Gefährliches Hochwasser am Rhein: Wie geschützt ist Mainz?

Das Wasser stieg in etlichen Teilen Deutschlands gefährlich hoch. Könnte es auch am Rhein eine Flut geben? Und wie gut ist der Hochwasserschutz in Mainz?

Gefährliches Hochwasser am Rhein: Wie geschützt ist Mainz?

Zwei Wochen ist es her, als kleine Rinnsale im Ahrtal zu reißenden Sturzfluten wurden. Der Starkregen hat die Zuflüsse der Ahr anschwellen lassen, der gesättigte Boden konnte kaum mehr Wasser aufnehmen. Innerhalb kürzester Zeit waren Orte überschwemmt, Brücken weggerissen, Häuser und Existenzen zerstört.

Hochwasser im Sommer, das ist etwas Ungewöhnliches. Vor allem am Rhein steigt das Wasser normalerweise im Frühjahr, wenn mit steigenden Temperaturen der Schnee in den Alpen sowie in den Mittelgebirgen abschmilzt, erklärte kürzlich das rheinland-pfälzischen Umweltamt auf Merkurist-Anfrage (wir berichteten). So waren zum Beispiel im Mai 1999 in kurzer Zeit große Schneemassen in der Schweiz geschmolzen, was zum bisher höchsten gemessenen Wasserstand am Pegel Maxau geführt hatte.

Auch künftig müssten wir mit solchen Extremwetterereignissen und Starkregen rechnen. In Gebieten mit Hanglagen ist das dann besonders gefährlich, da das Wasser den Berg hinunterfließt, sich im Tal ansammelt und das Wasser in Flüssen und Bächen dort sehr schnell ansteigen kann. Das Wasser „kanalisiert“ sich. Kann es solch ein gefährliches Hochwasser also auch am Rhein geben?

Hochwasser bis in die Mainzer Innenstadt?

„Natürlich kann es auch in Mainz ein großes Hochwasser geben“, sagt Diplom-Meteorologe Dominik Jung. „Wenn die Bedingungen stimmen und sich am Oberlauf viel Regen ergießt.“ Wenn also über Tage hinweg starke Niederschläge das gesamte Einzugsgebiet vom Rhein treffen, wenn der Boden gesättigt ist, und kein weiteres Wasser mehr aufnehmen kann, sei Hochwasser auch bis in die Stadt denkbar. Dann könne es auch zu einem sehr seltenen extremen Hochwasser jenseits des international vereinbarten 200-jährlichen Bemessungsereignisses für den Schutz für Menschen und Gütern kommen, ist von Seiten des Umweltministeriums zu erfahren. Die Geschwindigkeit, mit der der Rheinpegel ansteigen könnte, sei aber nicht mit der kleinerer Flüsse zu vergleichen. Denn je größer und flacher das Einzugsgebiet und das Gefälle des Gewässers sei, desto langsamer steige auch der Wasserstand an einem Pegel.

Auch an den Nebenflüssen sei laut Meteorologe Jung ein kritisches Hochwasser möglich. „Die Selz ist besonders dann gefährdet, wenn es in ihrem Einzugsbiet stark regnet“. Wenn sich hier ein schweres Gewitter festsetze, könne das auch eine rauschende Flut bringen. „Allerdings ist Rheinhessen nicht so bergig wie die Eifel.“ Das Wasser fließe daher auch hier langsamer ab und nicht so schnell in einer Sturzflut.

Außerdem sei der Hochwasserschutz rund um Mainz inzwischen gut: „Früher lief das Wasser in Mainz viel früher in die Stadt. Das ist ja baulich aller verbessert worden“, so Jung. 1,2 Milliarden Euro hat das rheinland-pfälzische Klimaschutzministerium in den vergangenen 25 Jahren in den technischen Hochwasserschutz und in die kommunale Vorsorge investiert.

So wurden in Mainz in den vergangenen Jahren etwa Hochwasserschutzwände errichtet, beispielsweise die zwischen den Heidelberger Zementwerken und der Eisenbahnbrücke Mainz-Süd. Die rund 1,8 Kilometer lange Wand soll bis zu einem Pegelstand von 8,30 Metern schützen. Auch Rückhalteräume, sogenannte Polder, wurden geschaffen, falls Schutzwände überspült werden sollten und Deiche brechen. Dazu gehört etwa der in Bodenheim/Laubenheim. Er ist vier Kilometer lang und schützt den Deich am Rheinufer, wenn der Pegel die Marke von sieben Metern überschreitet und die Fluttore geöffnet werden müssen. Am Winterhafen können bei Hochwasser an die vor zehn Jahren errichteten Stahlbetonbalken recht schnell Leichtmetallpfosten und Dammbalken angebracht werden, die dann als mobile Schutzwand dienen - ab einem Pegel von 8,30 Metern.

Wann gilt Hochwasser in Mainz?

Hochwasser bedeutet in Mainz, wenn der Pegel die Marke von 4,75 Metern übersteigt. Bereits ab 4,20 Meter werden die „Hochwasserschieber“ geschlossen, damit das Rheinwasser die Kanalisation nicht überfluten kann. Ab fünf Metern werden die ersten Bereiche abgesperrt und Parkplätze geräumt, ab sechs Metern startet der Rund-um-die-Uhr-Bereitschaftsdienst. Auch Feuerwehr und städtische Ämter halten sich bereit. Bei einem Pegelstand von 6,30 Meter wird die Schifffahrt eingestellt, bei sieben Metern werden die mobilen Hochschutzwände am Winterhafen sowie am Zoll- und Binnenhafen aufgebaut sowie die Tore der historischen Stadtmauer geschlossen.

Ab 7,75 Metern übernimmt der Katastrophenschutz. Die Schutzmaßnahmen sind bis zu einem Pegelstand von 8,30 Metern (plus 50 Zentimetern wegen des Wellengangs) ausgelegt, dem sogenannten 200-jährlichen Hochwasser. „Hochwasser extrem“ nennt sich die Marke von 9,60 Metern. „Das bedeutet, dass die Fluten nicht mehr zu stoppen sind“, heißt es bei der Stadt Mainz. „Zum Glück waren und sind wir von diesem Horrorszenario weit entfernt.“ Als bei dem „Jahrhunderthochwasser“ weite Teile der Innenstadt überschwemmt waren, stand der Pegel bei 7,95 Metern.

Und noch einen weiteren Unterschied gebe es laut Umweltamt im Vergleich zu kleineren Einzugsgebieten: „Der Rhein verfügt über eine von der Schweiz über Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz durchgehende Hochwasservorhersage, die aufeinander aufbaut“, erklärt ein Mitarbeiter. Möglich sei das, weil die Fließzeit im Rhein deutlich länger sei. „Daher können Hochwasservorhersagen von 48 Stunden im Voraus mit einer höheren Sicherheit berechnet und vorhergesagt werden.“

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