Nach sechs Jahren Bauzeit: Neuer Landtag vor der Eröffnung

Seit fast sechs Jahren wird der Landtag saniert. Das Innere des denkmalgeschützten Gebäudes soll „fit für die Zukunft“ gemacht werden. Geplant war eine Bauzeit von drei Jahren. Nun soll es endlich bald eröffnet werden.

Nach sechs Jahren Bauzeit: Neuer Landtag vor der Eröffnung

Besserer Brandschutz, mehr Barrierefreiheit, eine moderne Haustechnik: Seit Januar 2016 herrscht auf dem Gelände des Deutschhauses eine Baustelle. Das Gebäude, in dem der rheinland-pfälzische Landtag sitzt, soll „fit für die Zukunft“ gemacht werden, heißt es. Seitdem finden auch Plenarsitzungen nicht mehr in dem Haus statt, sondern in der umgebauten Steinhalle des Mainzer Landesmuseums sowie in der Rheingoldhalle.

Drei Jahre waren für die Sanierungsarbeiten geplant, nun dauern sie bereits doppelt so lange. Jetzt sei endlich die Eröffnung in Sicht, teilte Landtagspräsident Hendrik Hering am Mittwoch (30.06.) während einer Pressekonferenz mit: Am 8. September soll das Gebäude mit einer parlamentarischen Eröffnungsveranstaltung und parlamentarischem Abend eingeweiht werden, ebenso wie das Kunstwerk „Drei Fahnen“ des Berliner Künstlers Michael Sailstorfer. Zwei Tage später findet ein „Tag des offenen Landtags“ statt. Anschließend können regelmäßige Führungen gebucht werden.

Auch die Hambacher Fahne wird Anfang September in den Plenarsaal zurückkehren. Landtagsverwaltung mit Landtagspräsident und Direktorin können bereits zum Ende der Sommerferien einziehen. „Wenn uns die Corona-Pandemie keinen Strich durch die Rechnung macht, sollen dann am 22. und 23. September die ersten beiden Landtagssitzungen im sanierten Deutschhaus stattfinden“, so Hering.

Zeit- und Kostenplan im „vertretbaren Rahmen“

In den vergangenen sechs Jahren wurde das Gebäude komplett entkernt und neu errichtet, nur die Außenmauern blieben stehen. Ziel war es, mit wenigen unterschiedlichen Materialien ein „zeitloses und transparentes“ Gebäude zu schaffen, das zugleich modern ist und den historischen Charakter beibehält. Rund 100 Bauarbeiter täglich sanierten 47.000 Kubikmeter Raum und verlegten 13 Kilometer Kabel. Eine neue Medientechnik soll für die Besucher „ein neues Raumerlebnis schaffen“, heißt es von Seiten des Landtags. Die Tribüne ist hufeisenförmig konstruiert, um eine „verstärkte Nähe zum parlamentarischen Geschehen“ zu erzeugen.

Trotz der Verzögerungen habe sich der Zeit- und Kostenplan in einem „vertretbaren Rahmen bewegt“, so Hering. Der Bau sei mit „komplexen Schwierigkeiten“ verbunden gewesen, etwa die Anforderungen des Denkmalschutzes und der Archäologie sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Hinzu kamen enorme Preissteigerungen in der Bauindustrie sowie Fachkräfte- und Rohstoffmängel. Zudem waren mehrmals internationale Lieferketten unterbrochen.

Laut aktuellen Berechnungen wird die gesamte Landtagssanierung rund 73 Millionen Euro kosten, wobei die reinen Baukosten bei 58 Millionen liegen. „Mit dem sanierten Deutschhaus ist ein attraktiver, moderner und zeitgemäßer Ort der Demokratie entstanden, in dem sich Geschichte, Gegenwart und Zukunft verbinden“, so Landtagspräsident Hering.

Hintergrund:

1740 erbaut, diente das Deutschhaus einst dem Mainzer Erzbischof und Kurfürsten Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg als Repräsentationsstätte. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus 1950/51 wiederaufgebaut - innerhalb von nur 153 Tagen. Seit 65 Jahren also dient das Gebäude, das direkt gegenüber dem Mainzer Schloss liegt, als Parlamentsgebäude des rheinland-pfälzischen Landtags. Seitdem sei es nicht grundlegend saniert worden.

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