Professor Trabert mit ResQship im Mittelmeer unterwegs

Anfang nächster Woche wird sich der Mainzer Arzt Gerhard Trabert auf den Weg in Richtung Mittelmeer machen. Dort will er nach Bootsflüchtlingen Ausschau halten.

Professor Trabert mit ResQship im Mittelmeer unterwegs

Schon 2015 und 2016 war der Mainzer Arzt Gerhard Trabert mit der Seenotrettungsorganisation „Sea-Watch“ im Mittelmeer unterwegs, um nach Flüchtlingsbooten Ausschau zu halten. Ab Anfang nächster Woche wird er wieder für 10 bis 15 Tage mit der Organisation „ResQship“ in diesem Gebiet das Meer absuchen.

Beobachten und Dokumentieren

Wegen fehlenden Geldes konnte die Organisation „ResQship“ nur ein kleineres Boot chartern, seit April ist es im Mittelmeerraum im Wasser. „Die Hauptaufgabe des Teams wird sein: beobachten und dokumentieren“, berichtet Trabert bei einem Pressegespräch am Freitag. Was die Rettungsmöglichkeiten angeht, seien die Helfer eher eingeschränkt. Stattdessen wolle man so lange bei den Booten der Flüchtigen bleiben, bis ein Rettungsteam zur Hilfe kommt.

„Aber an Bord sind auch Rettungswesten und Rettungsinseln vorhanden, um in Notfall helfen zu können“, so Trabert. Er ist der einige Arzt an Bord, ihm stehen aber noch medizinisch ausgebildete Helfer zur Seite. Die Crew des Schiffes besteht aus sechs bis neun Mitarbeitern. „Da müssen alle mit anpacken“, erklärt Trabert.

In manchen Ländern nicht legal

Ob das Schiff wirklich wie geplant am Dienstag ablegen kann, ist noch nicht ganz klar. In einigen Ländern sei die Rettung von Flüchtlingsbooten gegen das Gesetz. Obwohl das Boot von „ResQship“ gar nicht offiziell als Rettungsschiff deklariert wird, habe die Crew das letzte Mal dreißig Stunden warten müssen, bis es in einen italienischen Hafen einlaufen durfte. „Wir lassen uns nicht einschüchtern und kriminalisieren. Jetzt erst recht!“, kommentiert Trabert die Anschuldigungen, er würde gegen das Gesetz handeln.

Die Politik unternimmt Traberts Meinung nach viel zu wenig. „Die Ignoranz der Europäer ist zu groß, zu mächtig, zu brutal, zu nationalistisch…“, schreibt er in einer Pressemitteilung. „Wenn die Politik nicht helfen kann, muss es die Zivilgesellschaft tun.“ Aus Sicherheitsgründen will der Professor den Startort und den Namen des Schiffes nicht bekannt geben.

Trabert berichtet über die Situation im Mittelmeerraum

„Die meisten Flüchtigen versuchen in Holz- oder Schlauchbooten ohne Rettungswesten das Meer zu überqueren“, sagt Trabert. Die Boote seien meistens so überfüllt, dass die Menschen am Rand nur noch mit einem Bein ins Boot passten. Das bedeute meist das Todesurteil für sie. „Da stellt sich vielen die Frage, wie kann man sich selbst oder seinen Kindern dieser Lage aussetzen“, fragt Trabert rhetorisch. Und dann erzählt er vom Leid dieser Menschen: eine Mutter, die ihre Töchter vor der Genitalverstümmelung retten wollte, ein vergewaltigtes Mädchen auf der Flucht, Kinder, die schon viel zu früh Waffen in die Hände bekämen.

Um die Flüchtigen mit Rettungswesten zu versorgen, nähere sich das Rettungsteam meist selbst mit Schlauchbooten an die Flüchtlingsboote an. „Die Helfer wollen den Leuten keine Angst einjagen“, erklärt der Arzt. „Wenn die libysche Küstenwache kommt, verfallen die meisten Leute in Panik. Einige springen sogar vom Boot.“ Das will er um jeden Preis verhindern. Ein Punkt auf seiner Agenda ist deswegen: „Keine Unterstützung der libyschen Küstenwache.“ (rk)

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