Burkini-Verbote in Mainz: Schwimmbäder uneins

Ein Badeanzug, der den ganzen Körper – außer Kopf, Hände und Füße – bedeckt, ist nicht in jedem Mainzer Schwimmbad gern gesehen. Wir haben nach den Gründen gefragt.

Burkini-Verbote in Mainz: Schwimmbäder uneins

Normalerweise geht Maria ins Taubertsbergbad, wenn sie schwimmen möchte. Doch an diesem Donnerstag besuchte sie mit ihrem zweijährigen Sohn, ihrer Mutter und ihrem Bruder das Freibad in Mombach – und erlebte dort eine unangenehme Überraschung.

„Ich war im großen Becken, hatte meinen kleinen Sohn auf dem Arm, als mich der Bademeister vom Rand her ansprach“, berichtet die 29-Jährige. „So dürfen Sie hier nicht schwimmen“, habe er gesagt. „Alle haben mich plötzlich angesehen, es war sehr unangenehm“, berichtet Maria. Der Grund für die Ansprache der Badeaufsicht: Maria trug einen Burkini, also einen Ganzkörper-Badeanzug. Dieser bedeckt den gesamten Körper mitsamt der Haare. Nur Gesicht, Hände und Füße liegen frei. „Burkini“ ist eine Wortschöpfung, mit der die Begriffe „Burka“ und „Bikini“ kombiniert werden. Getragen wird er meist von muslimischen Frauen.

Aus Sicherheitsgründen verboten

Maria begann im Schwimmbad, mit dem Mann zu diskutieren: Warum Neoprenanzüge für Taucher denn hier erlaubt seien, Burkini aber nicht, obwohl sie aus dem selben Material gefertigt werden wie jede andere Badebekleidung auch. Der Schwimmbad-Angestellte jedoch blieb hartnäckig: Er könne da keine Ausnahme machen, Burkini seien aus „Sicherheitsgründen“ verboten. Tragen dürfe sie ihn nur, wenn sie den Stoff bis zu Knien und Ellenbogen hochkrempelt.

„Ich finde das ungerecht“, kritisiert Maria, die in Mainz erst Jura studierte und nun Medizin. Als sie das Becken verließ, sprach sie ein anderer Mann an, der Schwimmaufsicht hatte, berichtet sie. „Er hat sich entschuldigt für das Verhalten des Kollegen. Und er sagte, dass viele Aufsichtspersonen ein Auge zudrücken bei dem Thema.“ Tatsächlich ist es laut Badeordnung im Mombacher Schwimmbad verboten, Burkini zu tragen. Demnach ist der „Aufenthalt im Schwimmbecken“ nur in Badekleidung erlaubt, bestehend aus „nicht saugendem Material, nicht über Knielang, nicht über Oberarmlang, nicht oberhalb des Halses“. Diese Regelung gilt sowohl für das Freibad als auch das Hallenbad.

Was das konkret bedeutet, und warum das Mombacher Schwimmbad weiterhin an dieser Regelung festhält, dazu hat uns der Geschäftsführer des Mainzer Schwimmvereins bis Redaktionsschluss keine Rückmeldung gegeben. Der Verein ist der Betreiber des Bads.

Verbot teilweise gerichtlich gekippt

Ganz anders sieht es im Mainzer Taubertsbergbad aus: „Unsere Badeordnung verlangt das Tragen üblicher Badebekleidung“, antwortet der Pressesprecher des Betreibers, Mainzer Stadtwerke, auf Nachfrage. Und ergänzt: „Unter üblicher Badebekleidung verstehen wir Badehosen, Badeanzüge, Bikinis sowie Burkinis.“

In anderen Städten wurde das Verbot sogar gerichtlich gekippt, etwa in Koblenz: Hier hatte das rheinland-pfälzische Oberverwaltungsgericht vor drei Jahren entschieden, dass ein solches Verbot gegen das verfassungsrechtliche Gleichbehandlungsgebot verstoße. Damals hatte der Stadtrat argumentiert, dass bei vollständig bedeckter Haut die Badegäste nicht auf Krankheiten, offene Wunden oder Hautausschläge kontrolliert werden könnten.

Maria hofft, dass das Burkini-Verbot auch in Mombach bald aufgehoben wird. „Ein Verbot ist schade, denn somit werden viele Frauen von Freizeitaktivitäten ausgeschlossen, es ist eine Ausgrenzung“, sagt Maria. „Das macht mich sehr betroffen.“

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