Darum sind die Toiletten der Mainzer C&A-Filiale plötzlich geschlossen

Die Mainzer C&A-Filiale hat ihre Kundentoiletten vorübergehend außer Betrieb genommen, eine Wiedereröffnung ist ungewiss. Damit verstärkt sich das Problem zu weniger öffentlicher WCs in der Mainzer Innenstadt.

Darum sind die Toiletten der Mainzer C&A-Filiale plötzlich geschlossen

Bis vor Kurzem stellte das Bekleidungsunternehmen C&A den Kunden der Mainzer Filiale in der Seppel-Glückert-Passage drei Kundentoiletten zur Verfügung. Aktuell sind diese jedoch geschlossen, wie Merkurist-Leserin Monika Müller beim Einkaufen feststellen musste.

Nachdem sie vor den verschlossenen WCs gestanden hatte, habe sie eine Mitarbeiterin auf die Gründe angesprochen, so Müller gegenüber Merkurist. Die Mitarbeiterin verwies darauf, dass die Unternehmenszentrale die Schließung mit „mutwilligen Verschmutzungen, Randalen und hohen Instandhaltungskosten“ begründet habe.

Auf Merkurist-Anfrage erklärt die C&A-Pressestelle die Schließung mit „internen betrieblichen und organisatorischen Gründen.“ Dazu gehörten Fragen der Instandhaltung und der „zuverlässigen Sicherung der erforderlichen Standards.“ Das Unternehmen weist jedoch darauf hin, dass die Sanitätsanlagen aktuell nur vorübergehend außer Betrieb seien. Eine Wiedereröffnung werde bereits geprüft, sei jedoch an „betriebliche Rahmenbedingungen“ geknüpft. „Ob und wann eine Wiedereröffnung erfolgen kann, lässt sich derzeit jedoch noch nicht abschließend sagen“, so eine Unternehmenssprecherin.

Debatte über Toiletten im öffentlichen Raum

Die Schließung hat währenddessen unter den Merkurist-Lesern eine Diskussion über Sanitäranlagen im öffentlichen Raum ausgelöst. Während manche die Versorgung mit Toilettenanlagen rund um die Mainzer C&A-Filiale für ausreichend halten, merkt Leserin Lina Hinke an, dass chronisch kranke Menschen oder Kinder nicht minutenlang bis zur nächsten Toilette laufen könnten. Andere Leser machen auf die Notwendigkeit für ältere Menschen oder Personen mit körperlicher Beeinträchtigung aufmerksam, während Leserin Nina Müller darauf hinweist, dass insbesondere Frauen unter nicht vorhanden Sanitätsanlagen in Innenstädten leiden würden. So zeigt auch ein Bericht von Deutschlandfunk Kultur, dass Frauen nicht nur länger vor öffentlichen WCs warten, sondern auch mehr zahlen als Männer.

„Es besteht zwar keine gesetzliche Pflicht, Kundentoiletten anzubieten, aber ich denke für ein Geschäft in dieser Größe ist das unabdingbar“, so Leserin Monika Müller gegenüber Merkurist. Die C&A-Sprecherin sagt dazu: „Wir verstehen, dass der Zugang zu sanitären Einrichtungen – insbesondere für Familien, ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Menschen – eine wichtige Rolle spielt, und nehmen das entsprechende Feedback sehr ernst.“ Das Unternehmen verweist zudem auf öffentliche Toiletten in unmittelbarer Umgebung der Filiale. Diese würden von den C&A-Kunden bereits als Alternative genutzt. Öffentliche Sanitäranlagen befinden sich unter anderem am Münsterplatz und am Markt, zudem sind die Römerpassage und die Mainzer Galeria-Filiale mit Kundentoiletten ausgestattet. Die Stadt Mainz plant zudem den Ausbau und die Modernisierung weiterer öffentlicherer Toilettenanlagen (wir berichteten).

Kundentoiletten-Pflicht nur in Berlin und NRW

In Rheinland-Pfalz besteht nach aktuell geltendem Recht keine Pflicht zur Bereitstellung von Kundentoiletten in Geschäften. Laut Landesbauordnung müssen Gebäude, die für einen größeren Personenkreis bestimmt sind, zwar eine ausreichende Anzahl von Toilettenanlagen aufweisen – konkret definiert ist jedoch weder die Anzahl der Personen, noch der Sanitäranlagen.

Dies geht aus einer Kleinen Anfrage des Abgeordneten Joachim Streit (Freie Wähler) an die Landesregierung aus dem Jahr 2024 hervor. Anders sieht es in den Bundesländern Berlin und Nordrhein-Westfalen aus. Dort müssen Geschäfte ab 400 beziehungsweise 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche mindestens eine Kundentoilette zur Verfügung stellen.