Ibuprofen wird auch in Mainz knapp

Weil ein BASF-Werk in den USA ausgefallen ist, kommt es derzeit in ganz Deutschland zu Lieferengpässen bei Ibuprofen-Tabletten. Das Schmerzmittel wird auch in Mainz knapp. Betroffen sind verschreibungspflichtige Packungen.

Ibuprofen wird auch in Mainz knapp

Ob „Deutschlands wichtigstes Schmerzmittel wird knapp“, „Lieferengpass bei Ibuprofen“ oder „Firmen suchen nach Zwischenhändlern“: In den vergangenen Wochen landet immer wieder das Schmerzmittel Ibuprofen in den Schlagzeilen der Medien. Denn derzeit kommt es weltweit zu Lieferengpässen. Auch in Mainz kann es Patienten nun passieren, dass sie in der Apotheke bestimmte Schmerztabletten nicht mehr bekommen können.

Der Grund: Einer der wenigen Produzenten des Wirkstoffs, das BASF-Werk im US-Bundesstaat Texas, ist Anfang Juni wegen eines technischen Defekts ausgefallen. BASF hat deshalb vorübergehend die Produktion komplett eingestellt. Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wurde ein Engpass von Ibuprofen AL 600 ab Juni und einer von Ibuprofen AL 800 ab August gemeldet, beide Engpässe sollen im September enden. „Das Problem ist, dass es weltweit nur sechs Produzenten gibt und nun einer davon ausfällt“, sagt Apotheker Christoph Emmerich. Er übernimmt für Apotheken in ganz Deutschland die Urlaubsvertretung und Beratung, auch Mainzer Apotheken gehören dazu. Mainz sei von der Knappheit genauso betroffen wie der Rest von Deutschland.

Mangel an 50er-Packungen

Laut dem Apotheker liegt das Problem darin, dass immer weniger Wirkstoff-Produzenten die Arzneimittel-Firmen weltweit versorgen. „Das ist ein Thema der Industrie und zusätzlich der Krankenkassen mit Ihren Rabattverträgen.“ Meistens fehle es in den Apotheken derzeit an den Packungen von Ibu 600 mit 50 Tabletten - diese werden sehr häufig verschrieben. „Wenn sie dann noch einen Vorrat von 100er-Packungen haben, kommt es vor, dass Apotheker da 50 rausnehmen und die den Kunden mit Packungsbeilage mitgeben“, so Emmerich. Das ist aber eigentlich nicht erlaubt.

Dabei gebe es genügend Alternativen: „Das Problem ist, dass die Apotheker nicht auf Ibuprofen-Tabletten von anderen Produzenten ausweichen können - selbst wenn sie welche da haben.“ Denn viele Krankenkassen seien durch Rabattverträge an bestimmte Produzenten gebunden. Dennoch sei es nicht so, dass die Patienten nun nicht mehr mit Ibuprofen-Schmerzmitteln versorgt werden können. „Was knapp ist, sind zur Zeit nur die verschreibungspflichtigen Packungen. Durch Bevorratung der Apotheken mit 400 akut Tabletten kann der Patient noch, nach Beratung, diese ganz einfach kaufen“, sagt Emmerich. „Generell nehmen wir aber viel zu viel Schmerzmittel zu uns.“

Kliniken haben noch Vorrat

In den Kliniken der Universitätsmedizin dagegen sind die Schmerztabletten noch nicht ausgegangen. „An der Universitätsmedizin Mainz ist der Bedarf an Ibuprofen-Tabletten gedeckt, auch wenn sie aktuell nur kontingentierte Lieferungen erhält“, so eine Sprecherin auf Anfrage. Die Unimedizin reagiere darauf mit einer erhöhten Vorratshaltung, auch von alternativen Schmerzmitteln. Das Katholische Klinikum Mainz (KKM) antwortet auf eine Merkurist-Anfrage, dass es nicht vom Engpass betroffen sei.

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