Was passiert eigentlich in einem Schlaflabor?

Schlafstörungen sind zur neuen Volkskrankheit geworden: Jeder zehnte Deutsche leidet unter schwerer Insomnie, also krankhafter Schlaflosigkeit. Immer mehr Menschen gehen deshalb ins Schlaflabor. Auch hier in Mainz.

Was passiert eigentlich in einem Schlaflabor?

Immer mehr Menschen haben Probleme beim Ein- und Durchschlafen. Das zeigt der aktuelle DAK-Gesundheitsreport. Demnach sind mittlerweile gut 34 Millionen Deutsche von Schlafstörungen betroffen. Die Folgen: Man ist tagsüber müde und erschöpft und das Risiko für Depressionen und Angststörungen steigt. Hilfe versprechen Schlaflabore, die oft von großen Kliniken betrieben werden. Auch das Katholisches Klinikum Mainz (KKM) verfügt über ein solches Labor. Aber was passiert dort eigentlich genau? Das wollte auch Merkurist-Leser Claus in seinem Snip wissen.

“Die Nachtschwester hat festgestellt, dass ich etliche Atemaussetzer hatte“ - Holger Odermatt, Patient im Schlaflabor des KKM

Die meisten Patienten im KKM-Schlaflabor leiden unter der sogenannten Schlafapnoe. Das heißt, sie haben während der Nacht immer wieder Atemstillstände (Apnoen). So wie Holger Odermatt. Er war vor einigen Jahren zur Behandlung einer Gefäßkrankheit im Krankenhaus. „Da hat die Nachtschwester dann festgestellt, dass ich in der Nacht etliche Atemaussetzer hatte“, erzählt der 64-Jährige. „Manchmal sogar eine Minute lang.“

Direkt im Anschluss wurde er dann ins Schlaflabor überwiesen, wo er seitdem einmal jährlich sein Schlafverhalten überprüfen lässt. Er selbst habe jahrelang nichts von seiner Erkrankung gewusst. Nur dass er ständig müde und schlapp war. „Das ging so weit, dass ich im Straßenverkehr an der Ampel eingeschlafen bin“, so der Mainzer. Das sei nicht nur ermüdend, sondern vor allem auch gefährlich.

Stress und schlechte Angewohnheiten sind Hauptgrund für schlechten Schlaf

„Sekundenschlaf und Schnarchen sind häufige Symptome für Apnoen“, erklärt Dr. Karin Deisenberger, die Leiterin des Schlaflabors im KKM. Etwa 10 bis 15 Prozent leiden ihrer Aussage nach an Schlafapnoe. Doch es gebe auch andere Erkrankungen wie Depressionen oder Schlaganfälle, die einen erholsamen Schlaf verhindern. Eine generelle Ursache für Schlafprobleme kann aber auch starker Stress sein: Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachtschichten und ständige Erreichbarkeit nach Feierabend gelten als Risikofaktoren. Oft sorgen wir aber auch selbst für einen schlechten Schlaf, schauen vor dem Schlafengehen Filme und Serien oder erledigen private und auch dienstliche Angelegenheiten am Laptop und Handy. Auch zu große Hitze im Schlafzimmer, zu viel Alkohol oder Nikotin und (starkes) Übergewicht sind nicht gerade förderlich für einen gesunden Schlaf.

Zahlreiche Elektroden und technische Geräte überwachen den Schlaf

Das Zimmer im Schlaflabor ist ein ganz normales Krankenzimmer mit weißen Wänden, Fenstern, einem TV-Gerät, einem Tisch mit Stühlen - und einer Kamera über dem Fernseher. Vor dem Zubettgehen im komplett abgedunkelten Raum werden 24 Elektroden am Körper der Patienten befestigt, erklärt Marit Schenkel-Folville, die Koordinatorin des Schlaflabors im KKM. „Am Kopf wird der Hirnstrom gemessen, am Brustkorb der Herzschlag und am Kinn überprüfen zwei Sonden die Spannung der Kiefermuskeln. Zwei Elektroden an den Augen messen die sogenannte REM-Phase und eine am Bein das eventuelle Restless-Legs-Syndrom, also das unkontrollierte Zucken mit den Beinen.“ Hinzu kämen ein kleines Mikrofon, das am Hals festgeklebt wird, ein Schlauch in der Nase sowie ein Sauerstoffmessgerät am Zeigefinger.

Im Abstand von zwei Stunde werde dann nach den Patienten geschaut und alle während der Nacht gesammelten Daten an einen zentralen Computer übertragen. „Damit den Ärzten aber wirklich nichts entgeht, filmt die Infrarotkamera alle Bewegungen“, so Schenkel-Folville weiter. Diese registriere auch, wie oft man wach wird. In der ersten Nacht schläft man „ganz natürlich“, also wie zu Hause auch, ohne Medikamente oder Hilfsmittel. Erst in der zweiten Nacht werden dann mechanische Hilfen genutzt.

Diese besteht beispielsweise in Form einer speziellen Gesichts-Maske, die über die Nase Raumluft mit leichtem Überdruck in die Atemwege leitet. „Sie gibt dem Körper im Falle eines Aussetzers den Impuls zum Atmen“, erklärt Karin Deisenberger. Die Maske wird tagsüber angepasst, damit sie beim Schlafen nicht drückt oder verrutscht, wenn der Patient sich beispielsweise umdreht. Sie heilt die Krankheit allerdings nicht. „Man muss sie lebenslang tragen, so wie eine Brille.“ Das sei aber im Vergleich zum Ergebnis nur ein kleines Übel, bestätigt Holger Odermatt.

„Seit ich die Maske jede Nacht trage, fühle ich mich viel ausgeschlafener und fitter.“ - Holger Odermatt

Er schlafe zwar nicht länger als vorher, dafür aber viel erholsamer. Das leise Gluckern, das das Gerät von sich gebe, nehme er kaum noch wahr. „Seit ich die Maske jede Nacht trage, fühle ich mich viel ausgeschlafener und fitter. Und ich schnarche nicht mehr so laut wie früher.“

Wer selbst unter Schlafstörungen leidet, sollte sich an seinen Hausarzt oder einen HNO-Arzt wenden. Nach einem Screening bei einem niedergelassenen Facharzt bekommt man im Krankheitsfall dann die Überweisung für das Schlaflabor. Allerdings muss man dort mit einer Wartezeit von zwei bis drei Monaten rechnen.

Doch die Wartezeit lohne sich, so Dr. Deisenberger. „Oft kommen Patienten mit einer Grund-Aggressivität zu uns, die natürlich auch durch den dauerhaften Schlafmangel entstanden ist.“ Der Leidensdruck sei bei vielen Patienten enorm. Nach ein oder zwei - endlich mal wieder - erholsamen Nächten im Schlaflabor sei diese Aggressivität dann aber wie weggeblasen. „Das Schönste ist, wenn man am Ende von den Patienten umarmt wird“, sagt die Ärztin abschließend. „Da sieht man mal, was guter Schlaf ausmacht.“

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