So lief die Mission des Mainzer Arztes Trabert auf dem Mittelmeer

13 Tage lang war der Mainzer Arzt Gerhard Trabert mit der Gesellschaft ResQship im Mittelmeer unterwegs, um nach Bootsflüchtlingen Ausschau zu halten. Was er dabei erlebt hat.

So lief die Mission des Mainzer Arztes Trabert auf dem Mittelmeer

Vom 22. Juli bis zum 3. August war der Mainzer Arzt Gerhard Trabert mit dem Verein „ResQship“ im Mittelmeer unterwegs. Begleitet wurde er unter anderem vom Altenpfleger Tobias Streer, der wie auch Trabert in den Vereinen „Armut und Gesamtheit“ und „ResQship“ aktiv ist. Bei dem Einsatz im Mittelmeer wollte das Team nach Bootsflüchtlingen Ausschau halten und im Notfall erste Hilfe leisten. Was die beiden dabei erlebten, erzählten sie am Freitag auf einer Pressekonferenz in Mainz.

„Realität ist, dass Menschen sterben“

Und gleich zu Beginn des Einsatzes erhielt die Crew von den Beobachtungsflugzeugen „Moonbird“ und „Colibri“ einen Hinweis, dass ein Boot mit 40 Flüchtlingen auf dem Meer unterwegs sei. Er und sein Team hätten sich dann sofort auf den Weg gemacht, so Trabert. Aber auch nach acht Stunden Fahrt konnte das Boot mit den Flüchtlingen nicht gefunden werden.

Dann bekam das Team die Meldung, dass noch weitere Boote in einiger Entfernung in Seenot geraten seien. Das Team habe den Kurs gewechselt und sich auf den Weg gemacht. Die lybische Küstenwache sei ihnen dann aber zuvorgekommen. Diese habe am Ort des Geschehens nach eigenen Angaben bereits hunderte Tote aufgefunden. Circa 100 Menschen konnten gerettet werden. Das „ResQship“-Segelschiff war zu diesem Zeitpunkt noch etwa 15 bis 30 Seemeilen vom Unglücksort entfernt. „Das Team ist traurig, nicht pünktlich gekommen zu sein“. Dies zeige aber auch, dass es keinen Automatismus gebe, dass den Menschen durch die Seenotrettungsorganisationen geholfen werde, sagt Trabert. „Zur Realität gehört auch, dass die Retter zu spät kommen, dass Menschen sterben.“

Stiller Einsatz

Generell sei bei seinem diesjährigen Einsatz relativ wenig los gewesen. „Das Meer war noch nie so leer“, sagt Trabert. Der Arzt vermutet, dass die Region von vielen Schiffen gemieden werde, weil die Kapitäne Angst haben, Flüchtlinge retten zu müssen und dann keinen Hafen mehr anfahren dürften oder bestraft werden. Zudem halte die italienische Regierung einige Rettungsschiffe in den Häfen fest. „Die flüchtenden Menschen werden im Stich gelassen“, sagt Trabert. Ständig habe seine Crew nach Flüchtlingsbooten Ausschau gehalten. Weit und breit sei aber kein anderes Schiff in Sicht gewesen.

Dennoch hatte die Crew einige andere Aufgaben, wie Reparaturarbeiten an Bord, zu erledigen. Dieses Arbeiten und auch das Schlafen unter Bord sei mühselig gewesen, sagt Trabert. Die Hitze und stickige Luft habe der Besatzung zu schaffen gemacht. „Aber das ist ja nichts im Vergleich zu dem, was die Bootsflüchtlinge zu erleiden haben. Sie sitzen dicht gedrängt ohne Schwimmwesten in einem Schlauchboot. 90 Prozent von ihnen können nicht einmal schwimmen.“ Allein zum Zeitpunkt des Einsatzes seiner Crew seien etwa 150 Menschen ums Leben gekommen, sagt Trabert. Es sei die größte Katastrophe in den letzten Jahren gewesen.

Wut auf die Politik

Gerade das macht Trabert wütend auf die Politik. „Es wird diskutiert und verhandelt, aber nicht gehandelt“, sagt er. „Das ist unterlassene Hilfe. Wenn in Europa nicht alle Nationen mithelfen, muss eine Nation eben einmal die Vorreiterrolle übernehmen.“ Das kleine Segelboot von „ResQship“ jedenfalls wird nicht als Rettungsschiff deklariert und kann auch im Notfall nicht viele Flüchtlinge an Bord nehmen. Die Besatzung kann nur zeitüberbrückend Wasser und Rettungswesten und Rettungsinseln bereitstellen. Aber selbst das wird vor den Behörden geheim gehalten. „Es ist schon idiotisch, dass man sich schon so verhalten muss, um Leben zu retten“, sagt Trabert. Letztlich habe sein Einsatz vor Ort „enttäuschend, traurig und frustrierend“ geendet. (mm/pk)

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