Mobiler Freizeitpark in Mainz vor dem Aus?

Weil alle Volksfeste aufgrund der Corona-Krise bis Ende August abgesagt sind, haben die Mainzer Schausteller die Idee eines mobilen Freizeitparks entwickelt. Die Stadt steht dem Konzept positiv gegenüber. Dennoch droht das Projekt vorab zu scheitern.

Mobiler Freizeitpark in Mainz vor dem Aus?

Seit Monaten haben die Mainzer Schausteller kein Geld mehr verdient. Da bis Ende August aufgrund der Corona-Regeln Großveranstaltungen wie die Johannisnacht und die Sommerlichter verboten sind, droht vielen nun der finanzielle Ruin. Um nun doch noch etwas Geld verdienen zu können, entwickelten die Schausteller zuletzt ein Konzept für einen mobilen Freizeitpark (wir berichteten). Diese dürften nämlich zum 10. Juni wieder öffnen. Erste Gespräche zwischen Schaustellern und der Stadt verliefen auch konstruktiv. Doch jetzt droht dem Projekt schon vorab das Aus.

„Brauchen mehr Unterstützung von der Stadt“

In der Stadtratssitzung am Mittwoch erklärte Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) auf eine Anfrage der CDU-Stadtratsfraktion, dass die Verwaltung die schwierige Situation der Schausteller kenne und gewillt sei, diesen zu helfen beziehungsweise diese zu unterstützen. Aus diesem Grund stehe die Verwaltung der Idee eines mobilen oder temporären Freizeitparks durchaus aufgeschlossen gegenüber. Aktuell würden verwaltungsintern und mit den Schaustellern Gespräche geführt, ob und wo ein solcher Freizeitpark realisiert werden könnte. „Mit einer Entscheidung ist im Juni zu rechnen“, so Matz.

Für den ersten Vorsitzenden der Mainzer Schausteller Marco Sottile geht die Unterstützung der Stadt Mainz jedoch nicht weit genug. „Wir brauchen mehr Unterstützung.“ Dabei gehe es unter anderem um die Infrastruktur, ein Sicherheitskonzept oder die Reklame für den Freizeitpark. „Nur eine geeignete Fläche für den Park zur Verfügung zu stellen, ist zu wenig“, so Sottile. Die Fläche sei das kleinste Problem. Die Stadt müsste in diesem Fall als Veranstalter auftreten, um den Schaustellern nachhaltig zu helfen. „Wir Schausteller können nicht als Veranstalter auftreten, wir können kein finanzielles Risiko gehen. Wir haben seit einem halben Jahr keine Umsätze mehr gemacht“, erklärt Sottile.

So müssten die Schausteller zum Beispiel für die Einrichtung einer Wasserversorgung auf dem Freizeitparkgelände 5000 Euro zahlen. Verbunden mit den Kosten für Werbung, dem Sicherheitskonzept und der Müllbeseitigung sei dies in der jetzigen Situation zu viel, sagt Sottile. Zudem sei zu bedenken, dass wegen der Hygienemaßnahmen nicht genug Besucher auf dem Freizeitparkgelände zugelassen würden, um komplett rentabel zu wirtschaften.

Verzicht auf Standgebühren Grundvoraussetzung

Um den Schaustellern zumindest für den ausgefallenen Rheinfrühling entgegenzukommen, solle möglicherweise eine „Wintermesse“ am Rheinufer nach den Weihnachtsfeiertagen stattfinden, erklärte Wirtschaftsdezernentin Matz auf Anfrage im Stadtrat. „Auf die Erhebung von Standgebühren für Schausteller würde dann verzichtet werden“, so Matz. Für Schausteller-Chef Sottile wäre das auch die „Grundvoraussetzung“ für den mobilen Freizeitpark: „Alles andere wäre ein schlechter Witz.“

Ob der mobile Freizeitpark unter den aktuellen Gegebenheiten überhaupt eine Chance hat zu eröffnen, ist momentan also sehr ungewiss. Wie es nun weitergeht, werden die nächsten Tage zeigen. Am liebsten wäre es Sottile, „wenn wir wieder unseren Job machen könnten“. Doch leider herrsche für die Schausteller noch immer offizielles „Berufsverbot“. (rk)

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