenüber Merkurist. Im Landkreis Oldenburg kostete beispielsweise eine Ausführung der Sanitronics-Toiletten mit Holzverkleidung und begrüntem Dach 115.000 Euro. Die Stadt Mainz schätzte die Kosten für das gesamte Vorhaben inklusive zusätzlicher Toiletten-Standorte ursprünglich auf 4,6 Millionen Euro.

Insgesamt gibt es in Mainz 26 öffentliche Toiletten. Laut Paulus können nicht alle mit dem neuen System ausgestattet werden, da es sich nicht immer um freistehende Häuschen handele. Fest verbaute Anlagen, wie die an der Treppe am Marktplatz, müssten auf andere Weise saniert werden. Ziel ist es nichtsdestotrotz nach und nach jede Anlage zu sanieren und neue zu bauen. Einen festgelegten Zeitrahmen gebe es dafür nicht. Auch eine konkrete Finanzierung stehe noch aus.