Corona-Krise: Wo Mainzer Betriebe Hilfe bekommen

Die am Montag beschlossenen Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus treffen auch viele Betriebe in Mainz. In einigen Branchen haben Bund und Länder bereits finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt.

Corona-Krise: Wo Mainzer Betriebe Hilfe bekommen

Seit Montagnachmittag ist klar: Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, gibt es in Deutschland massive Einschränkungen. Kneipen, Messen, Diskos oder Fitnessstudios müssen geschlossen bleiben. Restaurants und Gaststätten dürfen frühestens um 6 Uhr öffnen und müssen spätestens 18 Uhr schließen (wir berichteten) - auch in Mainz. Doch welche Auswirkungen hat das nun auf die Betriebe?

Am Montag hatte Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) erklärt, das Land stehe mit Bürgschaften in dreistelliger Millionenhöhe bereit, um Geschäftsbanken liquide zu halten. Unternehmen sollten sich möglichst schnell an ihre Hausbanken wenden, damit mögliche Anträge umgehend bearbeitet werden könnten. Außerdem könnten zum Beispiel Steuervorauszahlungen gestundet werden. Im Wirtschaftsministerium wurde zudem eine „Stabsstelle Unternehmenshilfe“ eingerichtet. Hier könnten dringende Fragen schnell und unbürokratisch beantwortet werden, so Wissing.

Die Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) und die Bürgschaftsbank Rheinland-Pfalz GmbH haben bereits angekündigt, Unternehmen in Bedrängnis mit 80-prozentigen Bürgschaften unterstützen zu wollen. Zunächst sollten sich Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage aber an ihre Hausbanken wenden. Diese würden dann Kontakt zur Bürgschaftsbank oder der ISB aufnehmen.

Gewerkschaft fordert Corona-Schutzschirm

Die „Gewerkschaft Nahrung- Genuss-Gaststätten Region Darmstadt & Mainz“ (NGG) fordert in einer Stellungnahme am Dienstag beispielsweise einen Corona-Schutzschirm für 6400 Beschäftigte im Gastgewerbe. Allein in Mainz seien rund 480 Betriebe betroffen. „Die meisten Kellner, Köche und Hotelfachangestellten müssen jetzt zuhause bleiben. Zwar bekommen sie Kurzarbeitergeld, das liegt aber nur bei 60 Prozent des ohnehin oft geringen Einkommens. Für viele Betroffene geht das an die Existenz“, sagt Guido Noll von der NGG-Region Darmstadt und Mainz. Die NGG setze sich nun dafür ein, zusammen mit den Arbeitgebern eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes zu erreichen.

Günter Jertz, Vorsitzender der rheinhessischen Industrie- und Handelskammer (IHK) sagt gegenüber Merkurist: „Die Situation für viele Betriebe ändert sich derzeit innerhalb weniger Tage massiv. Wir als IHK stehen den Betrieben mit Informationen - zum Beispiel auf unserer Webseite - zur Seite und geben Auskunft.“ Außerdem vermittle die IHK in Sachen Kurzarbeitergeld an die Bundesagentur für Arbeit. Über eine spezielle Hotline können Betriebe sich an die IHK wenden. Die Nummer lautet 06131 2621000.

Finanzhilfen für freie Kulturschaffende und private Kultureinrichtungen

Auch die Kulturszene wird hart von den Schutzmaßnahmen gegen das Virus getroffen: Ausstellungen, Opern und Theater müssen geschlossen bleiben. Bund und Länder haben sich bereits am Montag bei einem kulturpolitischen Spitzengespräch darauf geeinigt, Finanzhilfen und Härtefall-Mittel für freie Kulturschaffende sowie private Kultureinrichtungen bereitzustellen.

„Der Beschluss des kulturpolitischen Spitzengesprächs ist ein wichtiges Signal: Wir lassen die Kulturschaffenden jetzt nicht allein und wollen ganz konkrete Hilfen. Die Auswirkungen des Corona-Virus gefährden unsere vielfältige und bunte Kulturszene in teilweise existentiellen Ausmaß. Bund und Länder müssen hier gemeinsam unbürokratisch und schnell handeln“, so Kulturminister Konrad Wolf (SPD). In Notfällen könnten beispielsweise auch Rückforderungen öffentlicher Kulturförderungen des Landes ausgesetzt oder aufgehoben werden, falls geförderte Veranstaltungen aufgrund der Epidemie-Auswirkungen ausgefallen sind.

„Spürbare Verunsicherung“ im Handwerk

Die Hauptgeschäftsführerin der rheinhessischen Handwerkskammer, Anja Obermann, sagt: „Derzeit ist eine große Verunsicherung an vielen Stellen im Handwerk zu spüren.“ Auf einige Handwerksbereiche habe die Corona-Krise massive Auswirkungen. Betriebe wie Frisöre oder Optiker hatten in den vergangenen Tagen und Wochen bereits mit Umsatzrückgängen zu kämpfen, dies habe sich nun noch einmal verstärkt. Nach dem Beschluss der weiteren Schutzmaßnahmen am Montag seien nun viele Detailfragen zu klären.

Manche Branchen sind auch von Lieferengpässen betroffen. So fehlen im Tischlerhandwerk mancherorts Kleinteile für die Montage von Spülbecken. Gesellenprüfungen werden von nun an bis auf Weiteres nicht durchgeführt werden können - es gibt also Verzögerungen bei Abschlüssen. Wann beziffert werden kann, welche finanziellen Auswirkungen die Corona-Krise auf das Handwerk in der Region hat, wagt Obermann noch nicht zu prognostizieren: „Das ist frühestens möglich, wenn man weiß, wie bis wann die momentane Situation anhält“, sagt sie. Und das sei eben noch nicht absehbar. (df)

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