Merkurist hat seinen persönlichen „Postillon“

Es war nur eine Frage der Zeit: Merkurist wird verarscht. Eine Website fragt nach einem Puff in der Gaustraße, entlarvt geheime Zeichen auf Schildern oder ruft das Ende der Altstadt aus. Warum das verdammt witzig ist und wer hinter der Seite steckt.

Merkurist hat seinen persönlichen „Postillon“

„Braucht die Gaustraße einen Puff?“ – wieder einmal scheint Merkurist einer drängenden Leserfrage nachzugehen. Über die Besitzverhältnisse im Crazy wurde ja schon viel geschrieben (zum Beispiel hier, hier, und hier), doch warum kommt ausgerechnet die Gaustraße zu kurz, wenn es um den „Verkehr“ geht? Und dann sagt auch noch die zuständige Verkehrsdezernentin Katrin Eder, dass bislang keine Pläne für einen Puff vorlägen. Unsere Meenzer Männer müssen wohl auch in Zukunft bis zum Hauptbahnhof laufen. Anstrengend.

“Bemerkenswert: Autofahrerin hat eingeparkt“ - Merkurpisst-Artikel

Was sich beinahe wie ein typischerMerkurist-Artikel liest, ist in Wirklichkeit das Werk einer anderen Seite: Merkurpisst. Und wer sich diese Seite genauer anschaut, stellt frappierende Ähnlichkeiten zu Merkurist fest: Das Merkurpisst-Logo etwa besteht aus einem schwarzen M und einem Punkt, der aber nicht türkis, sondern pissgelb ist. Auch mit Snips arbeitet die Seite angeblich, allerdings müssen diese nicht 100 Prozent, sondern „die magischen 107 Prozent“ knacken.

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“Wir wissen es nicht, aber wir bleiben dran“ - Merkurist

Vor allem aber sind es die Themen, die man so oder so ähnlich schon auf Merkurist gelesen hat: „Bemerkenswert: Autofahrerin hat eingeparkt“, „Fassadenecke abgebröckelt – ist das das Ende der Altstadt?“, „Mysteriöse Zahlen auf Schildern: Die Hydranten-Mafia in Mainz?“ – so lauten weitere Artikel auf der neuen Seite. Alle Texte enden etwa so: „Wir wissen es nicht, aber wir bleiben dran.“ Auch das kommt einem doch bekannt vor.

Handelt es sich etwa um eine dreiste Kopie? Nein, Merkurpisst ist nur eine geniale Satire auf Merkurist, sozusagen unser persönlicher „Postillon“. Wofür andere Medien Jahrzehnte brauchen, haben wir schon nach einem Jahr geschafft. Immerhin das.

Wer und warum?

Hinter der Satire-Seite steckt der Mainzer Fabian Schneider. Und entstanden sei die Idee – im Suff. Auf Merkurist-Nachfrage sagt er: „Eine Gruppe aus fünf, sechs Leuten, mich eingeschlossen, saß auf dem Johannisfest und einer las auf seinem Handy den neuesten Merkurist-Artikel zur Mückenplage am Rhein vor und sagte dann: ‘Eigentlich müsste man das doch mal persiflieren.‘“

“Die Idee ist im Suff entstanden“ - Fabian Schneider

Schneider habe „Homer-Simpson-mäßig“ sein Bierglas gen Himmel gereckt und gerufen: "Morgen registrier' ich die Domain!" Nach wenigen Sekunden sei schon der Name gefunden und am nächsten Tag die ersten Artikel geschrieben worden. Trotz der bissigen Satire sei die Seite „keineswegs böse gemeint“: „Und dass Merkurpisst.de in seinem Herzen das Original ehrt, ist klar, so war es jedenfalls gemeint.“

Doch leider ist seit Ende Juni nicht mehr viel passiert, im Juli wurden erst zwei Texte veröffentlicht. „Traurigerweise habe ich nebenbei noch einen normalen Job, was noch viel traurigerweise auch auf alle anderen in der besagten Runde zutrifft.“ Ist das etwa schon das Ende des Mainzer Postillon? Merkurist weiß es nicht, wird aber auf jeden Fall dranbleiben. Merkurpisst hoffentlich auch.

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