Teurer Schulweg in Mainz

Viele Mainzer Schüler wünschen sich ein günstigeres Ticket für Bus und Bahn. Merkurist hat nachgefragt, warum es das 365-Euro-Ticket, das es in Hessen gibt, nicht auch in Mainz gibt und was Oberbürgermeister Michael Ebling davon hält.

Teurer Schulweg in Mainz

Warum gibt es für den Mainzer Busverkehr kein Schülerticket für 365 Euro – wie in Hessen? Das fragt Merkurist-Leser Hans in einem Snip und argumentiert, das Schülerticket koste fast ein Drittel des Kindergeldes.

Die „CleverCard“, mit der Schüler und Auszubildende im Verkehrsverbund Mainz-Wiesbaden fahren dürfen, kostet 561,50 Euro pro Jahr. In Hessen wurde die CleverCard vor eineinhalb Jahren durch ein neues Schülerticket abgelöst. Für nur 365 Euro jährlich können Schüler dort sogar durch das gesamte Bundesland und auch nach Mainz fahren. Viele Mainzer ärgern sich nun über die teureren Tickets in Rheinland-Pfalz und finden den großen Preisunterschied ungerecht.

Warum das Schülerticket in Hessen günstiger ist

Dass die hessischen Schülertickets so viel günstiger sind, liege an den allgemein niedrigeren Kosten für den öffentlichen Nahverkehr in Hessen. Dort würden in der Regel kürzere Strecken gefahren, als in Rheinland-Pfalz, erklärt Susanne Keeding, Sprecherin des Verkehrsministeriums Rheinland-Pfalz, auf Anfrage. „Die Bevölkerungsdichte in Hessen ist höher. In Hessen fährt kaum ein Schüler über die Kreisgrenze hinaus und wenn doch, dann sind die Reiseweiten dennoch gering. In Rheinland-Pfalz sind 30-Kilometer-Fahrten keine Seltenheit.“

Zudem gleiche das Land den vergünstigten Nahverkehr für Schüler in Hessen finanziell stärker aus, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling im Gespräch mit Merkurist. Das fordert er auch von der rheinland-pfälzischen Landesregierung: „Das Verkehrsministerium bereitet gerade das Nahverkehrsgesetz vor – und ich erwarte, dass das Land da viel Geld in die Hand nimmt, um uns zu unterstützen.“ Gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Ludwigshafen, Koblenz, Trier und Kaiserslautern trat Ebling gegenüber dem Landesverkehrsministerium für eine Verbesserung der ÖPNV-Angebote ein und forderte, dass „das Thema Mobilität zu einem Top-Thema des Landes Rheinland-Pfalz gemacht wird“.

Auch Stadtsprecher Marc Glöckner erklärt auf Anfrage, Ebling setze sich für günstigere ÖPNV-Tickets für Schüler sowie für Senioren ein. „Er möchte, dass der ÖPNV quantitativ wie qualitativ attraktiver wird und es so schafft, dass immer mehr Bürger vom Auto auf den ÖPNV umsteigen.“ Wichtig sei ihm dabei, dass die Preise für den öffentlichen Nahverkehr für jeden bezahlbar sind. Seit Anfang des Jahres habe die Stadt Mainz beispielsweise den „MainzPass“ eingeführt. Neben weiteren Vergünstigungen können Mainzer, die existenzsichernde Leistungen erhalten, für 35 Euro pro Monat täglich ab 9 Uhr den Nahverkehr nutzen. Schüler bleiben dabei allerdings weiter auf der Strecke.

Schülerticket nach hessischem Modell zu teuer

Verkehrsminister Dr. Volker Wissing freut sich über das Engagement der Oberbürgermeister für ein attraktiveres Mobilitätsangebot und will ihren Forderungen entgegenkommen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Verkehrsministeriums hervor. Dabei konzentriert sich das Verkehrsministerium allerdings zunächst auf einen Ausbau des Nahverkehrsangebots. Wie Keeding erläutert, soll – insbesondere im ländlichen Raum – das Busliniennetz weiter ausgebaut werden. „Konkret geht es hier vor allem darum, den auf der Schiene bestehenden Rheinland-Pfalz-Takt auf das Busnetz auszuweiten und das Land mit neuen Buslinien besser zu erschließen.“

„Es ist sinnvoller, das vorhandene Geld in einen Ausbau des Angebots zu investieren“ – Susanne Keeding, Sprecherin des Verkehrsministeriums

Für Grund- und Mittelstufenschüler übernehme das Land bereits die Kosten für den Schulweg, falls dieser besonders gefährlich oder länger als zwei bzw. vier Kilometer sei. Dieses Angebot wurde nach Angaben der Stadt Mainz im Schuljahr 2018/2019 von mehr als einem Fünftel der insgesamt knapp 31.000 Schüler aus Mainz und Umgebung genutzt. Auch die Differenz der vergünstigten Schüler- und Auszubildenden-Tickets zum Normalpreis gleiche das Land jährlich mit 180 Millionen Euro aus, so Keeding.

Ein 365-Euro Ticket, wie es in Hessen angeboten wird, würde zusätzliche Kosten in Höhe von 60 Millionen Euro verursachen. Aufgrund der günstigeren Verkehrssituation im Nachbarbundesland müsse die hessische Landesregierung lediglich 20 Millionen Euro Preisausgleich zahlen. „Es ist sinnvoller, das vorhandene Geld in einen Ausbau des Angebots zu investieren als ohnehin schon vergünstigte Tickets noch günstiger zu machen“, erklärt Keeding die Entscheidung des Verkehrsministeriums. (mm)

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